Ingelheim und die Asylkrise: Ein bunter Abend über Absurdistan

Die Stadtobrigkeit hatte zum Bürgerdialog ins Mehrgenerationenhaus geladen.

“Dumme Fragen gibt es nicht”, so leitete Oberbürgermeister Claus die Informationsveranstaltung ein, bei der am Ende dann doch einige Fragen offen blieben.

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Zeltstadt für Asylbewerber Ingelheim

 

Im Grunde ist schnell zusammengefasst, was den verunsicherten Bürgern vorgesetzt wurde, doch nur nüchtern darüber zu berichten, wäre nicht nur langweilig, sondern würde auch die Brisanz des Themas nicht entsprechend würdigen.

Zweifellos wurde seitens der Verantwortlichen die Verunsicherung und das Informationsbedürfnis der Bürger wahrgenommen und die Lage ist in Ingelheim trotz der ausgelasteten Erstaufnahmeeinrichtung keineswegs mit den Zuständen in anderen Städten vergleichbar.

Überwiegend gesetzteres Publikum fand Platz auf den vielen Stühlen, die Atmosphäre hatte mehr etwas von einer Betriebsversammlung, als von einer hitzigen Bürgerdebatte, aber eine Diskussion stand auch nicht auf der Agenda.

So blieb es bei einigen wenigen Fragen und Antworten. Was der besorgte Bürger wissen will, liegt auf der Hand.

Wie viele Flüchtlinge sind da, wie viele kommen noch, wie lange bleiben sie, wie viele Straftaten und sonstige Probleme gibt es?

Man erfuhr unter anderem, dass sich die Zeltstadt als Notaufnahmelager in Auflösung befindet und die Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung oder auch woanders unterkamen. Dort sind zur Zeit knapp 1000 Plätze meist voll belegt, nach einigen Umbauten sollen es nur noch um die 800 sein.

Ja, es gibt einen Catering Service mit “muslimgerechter Kost” – verraten, was diese Kost kostet wolle man aber nicht so gerne, schließlich könne man ja der Konkurrenz des Lieferanten nicht die Kalkulation offen legen.

Es könnte ja sein, dass ein Mitbewerber ein kostengünstigeres Angebot unterbreitet – dieser Gedanke blieb freilich unausgesprochen, handelt es sich doch eh um Steuergelder. Wozu kleckern, wenn man noch klotzen kann?

Warum können die Leute nicht selber kochen, sie hätten doch eh Langeweile? Ja, warum soll das nicht gehen, was in jedem Hochhaus funktioniert, in dem ebenso viele Leute auf engem Raum leben?

Wie hoch das Taschengeld sei, will ein anderer wissen. Irgendwie so 32,50 Euro die Woche, je nach Alter zusätzlich zu den Sachleistungen.

Interessant wird es bei Fragen zur Sicherheit, welches mit Sicherheit das brennendste Thema war. Es wird ein wenig lebhafter, wenn man so will.

Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion räumt mit ein paar Gerüchten auf und nennt Fakten.

Es gab einen Anstieg von ca. 1000 Straftaten, aber darunter falle auch die illegale Einreise bei fehlenden Papieren, was ja keine echte Straftat sei, deshalb gab es nur einen Anstieg von richtigen Straftaten um ca 8 – 13 %, aber offiziell sei eigentlich noch gar keine Statistik vorhanden.

Entgegen Gerüchten habe es keine Vergewaltigung gegeben, nur eine angezeigte Vergewaltigung im Rahmen einer Beziehungstat zwischen einem Paar in der Einrichtung. Auch einige Fälle (20) von sexueller Nötigung und Belästigung habe es gegeben, zweimal seien definitiv Asylbewerber als Verdächtige in Frage gekommen. Ein Exhibitionist, der Anfang des Jahres sein Unwesen trieb, stellte sich als Ingelheimer Bürger heraus.

Auch Körperverletzung sei vorgekommen, eine Einbruchserie ginge auf das Konto osteuropäischer Banden und hätte nichts mit Asylbewerbern zu tun, lediglich die Ladendiebstähle hätten zugenommen, hier sei der Anteil von Flüchtlingen sehr hoch.

Von Berliner Verhältnissen ist man also noch weit entfernt. Dennoch kommt eine Frau auf die Innenstadt zu sprechen und sagt, sie habe Angst in der “Neuen Mitte”.

Sie sei von Flüchtlingen umgerannt und angepöbelt worden, manche davon mit nacktem Oberkörper… Der Polizist weiss von nichts und bittet bei solchen Fällen um eine Anzeige. Ob sich die Frau aber nach einer Anzeige besser fühlt?

Ein anderer Mann fühlt sich bedroht, wenn er vor Gruppen junger Männer auf dem Gehsteig zur Seite weichen muss. Vorher gab es das dort nicht. Der Polizist meint, das könne einem überall anders auch mit Nicht-Ausländern passieren. Ein anderer Mann bemerkt dazu, man könne den Konflikt ja auch suchen, er habe kein Problem damit, auch Ausländern auf der Straße auszuweichen.

Damit ist die Sache erledigt, was soll man dazu auch sagen, außer nochmals zu wiederholen, dass es vor der Flüchtlingswelle diese “Zustände” dort aber unbestritten nicht gab? Jetzt sind sie halt da und dann ist es so, auch hier gilt eben das Kanzlerinnenwort.

Die Banalität in Gestalt der Schilderung der “positiven” Erlebnisse mit den Neuankömmlingen einer älteren Dame bringt das Geschehen endgültig auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der gesamten Veranstaltung. Sie habe sich tatsächlich einmal in der Stadtmitte an einem “Sitzrondell” zu diesen Leuten gesetzt, weil sie Probleme mit ihrer Hüfte habe. Sonst wäre sie vermutlich nicht auf diese abenteuerliche Idee gekommen, oder? Ganz nett hätten sie ihr sogar Platz gemacht. Das klingt so, als ob irgendjemand im Raum annehmen würde, unter den Asylbewerbern seien vielleicht auch noch richtige Kannibalen.

Ein zweites Mal kommt noch mal so etwas wie Bewegung, wenn man es so nennen kann, auf.

Ein Herr möchte wissen, warum die Massenschlägereien verschwiegen wurden, u.a. eine Auseinandersetzung von Türken mit Asylbewerbern beim Rotweinfest und eine in der Einrichtung.

Der Polizist klärt noch mal auf, dass es keine Nachrichtensperre gibt, sondern alles, was nicht laufende Ermittlungen gefährde, auch berichtet würde. Die Vorkommnisse hätten doch in der Zeitung gestanden.

Der Fragende gibt auf, aber eigentlich wollte er wissen, warum diese markanten Ereignisse kurz zuvor im Vortrag des Polizisten unerwähnt blieben.

So aber ist das, wenn sorgsam vorbereitete Veranstaltungen mit rhetorisch normal begabten Bürgern durchgeführt werden. Der, der am besten reden kann, behält auch das Wort. So auch an diesem Abend der absurden Banalitäten, im kleinen, immer noch beschaulichen Ingelheim am Rhein.

Man erfährt noch nebenbei, dass zwei Drittel der Flüchtlinge die besagten jungen Männer sind und dass es bis jetzt auch keine rechtsextremen Straftaten gegen Flüchtlinge gab, immerhin auch irgendwie beruhigend.

Drei junge Leute aus dem Publikum haben den Saal verlassen und verteilen draußen vor dem Eingang Flyer der Kleinpartei “Der Dritte Weg.” Das ist zwar keine Straftat, aber ganz bestimmt rechtsextrem und hat vielleicht das größte Potential, die Dornröschenstadt aus ihrem Koma zu reißen.

Entscheidend ist wie immer das, was nicht gesagt wurde, weil es nicht zur Debatte stand.

In der Merkelrepublik redet man nicht über die Kosten, in den Kommunen wird nicht über Politik geredet und schon gar nicht Politik gemacht, sondern gemacht, was die Politik will.

Noch Fragen?

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