Scientology und die „alternativen“ Medien – die unterschätzte Gefahr

Scientology-Kirche, Berlin, Foto: etfoto / 123RF Standard-Bild

Nach wie vor warnt der Verfassungsschutz vor der Scientology-„Kirche“ in Deutschland. In den USA dagegen gilt die Sekte als anerkannte Religionsgemeinschaft. Immer wieder wurden Vorwürfe laut, dass Bill und Hillary Clinton Scientologen seien, was bisher unbestätigt blieb. Gesichert ist nur, dass Bill Clinton seinerzeit Artikel im Sektenmagazin „Freedom“ veröffentlichte und im Wahlkampf von führenden Scientologen großzügig unterstützt wurde. Ohne die Clintons wäre der Sekte das Steuerprivileg versagt geblieben.

In Deutschland kann sich Scientology nicht mit Prominenten wie Tom Cruise, John Travolta und Stars aus populären Sitcoms schmücken. Lediglich der Lindenstraßen-Schauspieler Franz Rampelmann, der die Rolle des „Olaf Kling“ spielte, outete sich selbst und schied später aus der Serie aus, was angeblich nicht mit seiner Mitgliedschaft in Zusammenhang gestanden haben soll. Die Zahl der Mitglieder, die Scientology für Deutschland mal mit 30.000, dann wieder mit weniger angibt, ist nach Ansicht von „Experten“ stark übertrieben, doch auf dem absteigenden Ast befindet sich die Sekte mitnichten. Erst im letzten Jahr eröffnete Scientology eine neue Niederlassung in Stuttgart. In ganz Baden-Württemberg soll es „nur“ ca. 800 Mitglieder geben, schreibt die Stuttgarter Zeitung. Der Bau habe 8 Millionen Euro gekostet.

Das erste Mal kam ich in den Neunziger Jahren mit einem Scientology-„Aussteiger“ in Kontakt. Er schilderte die Sekte nicht so negativ wie zu erwarten gewesen wäre, sondern beklagte vor allem die hohen Kosten für die Kurse. Anfangs sei er regelmäßig unter Druck gesetzt worden, als „denen aber klar geworden ist, dass bei ihm nichts zu holen sei“, hätten sie ihn in Ruhe gelassen. Sodann machte sich der „Aussteiger“ daran, auf den New-Age-Zug aufzuspringen und seine eigene „Gemeinde“ zu gründen, womit er kläglich scheiterte.

Netzwerke und Internetseiten, deren Zusammenhang mit Scientology auf den ersten Blick nicht deutlich wurde, entstanden bereits zu dieser Zeit. Die Themen: Psychiatriekritik, Menschenrechtsverletzungen, alternative Medizin, Impfaufklärung. So wurde zum Beispiel die Seite „psychopolitik.de“ dem Scientologen Michael Hinz zugeordnet. Hinz gibt bis heute die sogenannte „Kent-Depesche“ unter seinem Pseudonym Michael Kent heraus. Ebenfalls das KVPM-Netzwerk („Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte“) gilt als Tarnorganisation von Scientology.

2009 trat der Scientologe Jürg Stettler bei der Anti-Zensur-Koalition (AZK) auf.

Stettler war zu diesem Zeitpunkt Präsident von Scientology in der Schweiz und Pressesprecher von Scientology Deutschland. Sein Vortrag befasste sich mit den Lügenmedien. Damit dockt Scientology bei einem der Kernthemen an. Die AZK geriet daraufhin in die Kritik und verzichtete auf weitere Auftritte von Scientologen.

(https://www.anti-zensur.info/azk5/scientology)

Bei der AZK gaben und geben sich bis heute etliche vor allem durch Youtube bekannte Vertreter der alternativen Medien die Klinke in die Hand. Im letzten Jahr zählten beispielsweise Heiko Schrang und Hagen Grell dazu, in den Jahren davor so bekannte Namen wie Jo Conrad, Michael Vogt, Gerhard Wisnewski, Christoph Hörstel und zahlreiche andere. Der inzwischen verstorbene „Honigmann“-Blogger warf später Michael Vogt vor, seine angebliche Scientology-Mitgliedschaft zu verschweigen – was dieser wiederum bestritt. Eine direkte Verbindung zwischen Scientology und der „AZK“, die wiederum von Ivo Sasek, dem Gründer der OCG (Organische Christus-Generation) ins Leben gerufen wurde oder den Referenten wurde bisher nie nachgewiesen. Eher noch steht die OCG – für die einen eine Glaubensgemeinschaft mit Sasek als Verkünder, für die anderen schlichtweg eine Sekte – in Konkurrenz zu Scientology.

Der Auftritt des Scientologen Stettler und die Reaktionen in der Szene zeigten, dass Scientology anders als in den USA in deutschsprachigen Ländern nur im Verborgenen mit Tarnorganisationen auf Mitgliedersuche gehen kann. So sollen auch Missionierungsversuche in Asylbewerberheimen zu Beginn der „Flüchtlingskrise“ kläglich gescheitert sein, wenn man den Berichten von Verfassungsschützern glauben kann. Um den Ruf der „Kirche“ ist es nirgendwo zum Besten bestellt. Die Weltherrschaft wird Scientology auf deutschem Boden eher nicht verwirklichen können. Dennoch gehen Gefahren von der Sekte aus, die man nicht unterschätzen sollte – vor allem für diejenigen, die gutgläubig und naiv nicht ahnen, mit wem sie sich da eingelassen haben.

Im Umfeld von Justiz- und Psychiatrieopfern begeben sich beispielsweise gerne gewisse „Patienten-Anwälte“ oder „Menschenrechtsanwälte“ auf die Jagd nach lukrativen Mandaten. Einige Fälle sind mir namentlich bekannt, in denen sogenannte Gegengutachter, darunter ein Anwalt, eine (frühere) Mitgliedschaft bei Scientology zugegeben haben. Die Betroffenen klagten über irrsinnige Honorarforderungen und nicht eingehaltene Versprechen hinsichtlich der angestrebten Gerichtsverfahren, haben aber auf Strafanzeigen und Klagen verzichtet, da dies mit weiteren Kosten verbunden gewesen sei, die sie nicht mehr hätten leisten können. Daneben gibt es auch genügend Abzocker ohne mutmaßliche Sektenmitgliedschaft, die nach dem Mollath-Skandal ihre Chance auf das schnelle Geld witterten.

Was aber, wenn Scientology sich weiterhin und dieses Mal unbemerkt bei „alternativen Medien“ eingeschlichen hat und dieses bekannt wird? Vielleicht auch bei der AfD? Für Scientology kann dabei nur ein Gewinn herauskommen, wenn die Sache nicht an die Öffentlichkeit dringt. Das schlechte Image ließe sich nur mit prominenten Fürsprechern aufpolieren, die nicht bereits in der Kritik des Mainstreams stehen. Und neben der Imagepflege geht es um handfeste Steuervorteile, nämlich die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts, wie sie bereits den Zeugen Jehovas zuteil wurde. Dafür ist langfristige Lobbyarbeit in allen Fraktionen und innerhalb der Justiz notwendig. Fliegt ein solcher Versuch der Einflussnahme auf, dann ist der Schaden für die Betroffenen beträchtlich und würde vom Mainstream genüsslich ausgeweidet. Es gehört jetzt bereits zum Sprachgebrauch gewisser Dienste, alle Medien, die nicht zum Mainstream gehören, als „AfD-Presse“ zu diffamieren, auch wenn niemand der Betreiber und Autoren Parteimitglied ist. Und der AfD werden in zahlreichen kritischen Artikeln immer wieder „Scientology-Methoden“ vorgeworfen, besonders, wenn es um „Aussteiger“ aus der Partei geht. Warum „Scientology“-, statt „Nazi-Methoden“?

Wie viele V-Leute und U-Boote tummeln sich wohl bei Scientology? Der Laden wird seit über zwanzig Jahren überwacht, da dürfte es wohl einige geben, ebenso in der AfD und innerhalb der Medien abseits des Mainstreams. Da wäre es ein Leichtes, zu gegebener Zeit, einen Doppel-V-Mann zu „enttarnen“ und der Öffentlichkeit als „Aussteiger“ zu präsentieren, der dann brisante Fakten aus dem Nähkästchen verrät.

Mir ist derzeit, außer wie oben bereits geschildert in der „Justiz- und Psychiatrieopferszene“, kein einziger Fall von Verbindungen zu Scientology bekannt, es würde mich aber nicht sonderlich überraschen, wenn es doch so wäre.