Unterschätzte Gefahr: Googles gesammelte Sprachdateien

Nutzen Sie die bequeme Sprachsuche und Eingabe von Google auf dem Android-Smartphone oder im Chrome-Browser am Windows-PC?

Google got a new PR department photo
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Wenn ja, dann wissen Sie sicher auch, dass man dafür sein Android-Phone mit seinem Google-Konto verbinden muss, das man ja sowie braucht, wenn man einen Youtube-Kanal betreibt oder als reiner Nutzer dort Playlisten anlegen, andere Kanäle abonnieren und dort auch kommentieren möchte.

Es ist ein alter Hut: Google merkt sich jeden Ihrer Schritte, von diesen Möglichkeiten können die Gurkentruppen von BND oder Verfassungsschutz nur träumen. Mit einer Sprachanalyse kann man mittlerweile eine Menge anfangen und Rückschlüsse auf die Person ziehen, vor allem mit den zusätzlichen Daten, die Google dazu gesammelt hat, wie Alter, Standort und sonstige Surfgewohnheiten. Aber nicht nur die Internetkonzerne und Geheimdienste können mit den Daten Missbrauch treiben, sondern jeder gewöhnliche Kriminelle oder Personen im Umfeld, wie Konkurrenten am Arbeitsplatz, die dazu nur wenige IT-Kenntnisse besitzen müssen.

Wenn Sie gerade von einem PC mit angemeldetem Google-Konto surfen, dann klicken Sie mal auf diesen Link. Angeblich können nur Sie das sehen und anhören, wie Google versichert.Sie finden dort Ihre Sprachsuchen, aber auch alle Aufzeichnungen, wenn Sie den Sprachassistenten für das Diktat von Kurznachrichten oder Emails benutzt haben.

Jede unbefugte Person, die sich Zugang zu Ihrem PC verschafft oder ein liegen gelassenes Smartphone findet, das nur mäßig gesichert ist – beispielsweise mit der bequemen „Wischgeste“ – kann direkt diesen Link aufrufen und Ihre letzten Suchanfragen abhören und sogar herunterladen oder mitschneiden. Sollte da etwas Peinliches dabei sein, wie die Suche nach bestimmten Sex-Vorlieben oder strafbaren Inhalten, dann sind Sie erpressbar dank Ihrer Unvorsichtigkeit. Ihre mitgeschnittene Stimme würde jeden betrogenen Ehepartner überzeugen.

Dasselbe gilt natürlich, wenn Unbefugte Ihr Google-Passwort in Erfahrung gebracht haben. Sie bekommen zwar eine Meldung per Email, wenn irgendwo im Netz eine neue Anmeldung erkannt wurde, dann aber ist es im Ernstfall bereits zu spät. Wer auf Nummer Sicher gehen will, der verzichtet auf sämtliche Sprachassistenten von Siri bis Cortana und loggt sich jedes Mal aus, wenn er schon einen dieser Google-Dienste benutzt hat.

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Twittern Sie über Ihr Handy und nutzen Sie dabei die bequeme Spracheingabe? Sollten Sie dabei mal einen Tweet sicherheitshalber wieder gelöscht haben, dann ist die Sprachdatei immer noch bei Google gespeichert. Falls Sie jemand wegen Hatespeech anzeigt, können Sie sich immer noch damit raus reden, dass Sie sofort gelöscht haben oder aber jemand anderes Ihren Twitter-Account benutzt hat. Mit der passenden Sprachdatei, wenn Sie denn als Beweis zugelassen würde, ginge das nicht mehr so leicht. Hier sollte Justizminister Maas gleich ein wenig nachbessern und Zugriff anfordern …

Das freie anonyme Internet ist schon lange kaputt, nur Profis können sich unerkannt darin bewegen. Was auch immer Sie googeln, von harmlosen Zäpfchen gegen Scheidenpilz bis hin zum für manche Leute immer noch peinlichen Kauf von Kondomen, alles ist nachvollziehbar und das solange es das Internet gibt. Unter Soldaten im Krieg gibt es den Spruch: „Lieber fünf Minuten feige, als das ganze Leben tot“ – an der Supermarktkasse verhält es sich genau anders herum.

 

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Wolfgang van de Rydt
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