Als der brave Soldat Schwejk nach dem Ersten Weltkrieg wieder in sein Stammlokal, den „Kelch“ eintrat, stellte er fest, daß  alles so wie früher wäre, nur ein bißchen schlechter. Nach Kórona wird auch unsere Welt ähnlich wie früher sein, vor allem ein bißchen ärmer.

Nationales und Internationales sind finanziell miteinander verflochten, zum Beispiel über EU-Förderprogramme, die EZB, die Vereinten Nationen, Kóronabonds oder Entwicklungshilfe.  Leider auch, wenn eine weltweite Wirtschaftskrise herrscht. Alle wollen dann Geld vom Nachbarn, wie sich gerade wieder zeigt.

In den Lügenmedien wird oft eine Neue Weltordnung nach Kórona beschworen, in der die geheime Weltregierung durchherrschen wird. Auch einige Regimekritiker von den alternativen Medien käuen diesen kollossalen Unsinn nach. In Steingarts Morning Briefing habe ich von der schönen neuen Welt des Funktelefons als Lebenssurrogat und dem Aufschwung des Versandhandels als Produktionsersatz gelesen: „Die Krise als Chance, das ist kein leerer Manager-Spruch, sondern die Realität in diesem Frühjahr 2020. Macht und Wohlstand auf der Welt werden neu verteilt. Wir beobachten nicht nur die Abendsonne der Industriegesellschaft, sondern sind selbst Teil einer neuen Morgenröte. Vielleicht werden wir nach dem Ende dieser Coronakrise beglückt und in den Worten von Stefan Zweig ausrufen: Immerhin habe ich das Strömende unserer Zeit so stark gefühlt wie selten in meinem Leben.“ 

Und da sind wir mit Stefan Zweig in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts angekommen. Sie sind der Plot für die bevorstehenden 20er, denn die Ausgangslage ist sehr ähnlich. Es gab auch vor 100 Jahren ein paar Phantasten, die die aufgehende Sonne der Freiheit, des Sozialismus und der Jugend erahnten, und „das Strömende unserer Zeit“.

Historisches Wahlplakat der SPD Hier anschauen

Hinweis an Pöbelralle zum dargestellten Gruß: Die AfD gab es 1919 noch nicht. Es war ein SPD-Plakat.

  Ohne einen ordentlichen Sonnenaufgang ging fast nichts

Die Realität war damals und ist heute jedoch eine ganz andere. Die internationalen Beziehungen sind derzeit so lädiert wie nach dem Ersten Weltkrieg, man hat zwar nur mit Worten und nicht mit Waffen gekämpft, aber auch Parolen verletzen. Der Welthandel ist nicht nur durch Zölle, sondern auch durch viele nichttarifäre Schikanen gestört, die Globalisierung durch das Reißen von Lieferketten und Kriege diskreditiert, der Schuldenstand mit der Zeit nach einem längeren Krieg vergleichbar und die innenpolitische Polarsierung hat ein abscheuliches Niveau wie in der Weimarer Republik erreicht.

Zwar wurde 1920 mit manch blumigen Formeln und Beschwörungen der Völkerbund gegründet, eine Art Vorläufer der UNO, in der Praxis versuchte jeder Nationalstaat die Nachkriegskrise allein, und wenn möglich auf fremde Kosten zu meistern. Die Zeit von 1920 bis 1948 war ein Festival der wirtschaftlichen Autarkie, der Planwirtschaft und der nationalen Egoshots. Frankreich und England hatten ein letztes Mal ihre Kolonialreiche vergrößert und träumten von deutschen Reparationen, Italien von einem Römischen Reich 2.0 und der Beherrschung des Mittelmeers, Deutschland von der Rückkehr der verlorenen Gebiete, Rußland von Weltrevolution und quasi Weltherrschaft, Polen von drei Meeren, die Türkei von der Vernichtung der Kurden, die Vereinigten Staaten von der Rückzahlung der an die Entente gegebenen Kriegskredite und Japan von einem pazifischen Großreich. Träume sind Schäume, kein einziges dieser Ziel wurde je erreicht.

In Wirklichkeit war mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein Zeitalter der Globalisierung (1857 bis 1914) aprupt zu Ende gegangen. Der Welthandel kam für 30 Jahre fast zum Stillstand, die Kolonien brachten nicht den erhofften Gewinn für die Mutterländer, sondern erwiesen sich als teure Klötze des Globalismus am Bein, sie dienten nur noch dem Prestige.

Mit dem Versailler System wurde der Außenhandel durch Tribute ersetzt. Der internationale Kapitalverkehr war eingeschränkt und wenn er stattfand, endete er mit Totalverlust. England und Frankreich konnten ihre Schulden bei den Vereinigten Staaten nicht richtig abstottern, Rußland verweigerte sich jedem Schuldendienst, Deutschland war mit Reparationen in Verzug und sie endeten 1932 ganz. Ausländische Kredite an Deutschland lösten sich in der Inflation in Luft auf, in der Weltwirtschaftskrise landeten schon wieder zahlreiche ausländische Spritzen in der Konkursmasse. Der deutsche Außenhandel diente überwiegend der Rohstoffbeschaffung und wurde bewirtschaftet. Trotzdem reichte es hinten und vorne nicht, man begann mit der Herstellung von synthetischem Kautschuk und synthetischem Benzin. Mit befreundeten Ländern gab es Handelsabkommen, die ähnlich gestrickt waren, wie im RGW. Trotz Versailles, Völkerbund, Sevres und Trianon gab es keine neue Weltordnung, sondern jeder war sich selbst der Nächste. Die Saat der Jugendbewegung war aufgegangen, das Bildungsbürgertum als Avantgarde schwelgte zeitgleich in Führerphantasien, erwartete Reinigungskatastrophen und verdrängte tradierte Kräfte von den Fleischtöpfen, übrigens nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Dieses Kippen der herrschenden Moral kann man in einigen Romanen des Fin des Siecle gut nachverfolgen, insbesondere  in den Werken der Mann-Brothers.

Auf den Ersten Weltkrieg folgte eine lange Überschuldungskrise und eine neue Weltunordnung. Also das Gegenteil von Neuer Weltordnung. Die „Gewinner“ des Weltkriegs konnten ihre Vorstellungen nicht durchsetzen und sie hatten auch keine brauchbaren Visionen, sondern ertranken in eigenen Problemen. Die Türkei zog als erster Betroffener den Stecker des französischen Gefrierschranks der Verträge von Sevres, Versailles und Trianon, alle anderen Betroffenen verabschiedeten sich  früher oder später aus den angelegten Bandagen, als Letzter die Slowakei 1993.

Wenn man aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts was lernen kann, dann zwei Dinge: Eine allgemeine Entschuldung (sowohl national wie auch international) ist am Ende jeder Verschuldungsorgie die Voraussetzung von gedeihlicher Entwicklung. Und Multikulti bringt nichts. Kunststaaten wie die Tschechoslowakei und Jugoslawien sind inzwischen zerfallen, andere wie beispielsweise Spanien, die Ukraine oder Belgien haben mit den Minderheiten bzw. dem Sprachen- und Religionsstreit nur Probleme.

Es deutet sich eine Welt der „Vaterland First“ – Staaten an. China, Rußland, Amerika, Großbritannien, Israel, Pakistan und Indien beschreiten alle diesen Weg. Die anderen sind ohnehin völlig irrelevant, weil sie nicht atomar bewaffnet sind. Viele One-World-Gläubige sehen damit verbunden die Probleme der Zwischenkriegszeit mit ihren Dauerkonflikten heraufziehen. Wenn man allerdings das jüngste Gekakel zwischen den europäischen Kleinstaaten ansieht, so ergibt sich eher der Eindruck, daß zuviel Nähe und gegenseitige Abhängigkeit nicht gut tun. Das Ende des Alexanderreichs, des Römischen Reichs, des Rheinbunds, des Osmanischen Reichs, der Sowjetunion und Jugoslawiens sind warnende Beispiele für den Zerfall von zentralistischen und multikulturellen Konstrukten, und das oft ausgelöst durch eine veritable Wirtschafts- und Finanzkrise.

Wird Soros György mit seinen Milliarden und Bilderberg-Hilfstruppen in China, Indien, Rußland oder Pakistan je etwas zu sagen haben? Kann er ein geheimes aus unterirdischen Führerbunkern gesteuertes Weltreich aufrichten, wo Putin, König Salman, Trump, Xi Jinping, Modi,  Johnson oder Orbán Kniefälle machen, wenn Soros einen Hebel auf seinem Schreibtisch betätigt? Die klare Antwort lautet: Nein! Auch sonst wird sein Einfluß in der Krise eher abnehmen, nur in Berlin sind noch ein paar Vollpfosten, die das zu spät merken.

Auch in der EU nimmt übrigens die Zahl der Staaten zu, die über sich selbst bestimmen wollen. Die derzeitige Verschuldungsorgie stärkt diese zentrifugalen Tendenzen, statt sie zu dämpfen. Mir ist in der Weltgeschichte noch kein Weltreich vorgekommen, welches in einer Finanzkrise expandiert ist, aber viele, die den Löffel abgaben.  Vielleicht habe ich was übersehen? Wer hat Gegenbeispiele?

Grüße an die Verfassungsschützer, sofort Meldung an Dr. Merkel machen!


Quelle und Erstveröffentlichung: Prabelsblog

1 KOMMENTAR

  1. Diesem Artikel kann man unbesehen zustimmen, jedoch mit einer Anmerkung.
    Diese Suppenkasper in Berlin werden nach der Krise, spätestens Ende 2020 ganz
    woanders sein, jedenfalls nicht mehr in Amt und Würden. Wenn sie nicht unser
    sauer verdientes Steuergeld beizeiten für sich auf die hohe Kante gelegt haben, dann
    könnte es ihnen wie der Dietfurth ergeben, daß sie um Spenden betteln müssen.

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