Der Plan hinter dem Davutoğlu Rücktritt

So überraschend kam der Abgang des türkischen Ministerpräsidenten Ahmed Davutoğlu nicht, hatte er sich doch zum Säkularismus bekannt und war anders als Erdogan auch für eine friedliche Einigung mit den Kurden eingetreten.

Photo by Foreign and Commonwealth Office
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Zweifel an Erdogans Paranoia gegen jeden vermeintlichen Widersacher sind nicht angebracht, anhand seiner vielen Zitate lässt sich sein Geisteszustand einwandfrei ablesen – Cäsarenwahn erscheint als Diagnose passender als Zoophilie.

Welche Optionen hält sich Davutoğlu offen? Wird er im Land bleiben oder alsbald Fetullah Gülen im Exil einen Besuch abstatten? Viel zu Plaudern gäbe es ja, denn für die US Strategen sind beide Erdogan Widersacher äußerst wichtig, wenn sie auf ihren Plan B, die Teilung der Türkei zurückgreifen wollen. Nach einem Sturz Erdogans braucht man eine Marionette für den Wiederaufbau. Ein Pseudo-Demokrat wie Davutoğlu ist dafür noch besser geeignet, als der religiöse Prediger Gülen, dessen Bewegung mit „westlicher“ Demokratie nicht viel am Hut hat, sondern den Islam auf eine neue Stufe der Moderne erheben will.

Die Gülen Bewegung ist besser für eine islamische Revolution geeignet, doch den Job hat Erdogan schon an sich gerissen. Der Mann fürs Grobe ist in seiner Unberechenbarkeit absolut berechenbar und wird weiter den Umbau der Türkei zu einer islamistischen Diktatur anstreben, selbstverständlich mit ihm als Staatspräsidenten. Seine Pläne, die Türkei auch als Schutzmacht im Nahen Osten zu etablieren, offenbaren seinen Größenwahn – nicht nur Kurden, auch Araber, vor allem Syrer haben gelinde ausgedrückt – mehr als die Nase voll von den aufgeblasenen Türken und nicht im Geringsten ein Interesse daran, eine Auferstehung des Osmanischen Reiches zu erleben. Ohne den Betrug der Briten hätten sich die Araber niemals zum Kampf gegen die Osmanen aufstacheln lassen –  die tragische Geschichte soll hier nur angerissen werden, man kann sie sich auf unterhaltsame Weise im Kinofilm Lawrence von Arabien zu Gemüte führen.

Erdogan hat vor allem sein Blatt überreizt, weil er über Jerusalem die Flagge des Islams wehen lassen will. Das will die Arabische Liga auch gerne, aber bitte dieses Mal ohne die Osmanen. Gegen diese Pläne haben aber besonders die US Strategen etwas. Und deshalb spricht vieles für die Teilung der Türkei und die Errichtung eines Kurdenstaates.

Erdogan darf und wird noch eine Weile tüchtig Öl ins Feuer des Kurdenkonflikts gießen und weitere Gegner kaltstellen, einkerkern oder aus dem Land jagen. Dann wird sich sein Schicksal schneller erfüllen, als das von Gaddafi oder Sadam Hussein. Niemand wird dem Tyrannen zur Seite stehen. Assad lebt noch, weil er für Russland von Bedeutung ist. Erdogan verspielt diese Bedeutung bei den westlichen Partnern immer mehr.

Davutoğlu hat sich für die Zeit nach dem Zusammenbruch empfohlen. Soll die Türkei wieder demokratisiert werden, wäre er der richtige Mann, denn er kann aus eigener Kraft keine politische Mehrheit hinter sich bringen, er braucht dazu die Hilfe der Bündnispartner.

Von Erdogan ist keine Rückkehr zur Vernunft mehr zu erwarten – der Westen, insbesondere Deutschland, hat ihm zu seinem Amt verholfen, denn gerade die Auslandstürken gehören zu den fanatischsten Erdogan Anhängern – kein Wunder, dass der Möchtegernsultan Assimilierung stets als Verbrechen bezeichnete, wären ihm doch wichtige Wählerstimmen durch gelungene Integration abhanden gekommen.

Nun aber nimmt der Wahnsinn in der Türkei seinen vorhersehbaren Lauf – der Traum vom Großtürkentum wird an der Realität zerplatzen und dem aufgeblasenen Sultan die Luft entweichen lassen.

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