Erdogan und der Islamische Staat

Türkei vor dem Regime Change

Photo by theglobalpanorama
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Unterstützt Erdogan heimlich den Islamischen Staat?

Das werfen ihm die kurdischen Demonstranten vor. Erdogan hat noch ganz andere Probleme. Die Regierungsbildung kommt nach der Wahlschlappe der AKP nicht so recht voran.

Neuwahlen sind sehr wahrscheinlich, aber ein unkalkulierbares Risiko für Erdogan – es könnte entgegen der Hoffnung zu einem weiteren Machtverlust kommen. Was dann?

Wenn sein Rückhalt schwindet, dann sinkt auch die Hemmschwelle für seine Gegner, massiver gegen ihn wegen der immer wieder aufkommenden Korruptionsvorwürfe vorzugehen.

Falls Erdogan nun den Forderungen nachgibt und seinerseits härter gegen die Terrororganisation Islamischer Staat vorgeht, riskiert er Anschläge auch im Inneren des Landes. Entschlossenheit gegen gewaltbereite Islamisten im eigenen Lager würde ihn auch dort schwächen, wo Erdogan seinen größten Rückhalt hat – bei den stark religiösen Muslimen auf dem Land. Sollten beliebte Imame wegen Unterstützung des Terrorismus im Gefängnis landen, kann sich die Stimmung schnell gegen Erdogan richten.

So oder so, hat Erdogan mit dem Islamischen Staat kalkuliert – bei einem weiteren Zerfall des syrischen Staates, liegt die Ausdehnung des türkischen Einflussbereichs auf syrisches Territorium unter Besatzerstatut ziemlich nahe. Dazu muss der IS aber noch weiter wüten und vor allem den Kurden die Hoffnung auf Autonomiegebiete nehmen.

Erdogan will kein dauerhaftes Kalifat in der Nachbarschaft, sondern in einer günstigen Stunde, auch mit der hohen Zahl syrischer Flüchtlinge, die ja unglaublich bereitwillig aufgenommen wurden, als Pfand und moralische Rechtfertigung, dem Osmanischen Reich wieder ein Stückchen näher kommen.

Einzig die Kurden stören die Pläne des Sultans – und, nicht zu unterschätzen, die Gülen-Bewegung, sowie die alten kemalistischen Eliten, denen eine re-islamisierte Türkei ein Greuel ist.

Vor wenigen Jahren hätte niemand damit gerechnet, dass sich die Lage in der Türkei einmal so fragil wie heute entwickeln könnte.

Zurzeit ist alles denkbar – ob schon jemand Pläne in der Schreibtischschublade bereit hält, für die Zeit nach Erdogan?

 

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