Warum ich diese Petition „für“ #Netzneutralität nicht unterschreibe!

Zunächst einmal: Natürlich bin ich nicht für die geplanten Gesetze oder überhaupt irgendwelche Einschränkungen. 

Aber ich halte nichts von Gutmensch Naivität und die seit Jahren durchs Netz geisternde Vorstellung vom „freien Internet“ – weil es eine Illusion ist. Eine dumme Täuschung, ein Trick und wie immer ein Instrument, um Menschen zu beeinflussen.

Erst werden sie „kostenlos“ ins Netz gelockt, als wäre es jemals umsonst gewesen. Für alle Gratis-Angebote im Netz zahlt man immer auch mit seinem Daten, die an verschiedene „Dealer“ gehen, die sie dann an Geheimdienste weitergeben müssen und ansonsten damit Handel treiben und satte Gewinne einstreichen. Um überhaupt ins Netz zu kommen, musste man immer schon zahlen. 

Was schwurbelt hier aber der Petent?

Das Internet ist in Gefahr. Das EU-Parlament hatte mit großer Mehrheit erst im April 2014 beschlossen, strenge Regeln zur Netzneutralität zu schaffen. Doch die Bundesregierung setzte sich im EU-Rat dafür ein, diese Entscheidung aufzuheben. Angela Merkel hat sich mehrfach dafür ausgesprochen, das Zweiklassen-Netz zu schaffen. Das hätte zur Folge, dass besonders beliebte Dienste im Internet in Zukunft über kostenpflichtige Überholspuren nutzbar sind, während andere Dienste dadurch benachteiligt werden.

Nein, das Internet ist nicht in Gefahr – es ist die Gefahr!

Das Internet wäre damit nicht mehr neutral und die Meinungsfreiheit und Vielfalt in Gefahr.

Die Meinungsfreiheit wird gerade massiv von unserem Justizminister eingeschränkt und Vielfalt war im übrigen auch noch nie die Sache sogenannter Internet-Aktivisten. Kann man gerne auf die Probe stellen, wenn man als Künstler mit Piraten und ähnlich merkwürdigen Gesellen über Urheberrechte diskutiert. Da gilt nur eine Meinung, die verblüffend an diese „No Nation, No Border“ Ideologie erinnert, welche uns gerade in den Abgrund führt.

In einem Internet ohne Netzneutralität regieren große Provider, sie entscheiden und kontrollieren, welche Inhalte in welcher Geschwindigkeit und zu welchem Preis durchgeleitet werden. Die großen Telekom-Konzerne sind stark und einflussreich und bezahlen hunderte von Lobbyisten. Doch Millionen von Menschen in den USA und Europa schlagen zurück und fordern ihre Regierungen auf, sich für ein freies Internet einzusetzen.

In Zeiten von Facebook Zensur und Twittersperren kann man auch einen Wunschzettel an den Weihnachtsmann schreiben.

Das Internet ist und bleibt eine Datensammelmaschine, ein Fanggerät und nur wer die Netzhoheit besitzt, der hat die Macht. Diese Macht teilen sich die Internetgiganten, die Provider und die Wächter an den Zugangsstellen – die Vertreter der Staaten.

Wenn Erdogan oder Maas es wollen, dann werden Dienste gesperrt, ob erlaubt oder nicht!

Mit dieser Petition fordern wir unsere Bundesregierung und die Europaabgeordneten auf, das Zweiklassen-Internet zu verhindern und sich klar zur Netzneutralität zu bekennen. Das Internet darf nicht den Interessen der Telekom-Lobby geopfert werden.

Das Zweiklasseninternet war immer schon ein Kastensystem und das wird es auch bleiben. Es folgt den Regeln der Machtstrukturen. Der einfache User ohne „Netzkompetenz“ ist doch sowieso den zahlreichen Fallen hilflos ausgesetzt.

Es besteht dazu eine Art Online Zwang, durch die Abschaffung von Bankgeschäften in den Filialen, die Erschwerung für Überweisungen und all der ganze Kram. Vieles geht gar nicht mehr, ohne dass man irgendwie das Internet dazu braucht.

1969 schafften es die Amerikaner (der Legende nach) ganz ohne Windows und ein Internet zum Mond zu fliegen. Auch Kolumbus erreichte Amerika ohne GPS. Mit Navi wäre er dagegen nie angekommen, weil es nicht auf der Karte verzeichnet gewesen wäre.

Daneben löst das Internet die Privatsphäre auf. Alles ist öffentlicher Raum, alle Daten sind abgreifbar, Smart Technologie zieht immer mehr in die Haushalte ein und liefert unentwegt Daten.

Wer zuviel Strom verbraucht, Heizenergie verschwendet oder zu schnell über die Autobahn rast – und vor allem wann er sich wo befindet. Nochmal also: Nicht das Internet ist in Gefahr, sondern das Internet ist die Gefahr. Es verbindet nicht, sondern fischt Daten und macht abhängig – es ist Zwang.

Hintergrund:

Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, ein Zweiklassen-Internet zu schaffen. Damit will sie Drosselkom-Tarife legalisieren, und es Providern ermöglichen, Verbraucherinnen und Verbraucher noch mehr als bisher zur Kasse zu bitten. Besonders beliebte Dienste sollen künftig über kostenpflichtige Überholspuren nutzbar sein, während alle anderen nur noch im Schneckentempo durch die Leitung kriechen.

Als gäbe es irgendetwas im realen Leben umsonst. Wo ein Geschäft winkt, da wird es gemacht. Das nennt man Wirtschaft.

Abhängigkeit schaffende Lockangebote machen nicht nur Dealer, sondern alle Handeltreibenden.

Hier ein Appetithäppchen, da ein kostenloser Tee auf dem orientalischen Markt und immer schön Lächeln sind nicht der Ausdruck von Nächstenliebe und Gastfreundschaft, sondern eine Methode, um Kunden für sich zu gewinnen.

Im englischsprachigen Raum gilt der Ausdruck „Dealer“ deshalb für alle Arten von Händlern, eindeutig negativ besetzt ist diese Vokabel nur bei uns.

Jetzt sind alle im Netz und nun ist der Zeitpunkt gekommen, dafür abzukassieren. Naiv ist, wer jemals etwas anderes vom Internet erwartet hat. Dazu müsste die globale Welt- und Wirtschaftsordnung geändert werden.

Netzneutralität steht für Meinungsfreiheit und -vielfalt. Netzneutralität steht dafür, dass wir entscheiden können, wie wir das Netz nutzen wollen. Netzneutralität steht dafür, dass sich neue, innovative Ideen durchsetzen.

Kurz: Netzneutralität steht für ein echtes Netz mit gleichen Zugangsbedingungen für alle. Telekom-Konzerne wollen die Kontrolle an sich reißen, um digitale Mautstraßen zu errichten. Sie wollen bestimmen können, welche Inhalte durchgeleitet werden – und für welche wir Aufpreise bezahlen sollen.

Es hilft auch nicht, wenn man seine Forderung und Kindergartenargumente wiederholt.  Die Netzbetreiber haben einen Teil der Hoheit, ebenso wie die großen Internetkonzerne.

Wer glaubt, dass Wikipedia eine Quelle ist, dass Google und andere Suchmaschinen (welche denn?) ihre Daten nicht filtern und in ihrem Interesse ausliefern, dass Netzkampagnen sich einfach so verbreiten, als stünden dahinter nicht gut bezahlte Agenturen und regierungsnahe Institutionen, dem ist schlicht nicht zu helfen.

Je größer dieses Netz wird, desto mehr geht man als User wieder unter in der Masse.

Als Beispiel:

Als Twitter noch ein wenig bekannter Dienst mit überwiegend netzaffinen Usern war, löste man mit einem Tweet und einem Link darin viel mehr Interaktionen, also Klicks auf eigene Webseiten aus, als heute. Heute muss man dafür zahlen, um sichtbarer zu werden, viel Zeit und Mühe investieren, die von den eigentlichen Ansinnen ablenken. Das anfänglich so freie Internet wurde von Twitter, Google und Facebook in diesem Sinne geklaut.

Das Netz, wie es anfangs war, eine Erweiterung der analogen Welt, wird in den sozialen Netzwerken erneut gespiegelt, wie in einer Matrix. Wer eine Webseite betreibt, muss zwangsläufig auch die „sozialen“ Netzwerke mit einer Seite beglücken.

Seine Meinung im Netz oder andere Angebote, also Waren und Dienstleistungen anzubieten, ist keineswegs so barrierefrei möglich, selbst wenn man kostenlos Zugang zum Netz hat.

Viel mehr ist man nichts als ein Fisch im weltweiten Datenozean, auf dessen Meinung der Fischer einen Dreck gibt.

Wenn man zu klein ist, geht man durch die Maschen. Wenn man etwas größer ist und nicht mehr hindurch schlüpft, hat man vielleicht Glück und wird nach dem Aufholen wieder ins Wasser zurückgeworfen, weil man immer noch zu klein ist, um gewinnbringend weiterverarbeitet werden zu können.

Niemand kommt an diesen Realitäten vorbei. Da es keine freien Märkte gibt, kann es auch kein freies Netz geben.

Und warum muss eigentlich immer alles, frei und kostenlos für alles und jeden zur Verfügung stehen? Soll das Internet in den Grundrechten verankert werden, muss jetzt noch eine Extrapassage in der Charta der Menschenrechte formuliert werden?

Das Netz hat weniger zur Befreiung als eher zu einer wahren Konsumorgie beigetragen.

Anfangs glaubten sogar Klimaspinner, das Netz würde den Papierverbrauch senken.

Das Gegenteil ist der Fall. Nie gab es in den Firmen und privaten Haushalten so viel Druckerpapier wie heute, so viel Versandhandel, der Ressourcen verschwendet, abgesehen von der ganzen Energie, die das Netz benötigt, um betrieben zu werden und die alljährliche Produktion von Elektronikschrott.

Echte Waren und Werte, die man zum Leben benötigt hat uns dieses Netz nicht beschert.

Und auch all die Kontakte, die man über das Netz knüpfen kann – wären sie wirklich ohne das Netz nicht zustande gekommen? Suchen und finden sich Liebende oder Gleichgesinnte deshalb mehr oder weniger? Wie kam Hannibal nur über die Alpen und die Türken vor Wien? Wie fanden sich Goethe und Schiller? Wie gelangte der Geist der französischen Revolution nach Amerika, halt stopp, war das nicht umgekehrt?

Wenn ich mir ein Buch kaufe, können einzelne Seiten darin nicht einfach gelöscht werden, weil es jemandem nicht passt was darin steht. Im Netz ist das alles möglich. Angeblich vergisst das Netz nichts. Auch das ist eine Lüge! Was wir nicht sehen sollen, das verschwindet.

Neuerdings gibt es Leute, die glauben, dass Personen oder sonstige Dinge, die man bei Google nicht findet, gar nicht existieren. Wie wäre es mal damit, aus dem Haus zu gehen?

Abschliessend sei noch gesagt: Netzneutralität ist eine ähnliche Wortverknüpfung wie Religionsfreiheit. Da werden zwei Gegensätze zu einem Ganzen zusammengefügt, die eine Illusion vorgauckeln.

Weder Religionen noch Netze haben irgendetwas mit Freiheit im Sinn!

Nicht im Entferntesten!


Hier geht es zur KiTa Petition der Netzfetischisten

 

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Wolfgang van de Rydt
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