Krankmachende Pflegeberufe: Einheitspresse singt das Märchen vom bösen freien Markt

Solche inkompetenten verlogenen „Journalisten“ kotzen mich an. Aber lesen wir doch erst einmal, was die Einheitspresse über die schlimmen Arbeitsbedingungen in der Pflege schreibt und wer ihrer Meinung nach der Schuldige ist.

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Westfalenpost: Pflegeberufe: Der freie Markt macht krank

Es ist keine Überraschung, dass ausgerechnet die Beschäftigten der Gesundheitsbranche öfter krank sind als andere Arbeitnehmer. Sie schuften unter erschwerten Bedingungen: Schichtdienst, hohe psychische Belastung, Personalmangel, schwere körperliche Tätigkeit, Stress. All das ist lange bekannt.

Woher weiß denn der „Journalist“ das so genau? Hat er dort mal ein Praktikum gemacht? Natürlich gibt es Bereiche, in denen der Druck sehr hoch ist, Kollegen ständig krank sind, man dauernd einspringen muss und eine Krankmeldung der einzige Weg ist, sich Luft zu verschaffen. Manchmal aber auch, weil man einfach keine Lust mehr hat, sich die faulen, ständig Kaffee trinkenden Kollegen anzuschauen, wie sie mobben, sich dreist am Essen für die Bewohner bedienen, Pflegemittel und sogar Klopapier vor lauter Geiz klauen und mit nach Hause nehmen. Ich habe nirgendwo einerseits so viele extrem engagierte und anderseits gefühlt noch mehr stinkend faule Menschen wie in Pflegeberufen erlebt. Ich weiß das, denn lange genug habe ich in diesem Umfeld meine Eurodollars verdient. Das alles hat sehr wenig mit einem freien Markt zu tun, sondern mit Anstand und Charakter, zumal man in der Pflege immerhin noch das Dreifache von dem verdient, was eine Friseuse nach Hause schleppt. Unfreundliche Hairstylisten vergraulen die Kundschaft, abgewichstes Pflegepersonal, das Patienten nur jeden zweiten Tag wäscht, aber trotzdem ein Häkchen in der Dokumentation für die Abrechnung setzt, bessert dagegen die Bilanz auf. Aber lesen wir erst einmal weiter.

Wir können den politisch Verantwortlichen noch nicht einmal Tatenlosigkeit vorwerfen (sie haben ja viel versucht) – aber Erfolglosigkeit. Denn die Nöte der Betroffenen haben sich in den vergangenen Jahren eher verschlimmert. Das Grundproblem ist doch, dass wir den Beschäftigten im Gesundheitswesen nicht genügend Wertschätzung entgegenbringen.

Wer ist wir? Etwa die Leute, die ihre Angehörigen ins Heim stecken oder eine „Polin“ nach Hause bestellen, die quasi schon als Krankenschwester auf die Welt gekommen ist, weil das die Pflegekasse bezahlt? Hat sich Norbert Blüm nicht mit seiner sensationellen Pflegeversicherung  um die Menschheit verdient gemacht? Ein bis dahin weltweit einmaliges System, das wie immer den Armen und Schwachen zugute kommen sollte, weil man so etwas wichtiges auf gar keinen Fall dem freien Markt überlassen wollte? Und warum blieb sie erfolglos, wie die Einheitspresse schreibt? Weil Planwirtschaft noch nie funktioniert hat, die Geschichte kennt genügend Beispiele. Und es geht weiter:

Ärzte genießen einen guten Ruf und verdienen in der Regel sehr auskömmlich, aber bei Schwestern und Pflegern sieht das schon ganz anders aus.

Ja Ärzte haben studiert, je nach Fachdisziplin leisten sie viel, aber darum verdient die Ärzteschaft gar nicht so gut. Sie sind besser gestellt, weil erstens niemand mehr Arzt werden würde, wenn eine Krankenschwester, was manchmal zu Beginn vorkommt, mehr verdient und zweitens sind die meisten Funktionäre im Gesundheitssystem (noch) Ärzte. Sie werden wohl kaum ihrem Berufsstand das Wasser abgraben. Und weiter:

Wertschätzung drückt sich in Entlohnung aus, aber nicht nur: Jeder Dritte in der Altenpflege muss mit einem befristeten Job und der Unsicherheit leben, diesen kurzfristig verlieren zu können. Auch Angst macht krank.

Und die anderen zwei Drittel genießen Kündigungsschutz, weshalb man selbst die übelsten Faulenzer nicht loswerden kann, die jedes noch so gute Team auf Dauer vergiften. Der freie Markt würde hier wahre Wunder wirken, das Gegenteil ist aber der Fall. Und wer seinen Job in der Pflege über die Zeitarbeit gefunden hat, ist nicht immer bestens qualifiziert und kann also nur Helfertätigkeiten übernehmen. Oder aber es hat andere Gründe, warum man ihm trotz Erfahrung und passender Ausbildung keine Planstelle anvertrauen will. Leute, die Angst um ihren Job haben und scharf auf eine Festanstellung sind, machen zudem weniger krank. Erst nach der Probezeit steigt die Kurve an, das weiß jeder Personaler. 

Und weiter:

Momentan besteht unser Gesundheitssystem aus Zahlen, nicht aus Menschen. Darin liegt der Kardinalfehler. Gesundheit darf nicht allein den Gesetzen des freien Marktes überlassen werden.

Bei dieser Lightversion des kommunistischen Manifests kommen mir die Tränen. Es gibt aber trotz dem Geheule keinen freien Markt im Gesundheitswesen, auch wenn es in der Branche vor kommerziellen Betreibern, die miteinander in Konkurrenz stehen, nur so wimmelt. Die Preise für jede Leistung schreibt das Gesundheitssystem genau vor, es gibt festgelegte Tagessätze und Pflegestufen, eine maximale Anzahl von Planstellen und minutiös einzuhaltende Pflegepläne, sprich Planwirtschaft. Verantwortlich für die sich daraus ergebenden Missstände ist der überregulierende Staat, sonst niemand, vor allem kein „Wir“, welches per Gesetz in dieses System gezwungen wird und nicht mal aussteigen kann.

Aber natürlich fürchten sich die Propagandisten in den Redaktionsstuben vor dem freien Markt, denn das Blättersterben geht weiter, dass so mancher Alpträume davon hat, als ungelernte Zeitarbeitskraft in einem Seniorenheim von der Heilsarmee zu landen. Während die Leihsklaven noch die Bettpfanne putzen, füllen die Festangestellten die Alten mit Psychopharmaka ab und klampfen ihnen Jesus-Liedchen in der Hauskapelle vor. Davon macht dann der einzige nicht freigesetzte Lokaljournalist ein paar Fotos für das örtliche Anzeigeblättchen.Wahrlich, für alle Beteiligten keine schöne Vorstellung von der nahen Zukunft. Die Wahrheit aber ist, es wird schlimmer kommen …

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Wolfgang van de Rydt
Über Wolfgang van de Rydt 271 Artikel
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3 Kommentare

  1. Die Frage ist doch: Wie werden aus engagierten Mitarbeitern in einem solchen System – ähnlich übrigens auch bei dem Personal von Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, dann die Menschen, die nur noch versuchen, die Stunden gut herum zu bekommen?

    Die Idee, dass man durch mehr Druck auf die Mitarbeiter – also durch Angst – gute soziale Einrichtungen erreichen kann, teile ich jedenfalls nicht.

    Ich habe viele Jugendfreizeitstädten kennengelernt, die ihre täglichen Besucherzahlen auf dem Papier vervierfacht haben, wunderbare Jahresberichte geschrieben haben und wo die engagiertesten Leute nach ein paar Jahren völlig desillusioniert und unzufrieden waren.

    Und da hat man nach neoliberalem Dogma gehandelt und die Fachkräfte auf das absolute Mindestmaß reduziert und dafür Aufgaben an 1 Euro Sklaven, die unter maximaler Angst und Druck arbeiten, vergeben. Zudem hat man bei Neueinstellungen den Verdienst so gedrückt, dass kein vernünftiger Mensch freiwillig in so einer Einrichtung arbeiten wird.

    Zudem haben dann die finanziell verantwortlichen Kommunen ein Arsenal an Kontrollen aufgebaut, so dass die Zeit erstmal mit dem Führen von Heiztagebüchern, Sitzen in Konferenzen, Beantragen von Geldern und dergleichen zugebracht wird, während sich die „hochqualifizierten“ 1 Euro Sklaven dann um die Kinder und Jugendlichen kümmern.

    Die Idee, dass man alle drei Jahre das desillusionierte Mitarbeiterpack durch neues unverbrauchtes ersetzt, mag zwar aus Sicht einen asozialen Trägers seinen Charme haben, Aber das wird aus anderen Gründen auch nicht funktionieren.

    Der eine oder andere Arbeitgeber hier am Ort, der seine Fabrikation überwiegend mit Leiharbeitern geführt hat, durfte nach ein paar Jahren feststellen, dass selbst im in einem Ort mit Arbeitslosenquote von über 10% keine Arbeitskräfte mehr zu finden waren, die nicht aufgrund ihrer langen Verweildauer in der Leiharbeit Anspruch auf Festanstellung gehabt hätten und somit unter seinen Bedingungen die Stellen nicht antreten konnten und nicht mehr zur Verfügung standen.

    Warum leiht sich der typische Sozialkonzern sein Personal nicht? Dafür gibt es noch weitere Gründe:
    1. herrscht ein Mangel an solchen Fachkräften und die könnten von heute auf morgen sich an einen anderen Arbeitgeber verleihen lassen, wenn sie mit den Arbeitsbedingungen nicht zufrieden wären, wenn in größerem Umfang Leiharbeit in den sozialen Einrichtungen vorkäme.
    2. Sind die Tarife der Leiharbeiter mit Abschluss z.B. als Sozialpädage trotz der niedrigen Leihtarife viel teuerer als das, was die meisten Träger für neueingestellte Mitarbeiter zahlen. Und der Verleiher schlägt auf den Tarif ja noch etwa 1,5 fach seine Kosten und Gewinn auf.

    Der Grund, warum sich nichts ändert, liegt einfach darin, dass die Sozialkonzerne und kleinen Träger trotz dieses Personals und solcher Zustände satte Profite machen. Daher besteht keinerlei Interesse daran angemessen zu entlohnen, die Leute durch finanzielle Anreize zu motivieren, Strukturen zu überdenken oder ähnliches.

    Den meisten Streß haben ja die Mitarbeiter selbst. Und wenn jemand wegen zuviel Mobbing geht, dann kommt eben der nächste. Das ändert nichts an der Profitabilität. Wenn ein Mitarbeiter krank macht, dann geht das ja zur Lasten der anderen Mitarbeiter nicht zu Lasten des Profites des Trägers, zumindest solange die Kreuzchen am richtigen Punkt gemacht werden.

    Hätten wir einen Markt, der die Gehälter nach Angebot und Nachfrage steuern würde, dann hätten schon seit Jahrzehnten die Gehälter in diesen Bereichen Jahr für Jahr teilweise drastisch steigen müssen, bis die Attakrakivität der Berufe so gestiegen wäre, dass die Nachfrage gesättigt worden wäre..

    Und dass das nicht passiert, liegt einfach daran, dass die Träger nur das für eine Stelle abrechnen können, was sie vorher von der öffentlichen Seite genehmigt bekommen haben. Daher muss dann eine Stelle frei bleiben, wenn zum sozialistisch festgelegten Gehalt kein qualifizierter Mitarbeiter vorhanden ist. Die Gehaltsfindung durch Angebot und Nachfrage wird durch das System ausgeschaltet.

    Statt dessen arbeitet man mit einem Sozialsystem das die Leute zwingen will, bestimmte Tätigkeiten zu übernehmen. Also weiter tief in die Vertragsfreiheit und den Markt eingreift. Mangel an Pflegekräften bekämpft man nicht über den Markt und Anreize sondern über erhöhten Zwang für Arbeitssuchende sich entsprechend zu qualifizieren oder unqualifiziert dort zu arbeiten.

    Wenn man über Jahrzehnte so sozialistisch handelt, darf man sich am Ende nicht wundern, wenn die so Ausgebeuteten und in diese unterbezahlten Bereiche gezwungenen eben nur noch das Mindesmaß an Arbeitsleistung erbringen und ihren Frust in Form von Mobbing abladen.

    Es ist übrigens auch in vielen anderen Bereichen so, dass eigentlich die Löhne ohne Eingriffe in den Markt steigen müssten, wenn der Staat nicht die Rechte der Arbeitssuchenden einseitig beschränken würde.

    Man stelle sich mal einen umgekehrten Markt vor, wo der Arbeitgeber vom Staat aus verpflichtet wäre, innerhalb einer festgelegten Frist eine Stelle zu besetzen und dabei allein die Gehaltsforderung der Arbeitssuchenden zu berücksichtigen. Die Fachkräfte würden dann sehr schnell Mindestgehaltsforderungen vereinbaren, weil ja alle davon profitieren würden. Und wenn der Arbeitgeber da nicht spurt würden ihm dann wesentliche Teile des Umsatzes wegsanktioniert.

    Die Absurdität und Einseitigkeit des Arbeitsmarktes sollte jedem nach diesem Gedankenexperiment klar sein.

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