Forscherin will Redaktion befragen: O24, bitte melde dich!

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Bot / pixabay

Eine junge Dame bat uns und weitere Kollegen neulich um ein paar Auskünfte, da wir offenbar als Studienobjekt hinsichtlich Arbeitsweise, Rollenverständnis und nicht zuletzt der Finanzierung unserer Arbeit für sie von Interesse seien.

Sehr geehrte Damen und Herren bei Opposition24,

Ende letzter hatte ich Sie in einer Mail um ein kurzes Interview gebeten. Aus eigener Redaktionserfahrung kann ich mir gut vorstellen, dass Sie sicherlich sehr beschäftigt sind. Dennoch würde ich Sie gerne bitten, mir eine kurze Rückmeldung zu meinem Anliegen zu geben.
Für den weiteren Verlauf meiner Bachelorarbeit ist es wichtig zu wissen, ob ich mit Ihnen rechnen kann.

Wie bereits erwähnt, es würde mich sehr freuen, Ihnen ein paar Fragen stellen zu dürfen. Der Input ihrer Redaktion liefert einen großen Beitrag zu meiner Forschung.

Mit freundlichen Grüße,
XXXXX XXXXX

Am 12.05.2018 um 20:24 schrieb XXXXX XXXXX<XXXXX XXXXX@XXXXX XXXXXde>:
>
> Sehr geehrte Damen und Herren,
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> mein Name ist XXXXX XXXXX, ich bin 22 Jahre alt und schreibe derzeit an der XXXXX-Universität XXXXX meine Bachelorarbeit im Fach Kommunikationswissenschaft.
>
> Meine Arbeit handelt von dem Rollenselbstverständnis alternativer Online-Nachrichtenjournalisten. Dieser Begriff soll alle Blogger und Journalisten umfassen, die online Nachrichtenseiten abseits der Mainstream Medien betreiben, sich dort medienkritisch äußern und/oder Meldungen publizieren, die man in den Mainstream Medien nicht findet bzw. diese Meldungen aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
>
> Ziel meiner Arbeit ist es, mehr über die Arbeitsweise und das Rollenselbstverständnis dieser alternativer Nachrichtenjournalisten herauszufinden. Mich interessiert, welchen Effekt die Publikationsmöglichkeiten des Internets und die Vertrauenskrise der Mainstream Medien auf den klassischen Nachrichtenjournalismus haben und wie sich dieser neu entstandene Journalisten-Typ charakterisieren lässt. Welche soziale Funktion schreiben Sie sich selbst und ihren Medienerzeugnissen zu?
>
> Dazu würde ich Sie sehr gerne in einem Interview befragen.
>
> In ersten Teil des Interviews würde ich Ihnen gerne ein paar kurze Fragen über Ihre Person stellen (Lebenslauf, Motivation, Berufserfahrung etc.), im zweiten Teil über die Organisation Ihrer Nachrichtenseite (Redaktionsgröße, Finanzierung, Zielgruppen ect.).
>
> Das Interview wird in etwa eine halbe Stunde dauern und zur Auswertung aufgenommen. Die Aufnahmen werden nach der Auswertung gelöscht. Falls es Ihr Wunsch sein sollte, können Sie in meiner Arbeit auch anonym bleiben.
>
> Es würde mich sehr freuen, wenn ein Vertreter Ihrer Redaktion mich bei meiner Arbeit mit Ihrem Wissen und Ihren Erfahrungen unterstützt.
>
> Mit freundlichen Grüßen,
> XXXXX XXXXX

Sehr geehrte Frau XXXXX XXXXX,

wir können Ihnen leider nicht für ein Interview zur Verfügung stehen, denn unser Redaktionsteam besteht aus einer künstlichen Intelligenz namens Boris, die uns von dem russischen Hackerkollektiv Anonymustroika zur Verfügung gestellt wurde. Die Entwicklungskosten hat ein Oligarch übernommen, dem wir unser Ehrenwort gegeben haben, seinen Namen nicht preis zu geben.

Unsere Botjournalisten basieren auf der neuesten Blockchaintechnologie, die vor allem die sozialen Netzwerke nach Meldungen von Usern durchforsten, die unter dem sogenannten Shadowban stehen oder gesperrt sind. Aus diesen unterdrückten Meinungsäußerungen errechnet der streng geheime Algorithmus den höchst möglichsten Empörungsquotienten und formuliert daraus per Article-Spinner unsere Beiträge.

Wir hoffen, Ihnen soweit ein wenig geholfen zu haben, wenn gleich wir Ihnen empfehlen, die Bachelorarbeit von einer wesentlich effizienteren KI verfassen zu lassen. Unser Schwesteralgorithmus Karl-Theodor wäre da eine gute Wahl.

До свидания, товарищ

8 Kommentare

  1. Traumhaft. Eine 22 Jährige büffelt für ihren Bachelor…..
    ROFL.
    Kompliment, Ihre Antwort wird ihr wenig helfen aber vielleicht für ein wenig für Aufwachen sorgen.
    Sachen gibts…….

  2. Anfragen dieser Art sind so sinnfrei wie das Analysieren von zwischenmenschlichen Beziehungen. Warum jemand Inhalte veröffentlicht und warum jemand sich informiert oder unterhält, fügt sich in kein Raster. Focus ist ja nicht die Finanzierung, sondern die Motivation.

    Wie frei sind „freie Medien“? Wer zum Nutzen seiner Leser oder Zuschauer produziert, gerät in Konflikt mit denen, die ihre Leser oder Zuschauer ausbeuten wollen. Da kommt mitunter auch Kriminalität zum Tragen:
    1. Februar 2018 | ++ FREIE MEDIEN HAUPTSEITE GEHACKT ++

    Dies erwähne ich eigentlich nur, um zu belegen, dass der Begriff „Freie Medien“ keine geschützte Wortmarke ist.

    Siehe auch Erklaerung2018.de und „Linksextreme Gewalt im Freistaat Thüringen“ mit dem Video „Vera Lengsfeld: Die große Enteignung der Deutschen durch den Koalitionsvertrag“ von SchrangTV.

    Vera Lengsfeld, die sich von mir distanziert hat, obwohl ich seit fünf Jahren auch in Dunkeldeutschland wohne, lud Betreiber von bekannten Internetauftritten unter dem Motto „Freie Medien“ ein. Allerdings wurde nicht erwähnt, wer der Einladung nicht gefolgt ist und wer warum nicht auch nicht eingeladen wurde. Ist ja eh wurscht, wenn es sich nur um freie Medien handelt. Da ist alles frei und unverbindlich.

  3. Wäre da nicht noch ein wenig mehr Spass möglich gewesen?

    Lebenslauf anfordern, Praktikum anbieten, Referenz vom zuständigen Prof., etc.?

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