Kommen jetzt Gottes Strafgericht und die dreitägige Finsternis?

In der Not verlieren manche Menschen den Glauben, andere finden durch Leid erst dahin. Letzteres besagt auch ein Sprichwort, das wahrscheinlich gar nicht so zutreffend ist. In der westlichen Welt war es eine Katastrophe (Erdbeben von Lissabon 1755), die den Denkern der Aufklärung Auftrieb verschaffte und zu einem allmählichen Rückzug des Glaubens aus dem Alltag der Menschen und einer Verweltlichung der Kirchen führte. Heute leben wir in einer überwiegend materialistisch geprägten gottlosen Gesellschaft, in einer Welt, die von der Wissenschaft entzaubert und ihrer Mythen beraubt erscheint. Deshalb hätten "Verschwörungstheorien" so hohen Zulauf, vermelden sogenannte Experten in den Massenmedien und warnen allen Ernstes davor, dass die Q-Anon-Bewegung zu einer neuen Religion mutieren könnte.

Ganz so unrecht haben diese "Experten" nicht, die selbst oft weniger von Wissenschaft, als von Ideologie gepaart mit wirtschaftlichen Interessen geleitet werden. Q-Anon hat eine Erlösung versprochen und es Einsteigern leichtgemacht, anzudocken, ohne ihr eigenes Weltbild umfassend hinterfragen zu müssen. Ausgetauscht werden mussten nur die Autoritäten und die Medienkanäle, denen man "vertrauen" kann. Der Glaube an Übernatürliches wird in der Q-Anon Geschichte nur den Bösen zugeschrieben, den Eliten, die Satanismus praktizieren und Kinder vergewaltigen und töten. Ob Satan existent ist, spielt keine so große Rolle. Man konnte Q-Anon Anhänger sein und die Eliten einfach nur für verrückt und durchgeknallt halten, die das nur aus "Spaß" machen. So entging man auch der Notwendigkeit, darüber nachzudenken, dass, wenn es einen Teufel gibt, die Existenz eines Gottes genauso wahrscheinlich ist. Und ganz schnell wären wir wieder beim Theodizee-Problem angelangt, denn wie kann ein gütiger Gott so etwas nur zulassen? Die Q-Anon-Geschichte ist weltlich geblieben und wird daran scheitern, dass bei einer materiellen Verheißung auch materielle Beweise geliefert werden müssen. Das spielt denen in die Hände, gegen die Q-Anon eigentlich angetreten sein soll. Stecken nun Geheimdienste des Deep State oder gar der Teufel persönlich dahinter? Sein größter Trick soll es nämlich sein, die Menschen glauben zu machen, dass es ihn nicht gibt, damit sie besonders leichte Beute für ihn sind. 

War Q-Anon nun einer der falschen Propheten, vor denen in der Bibel gewarnt wird? Leben wir doch in der Endzeit und wird Gott persönlich eingreifen, um die abgefallenen Menschen zur Umkehr zu bewegen? In der letzten Zeit bekomme ich immer häufiger PDFs, ellenlange Emails, manchmal auch per Briefpost zugeschickt, mit Bibelversen und den gängigen Prophezeiungen der bekannten Seher von Irlmaier bis zum Lied der Linde. Eine dreitägige Finsternis gehört bei mehreren Visionen dazu. Man solle Fenster und Türen geschlossen halten und nicht nach draußen schauen, während die Teufel kämen, um die Gottlosen zu holen. Das klingt ein wenig nach den Massenverhaftungen von Q-Anon, nur bedarf es dabei des Glaubens an einen Gott und dämonische Wesen, sonst kann man dieser Art der Prophezeiung nicht folgen. Manche schildern auch ihre eigenen Erfahrungen und warnen vor Krieg und Katastrophen, auf die man sich vorbereiten soll. 

Aktuell ist es sicher nicht dumm, etwas mehr zu bunkern als üblich. Schon alleine wegen der lästigen Maskenpflicht. Ich kenne fast all diese Schriften, die Bücher, die Prophezeiungen. Aber wovor soll ich mich fürchten? Vor dem Zorn Gottes oder den Menschen, die mittlerweile ihren Nachbarn die Geburtstagsparty neiden und bei der Polizei anzeigen? Wir leben in einer wirklich düsteren Zeit, aber nicht erst seit Corona oder 9/11. Nicht erst seit dem Zweiten oder Ersten Weltkrieg, sondern mindestens seit dem Anbeginn der Aufzeichnungen der Menschheitsgeschichte vor etwa 5000 Jahren. Was davor war, steht nirgendwo geschrieben. In Geschichte zählt nur, wer wann welche Schlacht geschlagen und welches Reich erobert hat. Wer an eine Reinigung oder einen Bewusstseinswandel, ein globales Erwachen, glaubt, wem sollte man das verdenken oder ihn deswegen auslachen? Es wäre mehr als notwendig und vielleicht ist es wirklich nur diese Not, die eine Wende einläuten kann.