Euro Zeichen FFM – foto: O24

Ein offener Brief an den zukünftigen EZB-Präsidenten

Ein Schreiben der EZB-Mitarbeitergewerkschaft IPSO an den Nachfolger von Mario Draghi

Intransparente Arbeitsverträge, Leiharbeit, Burnout, Outsourcing, wenig bis kein Mitspracherecht für die Belegschaft – kaum einer vermutet solche Missstände in einer der tragenden Institutionen Europas, der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main. Ein Blick hinter die Kulissen aus der Perspektive von IPSO, der EZB-Gewerkschaft.

Von einer EU-Institution erwartet man in der Regel, dass Sie sich vorbildlich verhält. Transparent, dialogbereit und ganz im Dienste ihrer Sache. Das dies nicht immer der Fall ist, zeigt ein offener Brief der Mitarbeitergewerkschaft der EZB. IPSO wendet sich direkt an potentielle Nachfolger Mario Draghis und weist in deutlichen Worten darauf hin, „dass das EZB-Direktorium über den EZB-Rat mit praktisch uneingeschränkter Macht ausgestattet wurde, die ihm insbesondere die einseitige Änderung der Arbeitsrichtlinien der Mitarbeiter (CoE) nach Belieben gestattet.“

Die Lage hat sich verändert, leider nicht zum Guten.

Befristungen bei Neuanstellungen im Hause seien der Grund für eine erhebliche Mitarbeiterfluktuation. Aktuell arbeitet fast die Hälfte der EZB-Mitarbeiter auf Grundlage befristeter Verträge. IPSO sieht hier ein elementares Betriebsrisiko für die Bank.
Stabilität? Nur ein Drittel mit unbefristeten Verträgen.

Dem offenen Brief ist auch zu entnehmen, wie sich die Vertragssituation innerhalb der EZB aussieht: „Etwa ein Drittel der Menschen in der EZB steht gar nicht in einem direkten Anstellungsverhältnis mit der EZB.“ Hier handelt es sich um externe Mitarbeiter oder Leiharbeiter. Von den unmittelbar bei der EZB Beschäftigten ist wiederum etwa die Hälfte der Verträge befristet, womit nur etwa ein Drittel der Mitarbeiter in der EZB unbefristete Verträge hat. Dieses Verhältnis sei für eine öffentliche Institution wie eine Zentralbank äußerst ungewöhnlich, so die Mitarbeitergewerkschaft. Es stehe nicht im Einklang mit dem langfristigen Ziel der EZB, für Stabilität zu sorgen.

Der Druck auf Mitarbeiter steigt

Eine Situation, die zumindest teilweise aus einem systemimmanenten Interessenkonflikt seitens der Präsidenten der Nationalbanken resultiert: Um Mitarbeiterzahlen ihrer eigenen Institute langfristig zu sichern, setzen sie lieber die EZB-Arbeitskräfte unter Druck. Auch wenn die Zahl der Burnout-Erkrankungen zunimmt und in einer Mitarbeiterbefragung die Angestellten auf die Verhältnisse hinweisen.

Hoffnung auf Besserung unter neuer Präsidentschaft.

IPSO appelliert an den neu zu berufenden Präsidenten der EZB, zu tun “‘what ever it takes’, um die Situation innerhalbe der EZB zu verbessern und eine vernünftige Mitarbeiterbeteiligung zu etablieren”.