Sexistischer Wahlkampf der besonderen Art: Sahra kommt! #blockupy

Wie peinlich sind die politisch korrekten Linken?

Natürlich war  die große Masse der Teilnehmer bei Blockupy friedlich. Aber bisher wurde nur über den Ablauf und die Gewalt gewettert, als hätte es keine Inhalte gegeben. Gab es sie denn?

Nein, jedenfalls keine neuen, nennenswerten Erkenntnisse, Lösungswege, Auswege, Signale, sondern mehr oder weniger versteckte Parteipropaganda der Linken mit pseudo-politisch-korrekten Reden, die mit: „Liebe Aktivisten und Aktivistinnen“ begannen, während das Fußvolk in freudiger Erwartung seine „Sahra-kommt-Schilder“ in die Höhe hielt.

Die Sahra kam dann auch auf die und nicht auf der Bühne, aber vielleicht ist beim Anblick der Sahra der ein oder andere irgendwie gekommen, und redet euch jetzt nicht raus, dass der Werbespruch nicht ganz bewusst irgendwie zweideutig wirken soll.

Wenn Merkel kommt, dann schüttelt ihr euch doch auch, oder?

Klassenkampf in Chucks und Markenklamotten – jeder hielt sein Handy in die Höhe für das unvermeidliche Selfie und getwittert wurde was das Zeug hält. Die Internationale halt, die immer wieder skandiert wurde.

Warum hat eigentlich niemand sein iPhone mit in eines der Feuer geworfen? Ist doch auch kapitalistisch.

Vermisst habe ich bei den „Rednerinnen und Rednern“ oder „Rednern und Rednerinnen“ – ja, wie rum jetzt eigentlich – jedenfalls folgenden Satz:

„Liebe Gewaltbereite und Gewaltbereitinnen, wir distanzieren uns von euren Straftaten und Straftatinnen“

Noch mehr kotzen muss ich, wenn ich bei der Pressekonferenz des Blockupy Bündnisses dann „Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit“ lesen muss. Sahras kleiner Bruder will bestimmt niemand sein, wenn er ehrlich zu sich selbst ist und ach nee, lassen wir das, ist doch ekelhaft, wenn man bedenkt, dass auch die Grünen mit im Boot dabei sind.

Einzig und alleine die Kletteraktion auf den Skyper Tower hat mir und anderen Beobachtern Respekt abgenötigt. Friedlich, spektakulär und wenn da nicht diese Ausschreitungen gewesen wären, dann hätte diese Heldentat zum Symbol werden können. So aber nicht!

Respekt abgenötigt haben mir natürlich auch all die vielen Menschen, die ein deutliches Zeichen gegen die EZB Politik setzen wollten. Aber ehrlich gesagt, was sind etwas mehr als 20.000 Besucher gegen die Menschenmassen in Madrid oder auf dem Syntagma Platz?

Nichts, vor allem bei so viel Vorbereitung durch die üblichen Verdächtigen – Attac, Linke, Gewerkschaften und der ganze politisch korrekte Haufen. Wie viele Leute jetzt einfach aufgrund persönlicher Betroffenheit und wahrer Empathie mit den am schlimmsten von der Finanzkrise gebeutelten Griechen wirklich da waren, lässt sich so schwer sagen. Gruppenzwang kann auch der Mobilisierung sehr dienlich sein und andere, so schien es, fühlten sich mehr so wie auf einer Mischung aus Karneval und Love Parade.

Und was wurde jetzt geredet?

Giorgios Chondros von Syriza durfte nach Jochen Nagel ran, die Dame namens Valentina Orazzini war kaum zu verstehen.

Der gute Giorgios kam dann auch auf die unvermeidlichen Reparationen und den Widerstand gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg zu sprechen, als wären da keine Italiener dabei gewesen. Was aber haben die Zwangskredite mit der Eurokrise zu tun und was nutzt den Griechen irgendein weiterer Euro, da er sowieso nicht bei denen ankommt, die ihn am nötigsten hätten? Und immer wieder Solidarität, dazwischen griechische Arbeiterlieder von Mikis Theodorakis.

Nasim Lomani, ein in Griechenland lebender Afghane, hatte vielleicht eine Menge zu sagen, aber sein Englisch war so akzentbehaftet, seine Rede wurde nicht übersetzt, ich glaube kaum, dass irgendjemand auch nur ein Wort davon  verstanden hat. Applaudiert wurde aus Gewohnheit.

Miguel Urban (PODEMOS) aus Spanien brachte die Angelegenheit in Schwung. Spanische Schimpftiraden auf Merkel und die EZB, die immer wieder passend übersetzt wurden. Der einzige Redner, der auf mich authentisch wirkte und den Eindruck machte, als glaube er an das, was er sagt: „Soziale Gerechtigkeit, einen Wahlsieg für Podemos bei den Parlamentswahlen im Herbst und den Aufbruch zu einem neuen Europa der Solidarität.“

Der Mann hat was, und dafür meine volle Symphatie, auch wenn es mich bei Sozialismus immer gruselt, wer will schon eine zweite DDR und das noch europaweit?

Naomi Klein habe ich verpasst, aber es kann nicht sehr spektakulär gewesen sein, sonst hätte ihre Rede meine Aufmerksamkeit bekommen, als ich im Publikum unterwegs war. Niemand hat auf das, was sie sagte, irgendwie reagiert – alles wartete gespannt darauf, dass Sahra endlich kommt. Und dann kam sie.

Ich glaube, sie hätte alles sagen können, was sie wollte. Früher hätte ich bei so einer Rede jedenfalls nicht einfach eine Colaflasche aus der Tasche holen können, ohne dafür als Imperialist beschimpft zu werden. Alle schauten Sahra an, keiner hat es gemerkt. Die Leute hätten auch geklatscht, wenn sie nur ein Gedicht auf Suaheli aufgesagt hätte.

Sie erinnerte nochmal an die Kriegsschuld der Deutschen, an die unverschämten Beeinflussungsversuche der Troika an der Syriza Regierung und stellte klar, dass doch die Regierungen in der EU als souverän zu gelten hätten. Leuchtet mir bei dem sozialistischem Haus Europa Gerede irgendwie nicht so recht ein.

Urban Priol war dann noch mal für die Unterhaltung zuständig. Nichts Neues aus der Anstalt, in der er nicht mehr behandelt wird – der Mann ist gut und ich lache gerne über ihn – aber, aber, was sollte das ganze Spektakel eigentlich?

Programmatisch kam nichts Neues auf den Tisch – Linke wollen halt in jeder Krise den Sozialismus neu beleben, was ihr gutes Recht ist, wie das jeder anderen politischen Kraft, ihr Programm anzupreisen.

Aber außer Forderungen nach Umverteilung und irgendwie „Demokratisierung“ der Betriebe, ein Europa von unten, habe ich nichts Neues gehört. Auch nicht, wie sie das anstellen wollen und welches Wirtschaftskonzept diese politischen Forderungen stützen soll.

Wohin Umverteilung und Enteignung führen, haben wir alle an der Pleite der DDR und dem gesamten Ostblock gesehen. Auf solche Experimente habe ich jedenfalls keine Lust, ich misstraue den Akteuren. Was mich am meisten störte, war das ganze antirassistische und antifaschistische politisch korrekte Pseudo-Gefasel, aber kein Wort davon, mit welchem Koalitionspartner Tsipras seine Syriza Regierung gebildet hat. Da heiligt der Zweck dann wieder die Mittel, so wie die „linke Gewalt“ dann auch nicht ganz so schlimm ist.

Was wohl passiert, wenn sich die Lage in Deutschland weiter verschärft und die Große Koalition noch mehr Steuergelder ins Schwarze Loch Griechenland schickt?

Die Leute da drüben haben nichts davon und hier hat die Spendierorgie irgendwann so drastische Kürzungen zur Folge, dass es uns genauso dreckig geht wie den Griechen.

Geholfen ist denen aber mit dieser Art selbstzerstörerischer Solidarität kein bißchen – auf das sozialistische Haus Europa kann ich gerne verzichten, wenn die Funktionäre im Zuge der Umverteilung mit den „Reichen“ die Plätze tauschen und die noch vorhandene Infrastruktur komplett zugrunde richten.

Und so sind 20.000 Teilnehmer ein Fliegenschiss gegen die Macht der EZB, genauso wie die Millionen in Madrid oder Athen auf den Straßen.

Es fehlt die zündende Idee gegen diesen Wahnsinn, jedenfalls ist es keine Option mit links- oder rechtsextremen politischen Kräften dem Ganzen ein Ende zu bereiten – als wolle man den Teufel mit Belzebub austreiben.

 

 

 

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Wolfgang van de Rydt
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5 Kommentare

  1. warst du wirklich da? Die Reihenfolge der Redner stimmt ja hinten und vorne nicht..
    Naomis Rede war fantastisch, deshalb haben auch alle so gespannt zugehört.
    aber schön, dass du die Forderung von Blockupy (und Frau Wagenknecht) unterstützt, dass die Große Koalition nicht noch mehr Steuergelder ins Schwarze Loch Griechenland schicken sollte.

    • Wir reiten hier nicht auf der Gewalt herum, wie Bild und Co, sondern auf den inhaltlichen Widersprüchen der Linken und ihren fehlenden Ansätzen, die der Krise entgegen wirken sollen. Davon wurde nichts gesagt, nur gefordert und eine unscharfe bzw. gar nicht zutreffende „Kapitalismuskritik“ an der EZB – die genau das macht, was die Linken fordern – Umverteilung.

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