Sie gilt als eine der Hauptverschwörer, als rechte Hand, als Chefrekrutierer im globalen Sumpf des Pädophilenrings rund um Jeffrey Epstein – Ghislaine Maxwell!

Während die Staatsanwalt sie wegen Verschwörung anklagen will, scheint sie wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Niemand scheint zu wissen, wo sich Maxwell derweil aufhält. Bemerkenswert in dieser heutigen Welt, schlicht unglaublich, wo doch jeder weiß, dass das Benutzen einer Kreditkarte, das Orten eines Mobiltelefons oder Passagierprotokolle von Flugzeugen ausreichen, um die Verfolgung aufzunehmen.

Wenige Wochen nach dem angeblichen Suizid des Hauptangeklagten Jeffrey Epstein, werden die Anschuldigungen gegen Ghislaine Maxwell stetig lauter. Vermehrt erheben sich die Stimmen fragend, weshalb die einstige „Madame“ bisweilen noch nicht verhaftet oder verhört wurde.

Schon 2015 wurde Maxwell von der Klägerin Virginia Giuffre beschuldigt, die rechte Hand von Epstein gewesen zu sein, indem sie junge Mädchen in den Orbit des Pädophilen lockte. Das Zivilverfahren wurde allerdings eingestellt, die fast 2.000 Dokumente entsiegelt.

Zwei junge Schwestern im Orbit der Pädophilie

Langsam schließt sich der Kreis, verschiedene Puzzleteile fügen sich allmählich zu einem Gesamtbild. Ein Bild aus aktiver Rekrutierung junger Mädchen, Versprechungen der Karriereförderung und sexuellen Missbrauch.

Neben der Klägerin Virginia Giuffre, wird Maxwell beschuldigt, auch zwei junge Schwestern in den 90er Jahren sexuell missbraucht zu haben, nachdem sie das Geschwisterpaar in den Orbit des Pädophilen gelockt hatte.

Die Rede ist von Annie Farmer , damals 16 Jahre alt, und Maria Farmer, 25 Jahre, als sie im Sommer 1996 das erste Mal Epstein und Maxwell sexuell missbraucht worden sind. Maria war eine junge Studentin der New York Academy of Art, die kurz vor ihrem Abschluss stand. Epstein bot ihr einen Beschäftigung an, um ein wenig Taschengeld dazuzuverdienen. Ihre Aufgabe sollte der Erwerb von Kunstobjekten für seine persönliche Sammlung sowie die Verwaltung des Eingangsbereichs seines Stadthauses sein.

In den folgenden Monaten bekam sie einen Platz in der ersten Reihe im Leben des Sexualstraftäters. Versuche, vom sexuellen Missbrauch zu erzählen oder gar bei der Polizei zu melden, wurden mit bösartige Drohungen von Maxwell erfolgreich unterbunden.

Maria beschrieb Maxwell als charmante und freundliche Erscheinung. Sie gab all den jungen Frauen im Orbit eine Art Sicherheitsgefühl. Maria erinnert sich daran, dass Maxwell häufig das Haus verließ mit den Worten: “Ich muss Mädchen für Jeffrey besorgen.“

Schuldgefühle plagen die ältere Schwester bis heute. Es war sie, die ihre jüngere Schwester im guten Glauben oder jugendlichen Leichtsinn Epstein vorgestellt und bekanntgemacht hat.

Die jüngere Schwester

Annie beschrieb das erste Treffen mit Epstein. In seinem Anwesen angekommen, begrüßte er sie, nur eine Jogginghose tragend, mit einem Glas Champagner. Es folgte ein gemeinsamer Kinobesuch mit Maria, bei dem Epstein anfing, die Hand und die Oberschenkel von Annie unsittlich zu berühren.

Später lud er Annie ein, seine Ranch in New Mexico für ein Wochenende zu besuchen. In der Annahme, auf der Ranch seien auch andere Schüler, willigte sie ein.

Angekommen auf der Ranch musste Annie feststellen, dass keine weiteren Gäste und Schüler anwesend waren, es waren nur Epstein und Maxwell. Nach eigener Aussage war Annie den beiden hilflos ausgesetzt. Eines Morgens kam er in ihr Zimmer, legte sich neben sie ins Bett und kuschelte sich an die damals minderjährige Annie. Maxwell indes überredete sie, Epstein eine Fußmassage zu geben, Maxwell gab ihr eine Anleitung.

Maria hatte keine Vorstellung, was mit ihrer jüngeren Schwester auf der Ranch in New Mexico geschehen ist.

Drohanrufe von Maxwell

Es war im Sommer 1996 in Ohio, als Epstein und Maxwell sie besuchten. Sie erinnert sich an einen Abend, als Epstein mit der Bitte an sie herantrat, ihm eine Fußmassage zu geben. Anschließend sahen sie in seinem Bett Fernsehen, gemeinsam mit Maxwell. Nähere Details habe ich hier für Sie verlinkt.

Maria gelang in einem Moment der Unachtsamkeit die Flucht. Ihr Vater Frank Farmer holte sie vom Anwesen ab. Als sie erstmals mit ihrer jüngeren Schwester über das Erlebte sprach, erfuhr sie von Annie, dass diese denselben Misshandlungen ausgesetzt war.

Kurze Zeit später kehrte Maria nach New York zurück, sie wollte das Erlebte hinter sich lassen. Doch die Vergangenheit holte sie ein, in Person von Maxwell. Sie erhielt regelmäßig Drohanrufe, Drohungen, mit niemanden über die Ereignisse in Ohio zu sprechen, andernfalls würde Maxwell ihre Karriere als Künstlerin ruinieren.

Maria entschloss sich zur Polizei zu gehen und mit dem NYPD über die Taten in Ohio zu sprechen. Die zuständigen Ermittler verwiesen sie an das FBI, weil der Tatort außerhalb ihrer Zuständigkeit lag. Das FBI versprach wenig Unterstützung, Ermittlungsmaßnahmen wurden nicht eingeleitet.

Die Medienlandschaft interessierte sich ebenso wenig für Marias Geschichte. Als Maxwell von Marias Bemühungen die Taten in Ohio publik zu machen, erhielt sie einen Anruf von Maxwell:

“Sei besser vorsichtig und pass auf Dich auf. Ich weiß, dass Du häufig den West Side Highway entlangfährst. Während Du da draußen bist, sei einfach sehr vorsichtig, denn es gibt viele Möglichkeiten, dort zu sterben!“

Ihre Traum Künstlerin zu werden gab Maria schließlich auf, zu groß sei der Einfluss von Jeffrey Epstein in der Branche. Viele Jahre befand sie sich in therapeutischer Behandlung, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten.

Die Luft für Maxwell wird dünner

Die Einschläge kommen näher, die Druckwelle des Fallout könnte Ghislaine Maxwell zeitnah erfassen. Nach der angeblichen Selbsttötung des Hauptangeklagten können Ermittlungen nun zügiger eingeleitet werden. So versprach Justizminister Barr die Ermittlungen nun auf die Mitverschwörer zu fokussieren.

Bundesbehörden wiegen nun ab, ob Anklagen gegen den inneren Kreis von Epstein erfolgversprechend sind. Schließlich war es auch Maxwell, die Epstein und Prinz Andrew miteinander verkuppelt hat, eine Beziehung, die immer mehr unter die Lupe genommen wird.

Hausangestellte von Epstein haben Maxwell immer als “Lady of the House” bezeichnet. Sie stand im Mittelpunkt der Rekrutierung und Aufrechterhaltung des globalen Netzwerks. Der bereits verstorbene Butler Alfredo Rodriguez beschrieb Maxwell in einer Aussage als „Chefin“.

Während der Gerichtsanhörung in New York vergangenen Dienstag sagte Sarah Ransome, eine von etwa zwei Dutzend anwesenden Frauen, Maxwell sei der Initiator gewesen.

Im April 2016 wurde Maxwells New Yorker Stadthaus für 15 Millionen Dollar verkauft.

Ihre Anwälte behaupteten im Folgejahr nichts vom Aufenthaltsort von Maxwell zu wissen. Seither gibt es eine Reihe gefälschter Fotos, die Maxwell kürzlich angeblich bei einem In-N-Out in Los Angeles zeigen sollten.


Quelle: Indoamedia.com