Basile Morin [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons
von Eva Maria Griese

US-Präsident Donald Trump hatte am Ende des G20 Gipfels einen Tweet an die Adresse des nordkoreanischen Machthabers Kim geschickt. Er wolle ihn kurzfristig treffen, um „Hello“ zu sagen.

„Nach einigen sehr wichtigen Treffen, einschließlich meines Treffens mit dem chinesischen Präsidenten Xi, werde ich Japan in Richtung Südkorea (mit Präsident Moon) verlassen. Während dessen, wenn der Präsident Kim von Nordkorea dies sieht, würde ich ihn an der Grenze/DMZ treffen, nur um ihm die Hand zu schütteln und Hallo zu (?) sagen!“

Die spontane Einladung zu einem Treffen in der demilitarisierten Zone an der Grenze zwischen den beiden Koreas wurde von Kim ebenso spontan angenommen. Etwa 24 Stunden später trafen sich die beiden Führer jener Nationen, die noch bis vor zwei Jahren erbitterte Gegner waren und die Welt als eine latente Gefahr für den Ausbruch eines Atomkrieges in Atem hielten, tatsächlich neben dem berühmten hellblauen Gebäude in der demilitarisierten Zone, direkt an der Grenzlinie zu Nordkorea. Trump überschritt sogar die Grenzlinie in den ehemaligen Schurkenstaat Nordkorea. Man hört eine Stimme – wahrscheinlich die des Dolmetschers – sagen: „Ich hätte niemals gedacht, Sie hier zu treffen, Sie sind der erste US-Präsident, der diese Grenze überschreitet“. Ein einstündiges Gespräch hinter verschlossenen Türen folgte.

Das Enfant terrible der der westlichen Hemisphere hatte komplizenhaft gemeinsam mit dem Enfant terrible der östlichen Hemisphäre der Weltpresse und dem Deep State einen Streich gespielt

Solche Bilder bekommt der an strenge Protokolle und perfekt orchestrierte Abläufe gewöhnte Fernsehzuschauer selten ins Wohnzimmer geliefert. Wackelnde Kameras, die kaum den Fokus auf die Hauptdarsteller halten können, weil ständig jemand aufgeregt ins Bild läuft. Ein Durcheinander internationaler Journalisten und Kameraleute, von denen jeder noch schnell eine gute Position einnehmen will, während Trump und Kim längst beim Händeschütteln und gemeinsamen Sympathiekundgebungen angelangt sind.
Der international sendende russische Fernsehkanal Ruptly RT brachte am frühen Sonntagmorgen die ersten Live-Bilder von der eiligst einberufenen Pressekonferenz.

Trump bedankte sich bei Kim herzlich dafür, dass er so schnell seiner Einladung nachgekommen war und ihn nicht vor der gesamten Welt dumm dastehen lassen habe. Der US-Präsident betonte erneut sein gutes persönliches Verhältnis zu Kim. Er würde Kim sehr gut verstehen und umgekehrt wäre es ebenso.

Im Hintergrund sieht man kurz sogar die skeptischen Mienen von Jared Kushner und Ivanka Trump. Zuvor bei der Begrüßung der beiden Staatschefs im Freien laufen Fotografen aufgeregt um die beiden Staatsmänner herum, um eine passable Perspektive auf die beiden beleibten Herren in Schwarz zu erhaschen. Laut dem indischen RT-Kommentator waren sogar Außenminister Mike Pompeo und Finanzminister Steven Mnuchin mit an die koreanische Grenze gekommen.

Das erst im vergangenen März abrupt ohne Ergebnis zu Ende gegangene Treffen 
der beiden Staatschefs in Hanoi war laut alternativen US-Medien gescheitert, weil der Sicherheitsberater und „Falke“John Bolton in den im Vorfeld stattfindenden Verhandlungen zu viele und zu inakzeptable Bedingungen gestellt hatte, über die Trump möglicherweise nicht informiert worden war. Der Deep State hat immer noch seine Handlanger, anscheinend sogar innerhalb der US-Regierung. Diesmal war Trump aber anscheinend seinen Gegnern im eigenen Haus zuvorgekommen. Es bleibt abzuwarten, wie lange John Bolton seine subversive Stellung noch halten kann. Trump hatte den Kriegstreiber wohl kaum freiwillig ins Kabinett geholt, sondern als Zugeständnis an die renitenten Demokraten.