Die Verfassung steht über der Religion: Konvertieren im Islam, geht das?

Am Anfang stehen die  Allgemeinen Menschenrechte.

Es sind ganz individuelle Rechte, die den Bürger vor der totalitären Obrigkeit schützen – denjenigen schützen, der konvertieren will und sich die Freiheit nimmt, selbst zu bestimmen welcher Religion er angehört und welcher nicht.

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Photo by Metropolico.org

Religionen, die dieses individuelle Recht infrage stellen und meinen, ihre Gebote über die der Menschenrechtscharta stellen zu dürfen, können nicht als ungefährlich beschrieben werden.

Wir haben mit der Aufklärung den christlichen Klerus in Europa in Schranken verwiesen, d.h. die Kirchen mussten anerkennen, dass die Zivilordnung Vorrang hat vor der religiösen Ordnung, weil die religiöse eben nur ein Teil der zivilen Ordnung sein kann.

Gustav Heinemann, der 3. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland war und ist in seinem Bürgerrechts- und Demokratieverständnis ganz unmissverständlich, wenn er sagt:

„Die Grundlage der Demokratie ist die Volkssouveränität und nicht die Herrschaftsgewalt eines obrigkeitlichen Staates. Nicht der Bürger steht im Gehorsamverhältnis zur Regierung, sondern die Regierung ist dem Bürger im Rahmen der Gesetze verantwortlich für ihr Handeln. Der Bürger hat das Recht und die Pflicht, die Regierung zur Ordnung zu rufen, wenn er glaubt, dass sie demokratische Rechte missachtet.“

Nochmals:“Nicht der Bürger steht im Gehorsamverhältnis zur Regierung”, auch nicht einer Religion gegenüber, “sondern die Regierung ist dem Bürger (..) verantwortlich (..)”. Deshalb kennen wir auch folgerichtig keine Staatsreligion mehr und es wird Zeit, dass wir dies auch noch deutlicher machen und die verbliebenen Privilegien der christlichen Kirchen abschaffen. Wenn hier andere Religionen Begehrlichkeiten offenbaren, ist das nur all zu verständlich. Wieso die und wieso wir nicht, ist eine berechtigte Frage!

Es gibt den Vorrang der weltlichen Werte unserer Zivilordnung, insbesondere vor den Werten  der Religionen. Es ist Unsinn zu meinen die Verfassung hätte keinen Vorrang vor den Religionen, wie das in der aktuelle Debatte um den Islam und die deutsche “Leitkultur” von einigen Autoren mit türkischem Migrationshintergrund behauptet wird.

Die europäische Zivilgesellschaften haben sich vom Diktat der christlichen Kirchen befreit, das drückt sich auch und gerade darin aus, dass das Konvertieren, das Nein-Sagen zu einer Religion straffrei ist, das war auch in Europa nicht immer so!

Ein europäisch geprägter Islam wird sich diesem nicht verweigern können, will er Teil dieser Zivilordnung sein, d.h. eine Religion unter vielen.

Es geht von jeder Religion, die totalitäre Wertmaßstäbe beansprucht, eine grundsätzliche Gefahr für unsere Zivilordnung aus. Eine Zivilordnung, die allumfassend für sich in Anspruch nimmt allen Weltanschauungen gerecht zu werden, muss radikal und mit aller Nachhaltigkeit ihren Vorrang vor Religionen und politischen Ideologien durchsetzen.

Das Machtmonopol liegt in den Händen der allumfassenden Zivilordnung und nicht bei einer oder mehreren Religion. In Deutschland ist es Usus die Religionen an der Macht zu beteiligen, dass ist grenzwertig insbesondere da, wo die Trennung von Staat und Kirche nur halbherzig vollzogen wurde, obwohl die Verfassung anderes vorschreibt.

Wie gefährlich Religionen sein können, können wir an der Geschichte des Christentums ablesen, hier sind die europäischen Völker gebrannte Kinder. Europa hat keinen Platz für einen Islam der die Machtfrage stellt, wie es der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu tut.

„Der Islam gehört zu Europa und wird auch weiterhin zu Europa gehören. Der Islam ist in Andalusien einheimisch ebenso wie in den Siedlungsgebieten des Osmanischen Reichs und nun ebenso hier, seit vor einem halben Jahrhundert der heilige Marsch der Türken begann, die aus allen Ecken Anatoliens hierher kamen. Der Klang des Azan (islamischer Gebetsruf), den unsere Helden nach Europa gebracht haben, die Kuppeln der Moscheen, die nun überall auf diesem Kontinent verstreut sind – wir werden sie alle unter unseren Schutz nehmen. Und der Kampf gegen jene geht weiter, die diesen Symbolen schaden wollen. Ich küsse die Stirn meiner Brüder, die den Tekbir-Ruf [“Allahu Akbar”] nach Zürich gebracht haben. Möge Allah jene segnen, die euch großgezogen haben, und ebenso gesegnet seien alle jene, die in Armut hierherzogen, bloß mit einem Koffer ausgestattet, aber die Herzen reich gefüllt mit ihrem Glauben [dem Islam]. Wie heilig waren diese Menschen, die hierherkamen und die Saat legten, welche nunmehr, mit Allahs Hilfe, zu einem großen Baum der Gerechtigkeit mitten in Europa heranwächst. Niemand wird in der Lage sein, den Islam aufzuhalten.“

Am Anfang steht die Freiheit der eigenen Meinung. Die Religionsfreiheit ist nichts ohne die freie Meinung, ohne das freie Bekenntnis zum Glauben, des religiös mündigen Menschen.

Die Freiheit beinhaltet das Recht, seine Meinung jederzeit zu ändern, d.h. auch das Recht jederzeit zu konvertieren, vom “rechten Glauben” abzukommen, also ihn zu wechseln. Am Konvertierungsverbot endet die Religionsfreiheit. Der europäische Freiheitsbegriff verlangt die Option des Meinungs- und Religionswechsels.

„Heil einer Religion, die dem leidenden Menschengeschlecht in den bittern Kelch einige süße, einschläfernde Tropfen goss, geistiges Opium, einige Tropfen Liebe, Hoffnung und Glauben!“ (Heinrich Heine, 1840, Denkschrift Ludwig Börne)

Ob Religion geistiges Opium ist oder nicht, ist heute unerheblich – Religion ist kein Diktum mehr, dem wir angehören müssen, die Mitgliedschaft beruht auf einer freien Entscheidung. Ob Religion als Narkotikum gewertet wird, ist jedem selbst überlassen, denn der Nährwert des Religiösen ist heute jedermanns eigene Sache. Was dem einen schmeckt, muss dem anderen noch lange nicht schmecken.

Wir sind in Europa, im Jahr 2015. Der Islam ist in aller Munde. Er ist das bestimmende Thema in den Zeitungsspalten Europas. Über keine zweite Religion wird so viel geschrieben, wie über den Islam. Zumal die Anschläge von Paris, am Anfang und am Ende des Jahres einen anderen Blick kaum noch zu lassen. Michel Houellebecqs Roman “Soumission” liest sich wie ein Drehbuch zu den aktuellen Tagesgeschehen.

Die europäischen Zivilgesellschaften sortieren und positionieren sich über die Flüchtlings- und Terrorkrise zum Islam. Budapest und Warschau wollen die Ausbreitung des Islams in ihre Zivilgesellschaften verhindern, während die protestantischen Schweden und Deutschen die Implementierung des Islams in ihren Gesellschaften zur Toleranzfrage erheben.

Europa ist in der Flüchtlingskrise uneinig und gespalten, inzwischen verzichtet die polnische Regierung auf das Hissen der EU Fahne.

Wie gefährlich ist der Islam? Diese Fragen wird immer zugespitzter diskutiert, wobei die Religionskritiker vor der Verharmlosung der Gefahren warnen und die andren, u.a. auch die Regierenden in Berlin betonen, dass das eine nichts mit dem anderen, die Anschläge von Paris nichts mit dem Islam und der unkontrollierten Zuwanderung, über die Türkei nach Europa zu tun hat.

Was ist Ursache, was ist Wirkung bzw. welche Wechselwirkungen zwischen Weltanschaung und Gewalt bestehen? Müssen wir unser Verhältnis zur Rolle der Religionen, mit dem Erstarken des Islams in Europa neu definieren?

Wenn der Islam nicht politisch ist, ist er nichts! (Ajatollah Chomeini)

Michel Houellebecq zitiert in seinem Roman Chomeini und will damit deutlich machen, dass der Islam der Muslimbrüder, der Theokraten in Teheran und der Wahabisten in Riad, wie auch der neoosmanischen Regierung in Ankara sehr wohl starke politische Ambitionen hat.

Die Vorstellung eines Navid Kermani, dass der Islam sich auf eine rein religiöse-mystische Rolle beschränken könnte steht dazu im Widerspruch. Ein aufgeklärter, reformierter, moderner Islam braucht einen Häutungsprozess, wie ihn die Kirchen Europas erlebten, wie er in religionskritischen Texten, wie in dem von Karl Marx, beschrieben wurde:

„(..) Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben, oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Societät. Dieser Staat, diese Societät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Compendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d’honneur (Ehrgefühl), ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. 

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
 (Karl Marx 1844, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie)

Reformation und Aufklärung haben die Kirchen gezwungen und gelehrt ihr Verhältnis staatsrechtlich neu zu definieren, jenseits ihres Allmachtsanspruchs. Die Bürger Europas haben sich von diesem Diktat befreit. Die Bürger der arabischen Welt und des Orients, die in Europa leben wollen, werden diesen Anspruch nicht durchsetzen können, es sei denn mit Gewalt.

Der Islam selbst hat nie eine Reformation, Aufklärung und allen voran keine Säkularisierung erlebt. Für Christen Europas (zumindest für den überwiegenden Teil) ist es ein Fakt, dass der Gesellschaftsvertrag gilt, dass staatliches Recht notwendigerweise getrennt von religiösem Recht steht und dass religiöses Recht keinen Einfluss auf staatliches Recht haben kann noch es ersetzen kann. Für muslimische Theologen ist dies nicht der Fall. Ihrer Meinung nach sollte die staatliche Ordnung Sharia-Recht anwenden, sobald Muslime die Mehrheit in einem Land bilden. (Nino Haustein/Dresden)

Der Bürger steht nicht im Gehorsamsverhältnis zur Obrigkeit. Im demokratischen Staatswesen dient der Staat dem Bürger, im Unterschied zu totalitären Staatsform und der Staat übt Gerechtigkeit gegen jedermann aus und bevorzugt keinen vor dem Gesetz. Die demokratische Zivilordnung garantiert die Religionsvielfalt, weil sie ohne Präferenz auskommt. Unterschiedliche religiöse Ordnungsprinzipien können nur nebeneinander existieren, wenn sie nicht die Machtfrage stellen.

Religiose Ordnungen sind ein Teil der Zivilordnung und nicht umgekehrt. Eine freiheitlich demokratische Ordnung ist kein Glaubensbekenntnis des Bürgers auf das er ein Bekenntnis abgibt. Die Rechte der Verfassung sind unveräußerliche Rechte, die er mit seiner Geburt erhält. Der Staat ist eine Rechtsordnung und keine Glaubensgemeinschaft. Die Macht geht nicht von einem hören Wesen aus, sondern ganz konkret vom Volk, vom Souverän, jedem einzelnen Bürger der Staatsgemeinschaft. Die Wirklichkeit ist hier vor Ort, im hier und jetzt.

„das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“ (Artikel 18 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)

Zur Entfaltung deines Glückes muss du nicht auf deinen Tod warten, du bist es der mitentscheidet, der gestaltet, der an der Macht partizipieren kann.

Für die Partizipation gibt es demokratische Regeln, jenseits weltanschaulicher Glaubensbekenntnisse. Aber auch die FDGO kennt Pharisäer und Moralapostel, die Meinungskontrolle glauben ausüben zu müssen und definieren was die “richtige” Gesinnung sei, wie einer Respekt und Toleranz zum Ausdruck bringt und wie nicht. Doch Respekt und Toleranz sind keine singulären politischen Ziele, sondern Symptome für eine Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen. Die Verfassung ist kein Lernzielkatalog, sie ist konstituierend, d.h. staatsbildend.

Darf ich als Moslem konvertieren – geht das? Gibt man in die Suchleiste von Google “konvertieren im Islam” ein, dann erhält man über 200 Tsd. Einträge. Beim Lesen bekommt man dann doch den Eindruck, dass die Frage nur in eine Richtung beantwortet wird, das nämlich “alle” zum Islam wollen, aber keiner aus dem Islam aussteigen will.

Ob der Islam zu Europa gehört entscheidet sich an der Frage des Religionswechsel des Einzelnen, das ist der Kristallisationspunkt und Prüfstein, das Maß der tatsächlich vorhandenen Freiheit – Religionsfreiheit. Auch das Christentum musste diese bittere Pille schlucken und sie haben sie geschluckt, wenn auch nicht freiwillig.

Der Islam, wie er in Ankara, Teheran und Riad gelehrt wird muss seinen totalitären Anspruch, als allein selig machende Religion aufgeben. Will heißen das Konvertieren seiner “Schäflein” zu einem anderen Glauben toleriert, will er wirklich Teil der europäischen Zivilgesellschaft werden.

Bis dato konnte ich noch nicht den Eindruck gewinnen, dass der Religionswechsel überhaupt im Rahmen des islamischen Glaubens straffrei möglich ist. Wenn dies nicht so ist, dann erübrigt sich für mich jede weitere Diskussion, dann steht der Islam im Widerspruch zu den weltlichen Wertvorstellungen europäischer Zivilgesellschaften.

Dieser intolerante Islam gehört nicht zu Europa!


 

von: Lob’s Metier

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