Kein Wahlrecht für Obdachlose? Berlinerin fühlt sich entmündigt

Berlin: Eine junge Frau, die seit 31/2 Jahren keinen festen Wohnsitz mehr hat im Gespräch mit O24:

Foto: O24

„Ich arbeite selbstständig und muss sogar Steuern zahlen, darf aber nicht wählen gehen, weil ich keinen festen Wohnsitz habe“. Im Jobcenter habe man ihr geraten, die Selbständigkeit aufzugeben und stattdessen Leistungen nach Hartz4 zu beantragen. Damit hätte sie dann auch Anrecht auf eine Sozialwohnung. Angesichts der Wohnungsnot gerade in Berlin fühlt sich die Frau auf den Arm genommen. „Niemand von den Leuten, die ich kennengelernt habe und in einer ähnlichen Lage sind wie ich, hat bisher durch amtliche Hilfe eine Wohnung gefunden. Ich hätte dann noch weniger Geld und trotzdem keinen festen Wohnsitz.“

Über die Möglichkeit, dass sich Obdachlose unter bestimmten Voraussetzungen doch an den Wahlen beteiligen können, ist sie nirgendwo informiert worden. Die Frist dafür ist in jedem Fall abgelaufen. Die Kommunen müssen tatsächlich jedem Wohnsitzlosen die Teilnahme an den Wahlen ermöglichen, wie das genau geht, erfährt man aber nur auf wenigen Seiten im Internet. In Berlin sind nach verschiedenen Schätzungen mindestens 20.000 Menschen ohne festen Wohnsitz bekannt, bundesweit sollen es laut Zahlen aus dem letzten Jahr nur 335.000 sein. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher liegen. Wie viele dieser Menschen ihr Wahlrecht nicht wahrnehmen können, weil sie nicht ausreichend informiert sind, das taucht in keiner Statistik auf.

Die junge Frau ist aufgebracht: „Ich bin Deutsche und habe keine Perspektive. Der Staat kümmert sich auch nicht um die ganzen sozialschwachen Familien deutscher Herkunft. Stattdessen werden massenhaft Leute ins Land geholt, die man angeblich als Fachkräfte benötigt. Sie sprechen nicht mal Deutsch und sollen jetzt den Bedarf decken, während Kinder und Arbeitslose, die hier aufgewachsen sind einfach vergessen werden.“

Warum sie keine bezahlbare Sozialwohnung findet und ihr bei den Behörden die Hilfebedürftigkeit manchmal sogar abgesprochen wird, erklärt sich die Frau mit ihrem gepflegten Äußeren. „Ich sehe nun mal nicht so aus wie der klassische Obdachlose von früher, mit Schnapsflasche und Plastiktüte. Von meiner Sorte gibt es viele, die einfach so darein gerutscht sind.“

Bei den Wahlen in gut eineinhalb Wochen wird ihre Stimme fehlen.

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1 Kommentar

  1. Wo sind mehr Analphabeten, Nichtskönner, Halbgebildete und Bildungsferne anzutreffen ?
    Vor oder hinter den Schaltern des BAMF ?

    Sie kennen die Antwort selbst also erspare ich sie mir.

Kommentare sind deaktiviert.