Wie die Deutschen über die Polen früher und heute denken

Polen und Deutsche durch die Asylkrise wieder verfeindet? (1)

Polen Flagge photo
Photo by Lukas Plewnia

So wie alle Osteuropäer sind auch die Polen der Überzeugung, unsere Asylkrise sei ein rein deutsches Problem. Sind die Polen undankbar? Hatte doch Deutschland dem östlichen Nachbar nicht nur ökonomisch stets unter die Arme gegriffen. Der Autor, Zeitzeuge und Landeskenner schildert das Thema in einem dreiteiligen Beitrag. Im ersten Teil wird die Meinung der Deutschen über die Polen kritisch beleuchtet. Im Folgebeitrag wird auf die Haltung der Polen zu den Deutschen und ihrer Asylkrise eingegangen. Im letzten Teil untersucht der Autor die Frage, ob die Polen fremdenfeindlich sind.

Der deutsche „Hilfekatalog“ im historischen Überblick

Für einen Zeitgenossen beginnen die deutsch-polnischen Beziehungen nicht schon vor tausend Jahren, sondern 1970 mit dem Abschluss des Warschauer Vertrages über gutnachbarschaftliche Beziehungen. Zuvor gab es von 1945 bis 1970 ein Vierteljahrhundert politischen Stillstand und ständiges Gejammer vom (west)deutschen Revanchismus und Neofaschismus. Im Anschluss an den Vertrag dürften zweihunderttausend Deutschstämmige – so 1972 auch der Verfasser – nach Westdeutschland ausreisen. In den 1970er Jahren half die Bundesrepublik Polen kräftig mit Milliarden-Krediten und verzichtete größtenteils auf die Rückzahlung, als die Reformen des fortschrittlichen Parteichefs Gierek scheiterten. In der Krisenzeit der „Soldarnosc“-Bewegung war insbesondere die private Hilfe aus Deutschland für ihre leidenden Nachbarn oft überlebenswichtig. Nach der Ausrufung des Kriegsrechtes 1981 haben wir etwa weiterhin eine Million Polen aufgenommen, bei uns im Lande geduldet und versorgt. Nach der Restauration des Kapitalismus 1991 kam Polen als EU-Mitglied in den massiven Gemuss der Unionsgelder. Es war wieder einmal der ungeliebte westliche Nachbar, der sich als der stärkste Fürsprecher für seine Westintegration erwies. Die DDR hatte bis auf die wenigen visafreien Jahre Ende der 1970er – als die Polen halb Ostberlin leerkauften – in der ganzen Nachkriegszeit Polen nicht viel zu bieten gehabt und stand niemals in seinem Interessenfokus.

War die deutsche Hilfe immer uneigennützig?

Emotionsfrei argumentiert, sind die vorgenannten „Hilfspakete“ etwas zu relativieren. Versuchen wir diese einzeln zu bewerten: Von selbstverständlichen Hilfen in Notzeiten sollte ein Christ ohnehin nicht sprechen. Auch die Russen hat Deutschend nach dem Fall der Sowjetunion massiv unterstützt. Die Polen, die nach 1981 nach Westdeutschland einwanderten, erhielten – EU-Recht hin, Grundgesetz her – im Unterschied zu den Spätaussiedlern keine Arbeitserlaubnis. Über diese Selbstversorgungschance wurde, anders als heute bei den Flüchtlingen, nicht einmal diskutiert. Ebenso betraf der Ausschluss von dem Segen des Vertriebenenausweises und der Arbeiterlaubnis alle „Mischlinge“, also Personen die männlicherseits nur polnische Vorfahren aber eine deutsche Mutter hatten. Wer nicht arbeiten durfte, musste eben von der deutschen Sozialhilfe leben.

Ungeachtet dessen genossen die polnischen Schwarzarbeiter hierzulande nicht den schlechtesten Ruf. Einige weitere Aspekte werden völlig übersehen: Besucherscharen aus dem Osten sorgten für eine kostenlose Entsorgung unserer Strassen von Autowracks, Speermüll oder den Bergen von Altkleidern. Das „geht alles nach Polen, die werden sich drüben darüber freuen“, hieß es gönnerhaft, wenn die minderwertige Ware Richtung Osten verschwand. Gleichzeitig betätigten sich aber deutsche Staatsbürger während der Verwandtenbesuche im Osten fleißig am Schwarzmarkthandel und stopften ihre Westlimousinen für die Rückreise mit subventionierten polnischen Mangelwaren voll. Auch die polnische Wurst hatte einen ausgezeichneten Ruf. Die Schwarzmarktkurse in damaliger Zeit waren absurd. Mein Studienfreund hat als Uni-Assistent monatlich gerade einen Gegenwert von 20 DM verdient. Zusammengefasst wird das reiche Deutschland irgendeinen wirtschaftlichen Nutzen aus den Kontakten mit den armen Polen hüben und drüben wohl gehabt haben.

Last but not least, der Vorwurf des Missbrauchs von EU-Geldern klingt ganz abstrus. Schließlich sind alle EU-Nettozahlungen an Osteuropa nicht von Dauer und als „Schenkungen” konzipiert. Sie bauen auf einer win – win – Idee auf und sind damit als eine Art von Kredit aufzufassen. Dieser Kredit wird zurückgezahlt, sobald die neuen EU-Länder ökonomisch über den gesamteuropäischen Durchschnitt hinauswachsen. Das kann schon in einer übersichtlichen Zeit passieren. Bayern ist heute Nettozahler im Länderfinanzausgleich, war aber lange Zeit der Begünstigte. Es besteht die Gefahr, wenn Deutschland durch die Migrationskostenfalle langsam „finanziell ausblutet”, kann es in einem Jahrzehnt ebenso zum EU-Empfänger werden. Wenn es dann die EU noch gibt! Einen Kreditnehmer jetzt als Abzocker oder Schmarotzer zu beschimpfen – auf die Idee können nur die Brüsseler-Politeliten kommen – ist ökonomisch höchst unprofessionell. In diesem Zusammenhang noch eine letzte Zahl zum Verständnis der Dimensionen: Deutschland wird für seine Asylanten mindestens 30 Mrd. € jährlich ausgeben müssen. Polen hatte in den letzten 10 Jahren von der EU netto 85 Mrd. €, also 8,5 Mrd. € jährlich, erhalten. Anteilsmäßig gerechnet, „subventioniert“ damit der EU-Zahlmeister den östlichen Neuling mit gerade 3 Mrd. € jährlich. Das ist gerade 1/10 der Migrantenausgaben.

Von der EU-Mitgliedschaft profitieren beide Seiten. Nach der Einführung der Sanktionen gegen Russland hat Polen 2015 mit 96 Mrd. € Handelsvolumen die Russen an der Spitze des deutschen Osthandels ablöst. Schon etwas von der Sicherung der Arbeitsplätze gehört? Es nimmt mit Österreich und noch vor der Schweiz Platz 6. auf der Liste der größten Handelspartner Deutschlands ein. Das Land steht auf der deutschen Investitionsliste in Europa ganz oben. Das deutsche Kapital besitzt strategische Beteiligungen im polnischen Banken- und Medienbereich.

Was erwarten die Deutschen von den Polen? Es kommt darauf an, wer fragt.

Die Zahl der in Deutschland lebenden Polen betrug laut dem Statistischen Bundesamt 2015 etwa 740 Tausend. Sie sind juristisch von den Spätaussiedlern aus den ehemaligen Ostgebieten, deren Zahl seit 1950 auf etwa 2,5 Millionen geschätzt wird, zu unterscheiden. Diejenigen Polen, die in Deutschland seit Jahrzehnten leben, sind heute in Lohn und Brot und gut integriert. Die Polen machen bei uns keine negativen Schlagzeilen, wie heute die Muslime. Das war nicht immer so. Lange Zeit hatten die Deuschland-Polen, wie ihre Landsleute hinter der Oder, einen schlechten Ruf. Der Witz „Finde drei Fehler im folgenden Satz: Ein fleißiger Pole mit eigenem Auto sucht Arbeit“ besagt vieles über die Haltung der Deutschen zu ihren Gästen. Der abwertende Terminus von der „polnischen Wirtschaft“ soll auf den preußischen König Friedrich den Großen zurückgehen.

Die Deutschland-Polen verhalten sich in der Asylkrise abwartend. Kein Verbandsfunktionär nimmt Stellung zu den politischen Ereignissen im Gastland. Sie bleiben unauffällig, besuchen ihre Gottesdienste und feiern ihre Feste. Sie sind ganz vom Beobachtungsradar des deutschen Michel verschwunden. Kein großes leeres Gerede, wie von der deutsch-französischen Freundschaft, die im Alltag keiner bemerkt. Dürfen sie sich so passiv verhalten oder ist das illoyal? Das kommt darauf an, wer fragt. Wenn die polnische Seite von Deutschland immer etwas neues fordert, selber aber wenig gibt, sei das unmoralisch – monieren die hiesigen Eliten. Früher waren es Grenzfragen und der Streit um die Kriegsentschädigung, heute ist es Forderung nach dem Minderheitenstatus für die hier lebenden Landsleute und die höchst „antisolidarische und antieuropäische Haltung“. Polen steht in Deutschlands Schuld wird behauptet. Leider kann die Meinung der breiten Schichten der deutschen Bevölkerung zu Polen durch die Einseitigkeit der Systemmedien nicht objektiv abgebildet werden. Sie wird wohl so geteilt sein, wie die Einstellung der Deutschen zur Flüchtlingsproblematik selber. Fachleute nennen das Phänomen Polarisierung.


Dr. Viktor Heese – Ex-Börsianer, heute freiberuflicher Dozent und Fachbuchautor

www.börsenwissen-für-anfänger.de

Anzeige

Diese Dinge müssen Sie noch heute einkaufen!

Deutschlands ERSTER KRISENSCHUTZBRIEF „Überleben in der Krise“ zeigt, was Sie jetzt einkaufen müssen. Erfahren Sie, welche Dinge Sie ab sofort bunkern müssen. Denn auf Sie wartet jetzt eine der größten Katastrophen in der Geschichte Europas! Wer sich nicht dementsprechend vorbereitet, wird schon bald alles verlieren. Also sichern Sie sich ab. Erhalten Sie diese 4 Checklisten und ein Geschenk im Wert von 177,10 € kostenlos und exklusiv.

Klicken Sie jetzt HIER und Sie erhalten die Checklisten und das Geschenk

für eine Banküberweisung finden Sie die Kontonummer im Impressum
Opposition 24 unterstuetzen
Ihre Email Adresse:

Hinweis zu den Kommentaren

Kommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder!
Dr. Viktor Heese
Über Dr. Viktor Heese 13 Artikel
Dr. Viktor Heese - Börsenanalyst, Dozent und Fachbuchautor. Er hat über das postsowjetische Russland und die ehemalige Sowjetunion die Bücher "Die (Un-)Möglichkeit der russischen Imperialpolitik (Tectum 2015) und 25 Jahre danach "Was ist aus der Ex-Sowjetunion geworden?" (epubli 2016) verfasst.