Gandhi-Gaga

Mahatma Gandhi muss ein Nationalist gewesen sein, sonst hätte er dieses Wort gar nicht erst in den Mund genommen. Wenn es stimmt, was die indische Schriftstellerin Arundathi Roy anhand seiner eigenen Aufzeichnungen herausgefunden haben will, war Gandhi noch dazu ein übler Rassist und befürwortete das indische Kastensystem. (1) Vegetarier aller Länder feiern ihn, der immer für ein passendes Zitat gut ist, egal für welche Sache man gerade „gewaltfrei“ in den Krieg zieht. Vielleicht sollten die radikalen Tierschützer von Peta noch einmal ihre Begeisterung für den großen Propheten überdenken. (2)

Und wenn es stimmt, was Gandhi über den Umgang von Nationen mit Tieren gesagt hat, wo befanden sich dann die Frauen und Mädchen auf seiner Werteskala? Unterhalb von Tieren? Indien ist das Land mit der weltweit größten Anzahl von Vegetariern und doch kommt es immer wieder zu aufsehenerregenden Schlagzeilen über Gruppenvergewaltigungen – immer dann, wenn eine ausländische Touristin statt eines einheimischen Mädchens Opfer geworden ist. Vergewaltigung in Indien wird in vielen Fällen gar nicht erst verfolgt, die Regierung hat erst vor wenigen Jahren auf Druck der Öffentlichkeit die Gesetze verschärft. Ein weiteres kulturspezifisches Delikt nennt sich Brautverbrennung. Laut einer Studie aus 2009 (3) geschieht dies alle fünf Minuten, innerhalb eines Jahres sollen wegen der Jagd nach Mitgift 106.000 Frauen von ihren Ehemännern verbrannt worden sein.

Vielleicht sollte man den Gandhi-Spruch etwas modernisieren, damit er auf heutige Verhältnisse passt. Ich schlage zwei Varianten vor. Eine für den nicht-westlichen Teil der Welt, die da lautet:

Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Frauen behandeln.

Und für uns:

Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie sich von ihren Frauen behandeln lassen.

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