Ich will mein altes Europa zurück #EU

Zum Teufel mit der Einheitsvielfalt

Als man Abschied von der D-Mark nahm, bin ich ein kleines bißchen ausgewandert. Nur kurz hinter der Grenze ins wunderschöne Belgien. Maastricht machte es möglich. Und das hat gereicht, um sich als Grenzgänger nach getaner Arbeit ein kleines bißchen anders zu fühlen.

Schon alleine wegen des Dosenpfands hat es sich gelohnt, Trittins Mittelfinger reichte eben nur bis zur deutschen Grenze und fand keinen Eingang in ausgewanderte deutsche Körperöffnungen. Jeder einzelne Schluck Cola aus Weissblech – mit französischem Akzent gesprochen – war eine einzige Genugtuung.

Nach dem Abschlussrülpser sparte man sich das lästige Spülen und stampfte das Alu gekonnt mit dem Stiefelabsatz ein und ab damit in den Müll. Das sparte nicht nur Wasser, sondern auch Geschirrspülmittel und machte die Anschaffung von Trinkgläsern obsolet –  wenn das nicht ressourcenschonend ist, was dann?

Alles war anders im königlichen Kinderschänderparadies – wie man diesseits der Grenze die Heimat der verfetteten Pommesfresser betitelte.

Zum Beispiel die Sache mit dem Müll und der Mülltrennung. Diesen Mist hatten sich die Belgier schon aufschwatzen lassen – aber dennoch sehr pragmatisch gelöst –  es gab nämlich gar keine Tonnenpflicht. Plastikmüll kostete gar nichts, die Säcke dafür gab es umsonst und für Hausmüll musste man pro Sack einen Euro bezahlen – egal ob man Mieter oder Eigentümer war.

Irrsinnig hohe Müllgebühren blieben einem so erspart. Wer nicht trennen wollte, brauchte zwei Säcke mehr im Monat – eine lohnenswerte Investition – ganze zwei Euro für ein Leben ohne bescheuertes Müllsortieren. Und jeder ungetrennte Plastikbecher ein Stinkefinger für den Grünen Energievampir.

Als in Deutschland die Ökosteuer eingeführt wurde, machten die zwei Tankstellenbesitzer im Ort das Geschäft ihres Lebens. Alle Deutschen unternahmen nämlich nach Feierabend stets einen kleinen Ausflug nach Belgien, um billig zu tanken. Lange Schlangen an den Zapfsäulen verstopften die Durchgangsstraße und reichten manchmal kilometerweit bis ins Aachener Stadtinnere. Irre! Die deutsche Tanke vor der Grenze lebte nur noch vom Kippenverkauf.

Ich nahm nochmal Nachhilfe in Französisch, also in der Sprache – ganz ernsthaft – und auf meine Kosten – von wegen Integrationskurs, oder so. Nicht jeder sprach nämlich Deutsch, auch wenn es in Ostbelgien die Amtssprache ist, diese Komfortzone war schon in der Nachbargemeinde zu Ende. Zwei Katzensprünge weiter hatte ich mit dem Flämischen wieder gute Karten – nicht viel anders als Holländisch, auch wenn das keiner wahrhaben will.

Und das Beste wovon jeder deutsche Autofahrer träumt – Knöllchen aus den Nachbarländern konnte man getrost ignorieren – das juckte die Belgier einen Dreck – für andere die Kohle eintreiben das war damals nicht so ihr Ding.

Das Leben war paradiesisch. In jeder Straße gab es mindestens zwei Pommesbuden mit echten belgischen Fritten, dazu immer ein Sonnenstudio und gleich drei Friseurläden – denn die belgischen Frauen gehen nicht mal an den Briefkasten ohne vorher beim Friseur gewesen zu sein und das richtige Make up aufgelegt zu haben. Schlabbertittenlook war jenseits von Kelmis, wie mein Paradies buchstabiert wurde.

Es gab also keinen Grund sich zu fürchten, dass hinter der nächsten Straßenecke eine Claudia Roth Amazone Anstalten machte, sich auch in Sachen Vergewaltigung zu emanzipieren.

Dafür gab es gleich zwei französische Supermärkte in Laufweite mit lauter bunten Sachen zu kaufen, was jede Ökoschwuchtel in den Selbstmord getrieben hätte. Alles so schön grell in diesem „Wunderbare Welt der zauberhaften Amelie Look“ und ohne Inhaltsstoffangaben – wozu auch? Man konnte auch so sehen, dass es nicht gesund war, so einen Fraß zu essen – aber lecker ist das bessere Argument!

Künstliche Aromen, Baguette statt Vollkornbrötchen, echte französische Gauloise und überall diese schmollmündigen, zierlichen frankophonen Töchter der Wallonie mit ihrem immer roten Lippenstift –  was braucht es mehr, um sich wie Gott in Frankreich zu fühlen, obwohl man doch eigentlich auf dem Weg dahin auf der Strecke geblieben ist?

Jede zaghaft versuchte Gesprächsanbahnung mittels aufgefrischtem doch immer noch unbeholfenen Französisch weckte Erinnerungen an alte längst vergessen geglaubte Film noire Szenen, die man irgendwann einmal gesehen hatte und es war besser als  Oralverkehr, wenn nach der geglückten Bestellung die hübsche Mademoiselle ihr „Voilà, Monsieur“ hauchte und so tat, als hätte sie nicht gemerkt, dass man einen Migrationshintergrund hat.

Oh ja – und dieser Migrationshintergrund hatte es gerade auf den belgischen Ämtern so in sich. Kaum, dass ich meine Papiere gezückt hatte, machten die königlichen Beamten aufgrund meines in Deutschland völlig wertlosen Adelspräfixès eine Verbeugung und gleich noch mal ein zweites wesentlich freundlicheres Bonjour Monsieur dazu. Titel oder Titten, was soll man sich dafür schämen, wenn man sie hat und sie manchmal kleine Türen öffnen?

Aber der Traum war irgendwann vorbei. Eines Morgens wachte ich auf und musste hilflos mitansehen, wie direkt gegenüber eine Schlecker Filiale eröffnet wurde. Meine Illusion war zerstört. Die Angleichung hatte begonnen – unaufhaltsam. Zwei Straßen weiter gab es auch schon einen Aldi Markt, es folgte ein Lidl und der erste alteingesessene französischsprachige Bäcker machte einer Kamps-Filiale Platz.

Ein paar Orte weiter, im  Gewerbeviertel mit den typisch belgischen Antiquitätenmöbelhäusern, entstand ein Ikea Markt und im Briefkasten landete die erste Zahlungsaufforderung aus den Niederlanden, weil ich ganze 2 km/h zu schnell auf der Autobahn unterwegs gewesen sein soll. 50 € sollte der Spaß kosten – vorbei mit der Auskunftsverweigerung der Belgier – Europa nahm seinen Lauf.

Sollte ich etwa noch darauf warten, dass irgend so eine überflüssige EU Verordnung die wunderschönen orangen Fahrbahnmarkierungen in ein einheitlich europäisches Weiss verwandeln würde?

Die Vielfalt verschwindet – ganz Europa sieht gleich und gleicher aus. Überall die selben Läden, der gleiche Look, die gleichen Produkte, die gleichen Vorschriften, die gleichen Probleme und demnächst überall die gleichen Trümmer.

Deutsche Pizza gibt es jetzt auch schon in Italien und eine Fahrt nach Kroatien muss jetzt ohne den nostalgischen Old School Passkontrollen Thrill auskommen – erbärmlich. Europa raubt nicht nur den letzten Nerv, sondern auch den letzten noch verbliebenen kostenlosen Nervenkitzel.

Doch es gibt Anlass zur Hoffnung:

In der Heimat singen die Einstürzenden Altbrücken vom Ende aus diesem Alptraum –  es gab ein Leben vor dem Euro, warum also soll es keines danach geben?


eu photo

 

 

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Wolfgang van de Rydt
Über Wolfgang van de Rydt 286 Artikel

Freier Journalist – Autor – Musiker

6 Kommentare

  1. Warum das alles ? Eben wegen Aldi, Lidl & Co und den großen anderen Globalisierungsunternehmen. Eines ist gewiss: Der Euro ist für den Normalbürger überall der Teuro…aber das Volk schweigt und fühlt sich dem Anschein recht wohl.
    Abgelenkt vom modernen Komunikationszirkus mit weiteren Kostenfallen für Minderbemittelte geht alles weiter seinen Weg.
    Hier im Lande regiert schon die 5. Staatsgewalt -nämlich das Konstrukt WBGU der Klimaschutz als Weltbürgerbewegung. Alles nur vom Feinsten zur geplanten großen Transformation – http://www.wbgu.de C02-das große „Umweltgift“ ohne das überhaupt kein Leben auf diesem Planeten möglich wäre, soll in diesem Sinne bis 2050 um bis zu 90%
    verringert werden… Mitmachen und sich wohlfühlen, dass ist die Devise dieser Vollpfosten !

  2. Weise Worte welche ich zu 100% unterschreiben kann! Als Schweizer mit Grundbesitz in Frankreich seit den frühen 70ern ging es mir genau gleich. Ich habe mir zur Angewohnheit gemacht alle Aldi, Lidl etc. knallhart zu boykottieren. Da wo ich mich jeweils aufhalte berücksichtige ich explizit nur einheimische Händler und Gewerbe. Egal ob in der Schweiz, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, Holland usw. Dem europäischen „Einheitslook“ welcher leider überall immer mehr überhand nimmt ist allerdings nicht mehr zu entkommen! Schade um unser schönes Europa welches 1000 x mehr Kultur zu bieten hat als zum Beispiel das völlig degenerierte und abgehalfterte Amiland!

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