Ein geheimnisvoller Investor aus der Jacobs-Kaffee-Dynastie

Eine gar abenteuerliche Geschichte aus den unendlichen Weiten der Blogosphäre

jakobs kaffee photo


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Ein geheimnisvoller Investor, der sich als Erbe des Jacobs Clans zu erkennen gab, meldete sich bei einem meiner hochgeschätzten Blogger Kollegen. Ein neues Journal wolle er an den Start bringen und suche dafür die Unterstützung erfolgreicher Blogger. Geld, so der Unbekannte, sei keine Frage. Zehnmal im Jahr plane er eine Printausgabe und ein kritisches Onlineformat im Stile der BILD, nur mit hochwertigen Inhalten. Letzteres angesichts der dürftigen BILD Journaille sicherlich keine große Herausforderung, das kriegen schon Erstklässler hin.

Sein Name: Roberto Jacobs Pasquale – schweizerisch-amerikanischer Investor – laut einem Facebook Eintrag mit einem durch die Forbes Liste geschätzten Privatvermögen von 1 Milliarde Dollar – puh! In seiner Email Fußzeile ein paar Adressen, eine amerikanische, eine schweizerische und natürlich eine Berliner Adresse – angeblich Sitz der Jacobs Foundation.

Er ließ sich ein paar Ranking Statistiken als PDFs anfertigen und wolle diese sofort bei einer Vorstandssitzung vorstellen. Technik und Druckereien habe er schon im Boot, nur eben noch nicht solche Leute, wie KenFM oder ein paar andere Autoren aus dem Kritischen Netzwerk, von denen er einen auch mit einer sofortigen Geldspende zum Kauf eines dringend benötigten PCs unterstützen wolle – nicht alle Autoren verdienen sich eben im Internet dumm und dusselig. Das Kritische Netzwerk ist ein rein ehrenamtliches Projekt, wie jeder Leser wissen sollte.

Bei einem anderen Kollegen meldete sich der angehende Online-Journal-Mogul direkt über Facebook und benutzte dort ein anderes Profil. Aus Roberto Jacobs Pasquale war plötzlich ein Roberto di Pasquale geworden – auch Schweizer, nur ohne Amerika und mutmaßlich auch ohne eine Milliarde Dollar Privatvermögen.

Ein amerikanischer Dienst half bei der Aufklärung – nein, nicht die NSA, nur die gute, alte Tante Google, die so schnell gar nichts vergisst.

Nicht nur Felix Baumgartner von der Neuen Zürcher Zeitung kennt den “Investor” und “Firmenerben” als dubiosen Kulturproduzenten, der, wie sich aufgrund von Recherchen herausstellte, bei Vertragsunterzeichnungen mit Partnern vor  Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht zurückschrecken soll:

2012 sollte Martin Suters «Über den Dingen»  als Grossproduktion auf die Bühne gebracht werden. Die Verträge mit dem Diogenes-Verlag und dem Stadtzürcher Elektrizitätswerk waren unterschrieben, die Veranstalterin war jedoch bereits pleitegegangen.

weiter heisst es in der NZZ:

Di Pasquale ist allerdings kein Unbekannter. Mehrere Projekte, die der dubiose Kulturproduzent initiierte, scheiterten. 1994 wollte er das Musical «Möwe Jonathan» in der Basler St.-Jakobs-Halle auf die Bühne bringen. Bereits nach wenigen Aufführungen kam jedoch das finanzielle Aus. Auch als Autor fungierte Di Pasquale schon. Eines dieser Werke trägt den Titel «Die Macht der Manipulation – Eine Reise zum Gipfel der Mächtigen» und wird im Internet als Plagiat angeprangert. Die Verlegerin des Buches, die «Tatort Internationale Verlags AG», ist ebenfalls konkursit. Beteiligt an der Firma: Roberto Di Pasquale.

Quelle : Neue Zürcher Zeitung

Man findet noch mehr über den Herrn, der am Telefon zunächst ganz seriös geklungen haben soll:

Auch Lukas Vogelsang vom Schweizer Kulturmagazin Ensuite weiss einiges über den Herrn zu berichten:

Ich ver­tiefe meine Recher­che, finde her­aus, dass der Pro­du­zent Di Pas­quale in den letz­ten 18 Jah­ren mit min­des­tens 7 Fir­men in Kon­kurs ging

2010 holte di Pasquale den nicht mehr ganz so frischen Action Star Jean-Claude Van Damme für seine Budo Gala auf die Bühne. Die Stadt Basel klagte anschließend vor Gericht gegen die Veranstalterin wegen des Verlustes von einer Viertelmillion Schweizer Franken – Bericht als PDF

Herr Roberto di Pasquale ist wohl ein Hochstapler, wenn er sich am Telefon und per Email als vermögender Investor und Angehöriger des Jacobs Clans ausgibt und plant anscheinend einen neuen Coup. Wem er gerade mit seinen Plänen ein paar Euro oder Franken aus der Tasche ziehen will, das wissen wir nicht – seriös können seine momentanen Pläne jedenfalls nicht sein. Schaden hat er bei uns nicht angerichtet – es melden sich doch jede Woche irgendwelche Leute mit abenteuerlichen Storys, Werbeangeboten und den üblichen kostenlosen Ebooks, die man für ein paar Kröten rezensieren soll.

Selten ist aber jemand unter diesen oft auch ganz seriösen, manchmal verzweifelten Leuten, der gleich eine ganze Milliarde Dollar zu verteilen hat – gerade so mancher Bestseller Autor von der Spiegelliste mit sicher nicht ganz so schlechtem Verdienst will oft nur ein einziges Frei Exemplar für eine Rezension herausrücken, die er dann gerne behalten darf – wir haben eben auch nichts zu verschenken – und wenn, dann machen wir das bedingungslos.

Der edle des Kapitalismus überdrüssigen Kaffeeröstersproß aus dem Hause Jacobs bleibt ein Phantom – unter der Maske nur ein einfacher di Pasquale ohne den Jacobstitel – vielleicht sollte er mal den Jacobsweg gehen. Ach ja, natürlich haben wir die Kollegen aus den Redaktionen informiert und auch die Jacobs Foundation!



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Wolfgang van de Rydt
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