Grüne Pädophilie – Debatte: Ein Betroffener berichtet

Der Kontakt kam vor zwei Jahren über das damals zur Pädophilie Debatte geschaltete Grüne Sorgen Telefon zustande (2013)

Einige Betroffene haben sich gemeldet, die an verschiedene Stellen weiter vermittelt werden konnten. Einer davon war Andreas B. (Name geändert)

Andreas B. befand sich 2013 in stationärer psychiatrischer Behandlung. Von einer Anzeige hatte ihm ein Psychologe abgeraten, da der Beschuldigte offenbar inzwischen verstorben war und die Beweislage äußerst dünn erschien.

Aussichten auf eine Entschädigung, wie bei den Missbrauchsopfern der Kirchen hätte es auch nicht gegeben, weil die Partei der Grünen, anders als die Betreiber der Kinderheime nicht als Organisation in der Verantwortung steht. Zum Zeitpunkt des Missbrauchs war der Täter wohl auch noch nicht Mitglied der Partei.


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„Ich bin da irgendwie hinein geraten. Zuhause gab es ständig Krach und nachdem die Schule das Jugendamt zu uns schickte, sollte ich ins Heim! Da bin ich kurzerhand abgehauen“

Wie alt waren Sie da?

„Dreizehn Jahre und ich ging aufs Gymnasium. Das war 1977.“

Haben Sie schon vorher Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht?

„Nein, aber Prügel. Meine Eltern haben sich ständig gestritten. Mein Vater hat viel gearbeitet und getrunken, wie eigentlich alle damals. Ich kam in der Schule nicht mit, habe oft den Unterricht geschwänzt und dann wurden die Lehrer aktiv. Die ersten blauen Briefe habe ich abgefangen, dann kam das Jugendamt und ich sollte weg.

Ich bin erst zu den Hippies in den Park gegangen, die hingen da immer rum, das war der einzige Flecken mit Leben in der spießigen Kleinstadt. Für mich waren die Siebziger Jahre alles andere als Kult, es war die schlimmste Zeit meines Lebens.

Bei den Hippies war der ältere Bruder von einem Freund, er war auch noch keine 18, aber hatte eine eigene Wohnung von seinen Eltern. Da konnte ich eine Zeit lang schlafen, aber er wollte keinen Ärger mit den Behörden, sondern sein Abi machen.

Haben Sie damals Drogen genommen?

„Ach so. Die Hippies haben nicht alle Haschisch geraucht und einige noch mehr anderes Zeug genommen. Ich aber nicht – ich hatte Angst davor. Ich trank Alkohol. Das hatte ich schon bei meinen Eltern angefangen, da stand ja immer genug davon rum. So habe ich die Prügel besser ertragen.

Ich konnte nicht lange da bleiben, denn die Wohnung war ja bekannt. Der Typ hatte sogar ein eigenes Telefon, was früher nicht selbstverständlich war.  Meine Mutter rief dann dort an und ich musste verschwinden.“

Andreas B. kann seine Geschichte teilweise nur lückenhaft wieder geben. In der Wohnung seines Bekannten waren wohl immer wieder Leute aus der Szene zu Gast. Es wurden Drogen genommen und offenbar auch damit gehandelt. Einer der Haschischdealer war  Christian G. (Name geändert)

Christian G. hielt sich oft in einer Kommune auf einem Bauernhof auf, war politisch sehr aktiv und nahm Andreas B. mit. Es gab auch Verbindungen zur Baghwan Szene, zu autonomen Gruppen und Atomkraftgegnern.

„Ich ließ mir die Haare wachsen und sah mehr aus wie ein Mädchen. Weil ich noch nicht strafmündig war, wollte mich Christian für die Stadtguerilla einsetzen.

Ich fand das zwar spannend, aber ich konnte mit dem politischen Gerede nicht viel anfangen. Ich war viel zu jung dazu.

Überall wo wir waren, wurde über die Terroristen von der RAF geredet, viele sympathisierten damit. Er hat mich immer mitgenommen nach Kalkar, wenn dort gegen das AKW demonstriert wurde.“

Von welchem Geld haben Sie gelebt?

„Das weiss ich nicht. Er hat immer wieder gearbeitet, auf dem Bau – ich glaube, er war Schreiner. Dann sind wir öfter nach Holland gefahren und haben Haschisch geschmuggelt.“

Wann hat das mit dem Missbrauch angefangen?

„Ich weiss nicht, das kam so schleichend. Je nachdem, wo wir waren, haben die Großen ja immer auch offen Sex gehabt und ich war mittendrin. Dabei fing es an, dass er mir öfter in die Hose gefasst hat und ich auch mal zufassen sollte.“

Haben da auch Leute bei zugeschaut?

„Ich weiss nicht, ich glaube, das hat niemand so richtig kapiert. Auf dem Bauernhof, wo wir oft wohnten, waren auch mehrere Frauen, die auch sehr freizügig waren. Eine wollte mir zeigen, wie es geht. Sie hieß Liese und ich fand sie sehr toll. Ich würde das nicht als Missbrauch bezeichnen, auch wenn ich da nicht mal vierzehn war.“

Hatte dieser Christian denn auch Beziehungen zu Frauen oder eine Freundin?

„Nein, er war schwul. Ich habe ihm erzählt, dass Liese mir zeigen wollte, wie es geht, da wurde er wütend und hat mir erklärt, dass das nicht geht. Sie wäre schon erwachsen, deshalb wäre das verboten und außerdem könnte ich dadurch Vater werden, obwohl ich selbst noch ein Kind sei.“

Andreas B. kann sich nicht erinnern, wann er zum ersten Mal von Christian G. missbraucht wurde. Nach der Begebenheit mit der Frau kamen sie nicht mehr so oft in die Kommune, sondern wohnten in der Hausbesetzerszene. In dieser Zeit soll Christian G. ihm immer wieder eingeredet haben, dass er selbst auch homosexuell sei.

„Ich habe es getan, aber ich wusste immer, dass das für mich nicht richtig ist. Ich weiss vieles nicht mehr so genau. Ich habe auch Haschisch geraucht und war davon immer so müde.“

Wie lange waren Sie mit Christian B, zusammen?

„Zusammen waren wir nicht. Ich hielt mich bei ihm versteckt, weil ich Angst vor dem Heim hatte. Es war schon so eine Art gegenseitiges Benutzen,“

Aber Sie waren ein Kind…

„Ja, das ist richtig. Er war ja schon erwachsen, etwas an die 30 glaube ich. Es war auch ein bißchen Vaterersatz.“

Und wie lange ging das?

„Bis ich Fünfzehn war. Also fast zwei Jahre. Ich wollte mich ja bis zu meinem achtzehnten Geburtstag verstecken, damit mich niemand in ein Heim bringen konnte. Aber dann ist mein Vater gestorben.“

Hatten Sie denn noch Kontakt zum Elternhaus?

„Ja, ich habe manchmal meine Mutter angerufen. Sie hat dann immer geweint, ich soll zurück kommen. Und sie hatte Angst, dass ich irgendwann zu den Terroristen gehören würde. Mein Vater hat nur einmal am Telefon geredet und nur geschimpft, er war betrunken.“

Und dann ging es wieder nach Hause?

„Ja. Ich hatte Streit mit Christian und er hat mich geschlagen, genau wie mein Vater. Das setzte etwas in mir in Gang und ich habe meine Mutter angerufen, da war er (der Vater) schon seit zwei Wochen tot.“

Worum ging es bei dem Streit?

„Ich hatte Heimweh. Er hat gesagt, meine Eltern wären bürgerlich und mein Vater wäre ein Tyrann oder so ähnlich. Ich sollte sie nicht mehr anrufen, weil sie mich so schlecht behandelt hätten. Dann wollte er mit mir was rauchen und ich habe ihn weggestoßen, da hat er mich geohrfeigt und geschimpft. Er hätte mich aus der Scheisse geholt und ich sollte ihm dankbar sein….

…..

Dann bin ich einfach nach Hause getrampt, obwohl ich totale Angst vor dem Heim hatte. Meine Mutter hat solange beim Jugendamt geheult, dass ich bei ihr bleiben durfte. Ich musste zur Hilfsschule, weil ich natürlich jede Menge nachzuholen hatte. Dort konnte ich dann den Hauptschulabschluss machen – ohne Englisch. Aber es hat gereicht, um eine Lehrstelle zu kriegen.“

Gab es dann, als Sie wieder zuhause waren therapeutische Begleitung?

„Nein. Ich habe nichts erzählt von allem. Nur dass ich aus Angst vor dem Heim und meinem Vater weggelaufen war und mal hier, mal dort gelebt habe. Ich war ja auch nicht drogensüchtig geworden, dann wäre es sicher anders ausgegangen.

Die Lehrer an der Schule waren aber sehr nett und verständnisvoll und haben zugesehen, dass jeder irgendwie seinen Abschluss machen konnte.

Alle paar Monate kam eine Frau vom Jugendamt und hat überprüft, ob alles in Ordnung war und ob ich in der Schule mitkam. Mehr wollten die nicht wissen – Hauptsache ich funktionierte.“

Andreas B. hat später eine Lehrer zum Autoschlosser gemacht und versucht, ein normales Leben zu führen, was ihm zunächst auch gelang. Weder über die Zeit mit Christian G. noch über die Zustände im Elternhaus hat er gesprochen, sondern einfach alles verdrängt.

Der Zusammenbruch kam erst viele Jahre später. Er hatte eine Freundin, die ein Kind von ihm erwartete. Sie heirateten und zogen zusammen. Dann tauchte Christian G. wieder auf. Er stand in der Stadt an einem Infostand der Grünen und war mittlerweile Mitglied der Partei. Er kandidierte auch für das  Rathaus, bekam aber nicht genug Stimmen.

Er erkannte Andreas B. wieder und sprach ihn an, als er in Begleitung seiner schwangeren Frau war.  Sie wollte natürlich wissen, woher die beiden sich kannten, und gab sich mit einem einfachen „von früher“ nicht zufrieden. Andreas B. war überfordert mit der Situation.

„Ich hätte sie beinahe sogar geschlagen, nur damit sie nicht weiter fragt und das, obwohl sie schwanger war. Ich habe dann angefangen zu trinken, damit es mir besser ging. Bei der Geburt unseres Sohnes war ich sturzbetrunken“

Die Ehe ging in die Brüche und Andreas B verlor seinen Job, landete zum ersten Mal in der Psychiatrie per Zwangseinweisung, nachdem er schwer betrunken einen Autounfall hatte.

Auch dort fand er nicht den Mut, über die Vergangenheit zu sprechen.

„Es sollte keine Bedeutung haben. Ich wollte einfach wieder normal leben. Aber es klappte nicht mit der Abstinenz. Auch die anonymen Alkoholiker waren nicht das richtige für mich.

Ich schaffte es immer mehrere Monate nichts zu trinken und meinen Sohn zu besuchen. Ich habe auch wieder eine neue Stelle gefunden und dann musste ich mich wieder voll laufen lassen. Irgendwann war der Führerschein ganz weg.

Es ging aber nicht so weiter. Erst durch die Missbrauchsskandale der Kirche kam bei mir das Bewusstsein auf, dass ich selbst auch missbraucht worden bin. Ich hatte mich immer geschämt und schuldig gefühlt. Nur gab es für mich keine Anlaufstelle. Ich war ja nie in einem Heim.

Dann kam der Skandal um die Odenwaldschule und mir wurde klar, dass ich ernsthaft Therapie brauche und dass mit dem Trinken Schluss sein muss. Ich war immer wieder wegen Depressionen in Behandlung und habe Tabletten genommen.“

Wie geht es Ihnen heute?

„Nach unserem ersten Gespräch habe ich noch mehrere Wochen Therapie gemacht und wurde dann entlassen. Ich gehe regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe – einmal wegen dem Trinken, aber auch um meine Geschichte auf zu arbeiten.

Meine Probleme rühren natürlich auch aus dem Elternhaus, die Gewalt durch meinen alkoholkranken Vater und das Schweigen meiner Mutter dazu. Das weiss ich heute. Christian G. hat meine Notlage ausgenutzt und mich für eine gewisse Zeit gefügig gemacht.

Aber als Erwachsener hätte er natürlich ganz anders handeln müssen. Das kann man auch heute nicht mit dem Zeitgeist entschuldigen. Ich war sicher nicht sein einziges Opfer.

Haben Sie noch mal mit Leuten aus der Zeit Kontakt gehabt?

„Von jemanden aus der Kommune habe ich erfahren, dass Christian G. wohl schon vor Jahren an Krebs gestorben sein soll. Er hat es bei den Grünen nicht in die erste Reihe geschafft, war aber wohl immer noch irgendwie aktiv.“

Wenn Sie die Grünen von heute so anschauen, dann…

„Ich interessiere mich nicht für Politik. Ich wollte eigentlich immer nur mein eigenes Leben auf die Reihe kriegen. Als ich abgehauen bin, da gab es ja noch gar keine Grüne, aber die Ideologie war schon da. Und ich bin ja zu denen geflohen, die für eine bessere Welt standen, die anders waren, als meine Eltern.

Ich hätte mich nie einem der Nachbarn oder Kneipenkumpane von meinem Vater anvertraut und hätte dort Schutz gesucht.

Haben Sie auch andere, später prominente Grüne in dieser Zeit kennengelernt?

„Nein, die wurden ja erst später gegründet. Aber Christian G. passte genau in die erste Generation, zu solchen wie Joschka Fischer oder Cohn-Bendit, der immer noch dabei ist. Kein Wunder, dass er dort gelandet ist.

Ich fühle mich irgendwie betrogen, da mir diese ganze Bewegung etwas versprochen hat, was sich nicht erfüllte und für mich zu einem Alptraum wurde. „

Inwiefern sehen Sie die Grünen als Partei in der Verantwortung?

„Ich sagte ja schon, es gab diese Partei damals noch nicht, aber die Ideologie und das ganze Gerede von einer besseren Welt. In diesem Umfeld ist mir genau das zugestoßen, wovor ich geflohen bin, auch wenn ich damals nicht wusste, dass man in Heimen Gefahr lief, neben Prügel auch sexuell missbraucht zu werden.

Die Partei müsste aber heute zu ihrer Verantwortung stehen, aus welchen Lagern sie sich gegründet hat und sollte sich von solchen zwielichtigen Personen auch trennen.

Ich habe nicht einen einzigen Artikel über Volker Beck und seine Äußerungen von früher lesen können, ohne dass bei mir die Galle hochkommt.

Ich bin ihm nie begegnet, aber an seiner Stelle hätte heute auch gut Christian G. sitzen können.

 

Andreas B. ist heute immer noch nicht stabil, wie er sich selber einschätzt, lebt aber zurzeit in Partnerschaft und hat regelmäßig Kontakt zu seinem Sohn und seiner Ex-Frau.


Bildquelle: Public domain

Grüne Pädophilie Debatte

 

 

 

 



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