Der außerordentliche AFG-Kreisparteitag tagte in Cöllen

– satirischer Sonderbericht von Peter Columbo, dem „Partei-Detektiv“ –

Anfang Juli 2017 hielt der landesgrößte Kreisverband Cöllen der Erneuerungspartei „Alles für Germanien“ (AfG) seinen außerordentlichen Kreisparteitag ab. Auf der Agenda standen die Aussprache zum Rücktrittsgrund des Alt-Vorstandes, das miserable Abschneidens bei den letzten Landtagswahlen und Grundsatzfragen zum alten und neuen Parteikurs. Mit der Wahl einer neuen „ehrbaren“ Parteiführung sollten Zeichen des Wandels gesetzt werden. Was daraus wurde und wie die Chancen der Partei in den kommenden Parlamentswahlen in Gesamt-Germanien stehen, erläutert folgender Sonderbericht, der sich wegen erneuten Presseausschluss Passagenweise Insiderinformationen stützen muss.

ABCD-Strukturen auch in der jungen AFG

Die gut verlinkten ALeute (Amtsträger, „Absahner“) ließen sich von Anfang an die Kontrolle nicht aus der Hand nehmen. So belagerten A1-/A2-Amtsträger, die neben der Funktionärstätigkeit einen oder zwei bezahlte Mandatsträgerposten (Abgeordneter, Stadtrat) bekleideten, häufig das Rednerpult. Eigentlich war Ämterhäufung verboten, die Profiteure behaupteten jedoch, die Satzung verbiete sie nur auf Bundesebene. Die Basis winkte nicht nur diese offensichtliche Verfehlung ohne Widerspruch durch. Letztendlich übernahm dann auch nicht das lästernde Parteivolk die Offensive, sondern die wenigen Dissidenten, denen trotz Mobilisierungsversuchen die Mitgliederunterstützung fehlte. So etwas soll in der Geschichte öfter vorgekommen sein. Da wollen ein paar Revolutionäre ein etabliertes Regime stürzen, haben aber das Volk nicht auf ihrer Seite. Neben den A-, B-, und D-Spielern meldeten sich, wie erwartet, auch Chaoten zur Wort. Bei Parteien in der Selbsterkennungsphase, sind polternde Auftritte – in Cöllen durch einen Vertreter der Heilberufe durchexerziert – keine Seltenheit. Hitzköpfe schrecken selbst vor justiziabel verwertbaren Beleidigungen nicht zurück, weil sie emotional handeln oder, was seltener vorkommt, auf sich aufmerksam machen wollen. Großparteien haben bei höheren Mitgliederzahlen – mehr Indianer pro Häuptling – ihre Provokateure besser im Griff. Selbst die kleine FDP hat in der Domstadt viermal mehr Mitglieder als die Erneuerer. Größere Massen sind besser zu kontrollieren – wissen die Psychologen.

Auch im sozioökonomischen Querschnitt glänz(t)en die AfG-Funktionäre nicht unbedingt durch eine transparente und aufregende Vita. Hier ein abgebrochenes Studium, da ein nicht geschützter Titel, wie Heilpraktiker oder Unternehmensberater, hin und wieder Kurzinfos zur angeblichen Selbstständigkeit. Viele gerieten in Erklärungsnot, wenn sie gefragt wurden „wovon sie eigentlich leben“. Die Rheinländer scheinen in dieser Beziehung dennoch harmlos zu sein. Bundesweit füllen angeblich Dutzende Mehrfach – Pleitiers die Parteireihen der AfG. Suspekte Politikerbiographien gehören mittlerweile selbst bei den Erneuerern zum Standard. Den Dissidenten und 2013er Kombattanten half auf jeden Fall nicht viel, dass sie vorzeigbare Leistungsträger in ihrer Mitte besaßen. Wie so oft im Leben, war Qualität nicht gefragt.

Dissidenten haben es schwer mit ihren Reformplänen

Laut der Tagesordnung sollte alles wie business as usual verlaufen. Berichte, Entlastungen, Anträge, Gremienwahlen, sonstiges. In vier Stunden müssen wir durch sein, weil das Lokal schließt. Also Leute, macht es uns nicht zu schwer mit den Anträgen zur Satzungsreform, Verschlankung der Führungsebene oder der Unvereinbarkeit von Amt und Mandat – richtete der kommissarische Vorstand SB die Bitte an die Versammelten. Zwar durften Antragsteller vom D-Flügel von den Kandidaten eine lückenlose Nennung der Ausbildungs- und Berufsbiografie, besonders der Nebeneinkünfte, verlangen. Bekanntlich war das die Schwachstelle der A-Leute, um die es viel Geheimniskrämerei gab. Bei der Fragestellung blieb es leider meistens. Was kam, waren Ausreden. Die Reformer setzten daher auf das „Wachrütteln“ und „Aufklärung“ der bis dato untätigen Basis. Eine etwas naive Vorstellung. Auch bei fehlender Resonanz im „Fall FFF“ (unten) – zu dem eine Aussprache nur mühsamen durchgesetzt wurde -, war mit einer „werteorientierten“ Kreispolitik kaum zu rechnen. Summa summarum standen die Pläne der Reformer, von denen einige Gründungsmitglieder der ersten Stunde waren, unter ungünstigem Stern. Sie rechneten sie sehr wohl mit dem Fiasko, versuchen mussten sie es trotzdem. Es ging schließlich auch in diesem regionalen Kleinformat um Belange Gesamt-Germaniens.

Der Fall FFF – oder was sind die konservativen Werte der AfG?

Dieser Fall muss erläutert werden, weil er zum Verständnis der Abstimmungsergebnisse beiträgt. Die Lokalgröße, Frau Friede Fujara-Folwarski (weiter FFF), Ende Dreißig, verheiratet, zwei Kinder, war ein Profi, der sich in jungen Jahren in der linken PDSD engagierte. Das kam an der Basis glatt durch. Mit dem Spruch „Wer mit 20…. und mit 40…“ ließ sich sogar kokketieren. Die Basis interessierte ihre Vergangenheit so wenig wie ihr Beruf, die Vertriebstätigkeit beim Finanzdienstleister oder die fachliche Befähigung für konservative Familienpolitik. FFF verstand halt das Publikum zu blenden, kumulierte mehrere A-Posten, wurde als Landtagskandidatin auf dem sicheren Platz 9. gewählt und trat gegenüber den vier D-Mitgliedern des Alt-Vorstandes robust auf. Als kurz vor der Landtagswahl ihre lukrative Tätigkeit als Prostituierte aufflog, passierte an der Basis immer noch nichts. Wann ist das Maß voll? – wollten der vier Ehrbaren wissen, unterschrieben eine Distanzierungserklärung und traten öffentlich zurück. FFF fiel hingegen nur ein, mit gerichtlicher Unterlassungsklage zu reagieren. Kein Dementi, keine Verleumdungsklage, nur reden durfte man über ihren „Fall“ nicht – geschützte Privatsphäre.

Im Westen nichts neues

Die Gremien wurden, wie gefordert, verschlankt. Für manche Posten gab es nur einen Kandidaten, als nach der Wahl von CC zum neuen Sprecher, die Sache für die Reformer de facto gelaufen war. Es gab noch eine Aussprache zur FFF, bei der die Fetzen flogen, der Vorwurf der Parteischädigung jedoch dominierte. Dolchstoßtheorie in verkappter Form. Nestor und Ex-Chefredakteur WB, zum stellvertretenden Vorstand gewählt, sprach von „beispielloser Hetzkampagne“, hob die Verdienste „als Mutter“ und „Familienpolitikerin“ hervor, sprach von Verrat an der Sache. Einer der Unterzeichner erwiderte, wenn Prostitution, – rechtlich und steuertechnisch als Beruf anerkannt, – Privatsache sei, so gilt dies auch für Scientology, Burkas oder Kaffeefahrten. Dies seien nicht seine Werte, meinte er. Und was sagte FFF zu alledem? Die Dame, über die so heftig diskutiert wurde, hielt es einmal für nötig, auch nur eine Silbe zu verlieren.

Niemand von den Versammelten nahm danach noch Anstoß daran, als der neu gekürte Kreischef, Anfang Dreißig, ledig, einmal mehr Probleme mit der Vorstellung seiner „Beratertätigkeit“ hatte. Sein britischer Elite – Abschluss von Cambridge wurde ebenfalls nicht näher erläutert. Ein hohes A2-Mitglied ST versicherte allerdings, die Zeugnisse gesehen zu haben. Dass es zu dieser Wahl kommen musste, war nicht zuletzt Schuld der D-Leute, da sie da Feld kampflos aufgaben und keinen Gegenkandidaten aufstellten. Mit purer Stimmenverweigerung kann keine Wahl gewonnen werden. Der als alter und neuer Schatzmeister und Einzelkandidat im Amt bestätigte Hubschrauber-Monteur WG, gelegentlich als „Fliegerass“ verulkt, musste seine Selbstdarstellung nicht mehr inszenieren. In den hinteren Reihen, bei den Beisitzer-Posten, war es noch einfacher, nachdem die Front auf breiter Linie einbrach.

Die verlorene „1“ bei den letzten Landtagswahlen

Warum keine 17,5% sondern nur 7,5% bei den letzten Landesparlamentswahlen? – wollten die Kritiker von ihren Kandidaten wissen. Wo bleiben die 30%, von denen im Frühjahr so großspurig geschwärmt wurde. Daran werden doch nicht Putin und die vier Abweichler Schuld sein? Die Berichtverpflichteten griffen auf Standardantworten zurück, weil diese – einmal wieder – der genügsamen Basis ausreichten: die lügenden Medien, die gewalttätige Straße, die Verleumdungen des Establishments (von den Altparteien bis hin zu den Volkshochschulen) waren schuld. Kritische Einwände, der Partei sei es nicht gelungen die Mitte und die Wirtschaft zu überzeugen, was am schwachen Spendenaufkommen sichtbar sei, wurden mit der alten Floskel, Unternehmen spenden sehr wohl, möchten aber nicht erkannt werden, abgewimmelt. Schlussendlich geriet noch die Webseite des Kreisverbandes, die Visitenkarte der Partei nach außen, unter Beschuss. Statt fundierter Sachbeiträge, plumper Personenkult. Statt Anfragen nach der Obergrenze bei den Asylkosten, übermannsgroße Photos wichtigster A-Leute, alle drei Monate ein Hinweis auf irgendeine interne Veranstaltung oder einen „feigen Angriff“ der Bösen und Linken. Ausschließlich Infos aus dem eigenem AfG – Universum, als ob es die Außenwelt und den Wähler nicht gäbe. Für Sachbeiträge wird Know How gebraucht, sonst blamiert man sich. Es genüge nicht zu poltern „Nafris go home“ – erinnerten die Kritiker. Zu einer Aussprache über die Webseite reichte die Zeit nicht. Auch Mogeleien vertrug die Visitenkarte: der außerordentliche Parteitag wurde als ein vorgezogener Termin umdefiniert, um mehr Zeit für die Herbstkampagne zu haben.

Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff

An der fehlenden Sachkompetenz wird die AfG bei den Herbstwahlen wohl scheitern. Na und? Gilt der Spruch „Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient.“ auch für das Parteivolk? Eines gilt sicher: Bei jeder Niederlage gibt es unter den Besiegten auch Gewinner. Die 5%-Hürde wird im Herbst genommen, die A1/A2-Strukturen bleiben erhalten, die Basis darf jubeln und bewundern („Endlich den Einzug in den Nationalrat geschafft“). Mehr Posten, mehr Häuptlinge, mehr Wichtigkeit, mehr Eintragungen auf vielen kahlen Visitenkarten. Germanien kann warten.

Ihr Peter Columbo

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