Urteil: ADHS bei Polizisten spricht nicht gegen Einstellung und Diensttauglichkeit

Eine Erkrankung an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) steht einer Einstellung in den Polizeivollzugsdienst nicht immer entgegen. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin entschieden.

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Ein Kläger hatte sich  2014 für den gehobenen Dienst der Berliner Polizei beworben, seine Bewerbung wurde jedoch unter Berufung auf seine Erkrankung an ADHS abgelehnt.

In der Begründung hieß es, er könne „Aufgaben und Tätigkeiten nicht ausführen, die besondere Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit, das Reaktionsvermögen, die Umstellungs- und Anpassungsfähigkeit und die Merkfähigkeit stellten. Auch sei er komplexen Arbeitsvorgängen nicht gewachsen, die mit einem Drei-Schicht-Betrieb und mit Zeitdruck verbunden seien. An Polizisten seien zudem wegen deren Befugnis, Waffen zu tragen, besondere Anforderungen an die gesundheitliche Eignung zu stellen.“

Der heute 23-jährige abgelehnte Bewerber legte Klage ein und begründete sie damit, dass er keinerlei Symptome der Erkrankung aufweise und seit seinem 19. Lebensjahr keine Medikamente mehr nimmt.

Die 26. Kammer des Verwaltungsgerichts holte ein Sachverständigengutachten ein und stellte fest, dass die Nichteinstellung des Klägers rechtswidrig war.

Das Gutachten bestätigte die Einlassungen des Klägers und bescheinigte dem jungen Mann volle Diensttauglichkeit. Einen erneuten Ausbruch der Erkrankung könne man nicht ganz ausschließen, stufte aber auch die Gefahr einer vorzeitigen Dienstunfähigkeit als unwahrscheinlich ein.

Die Kammer hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Sache die Berufung zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg zugelassen.


Urteil der 26. Kammer vom 6. Juni 2016 (VG 26 K 29.15)

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3 Kommentare

  1. ASHS und der ganze Nonsense sind doch nix weiter als Erfindungen von irgendwelchen Scharlatanen, die versuchen damit neue Opfer zu fangen. Wenn Teeren und Federn wieder eingeführt wird, verschwinden sowohl die Quaksalber als auch die „Krankheiten“ ganz von selbst.

  2. Die Krankheitserfinder haben ADS und ADHS erfunden, nachdem sie einen Wirkstoff hatten, der auf das Dopaminsystem wirkt.

    So läuft das fast immer heute, die panschen was zusammen, wenn es irgendwas beeinflusst, wird aus einem Set von Symptomen eine neue Krankheit definiert und das Zeug per Arztbestechung mit Scheinstudien an die Patienten gebracht.

    Es ist nicht auszuschließen, dass ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung von der Gabe eines solchen Mittels tatsächlich profitiert. Speed – und zu der Gruppe der Amphetamine gehört der Wirkstoff der ADS Medikamente, mag tatsächlich manchen zu besseren Leistungen befähigen.

    Allerdings auf Kosten von Herz-Kreislaufproblemen.

  3. Man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Die heute unter ADS/ADHS usw. bekannte „Krankheit“ ist mit Sicherheit keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Beschreibungen der auffallend zusammenhängenden Symptome finden sich in der Weltliteratur zuhauf. Nicht zuletzt Heinrich Hoffmann, Psychiater in Frankfurt a. M., hat das heute sog. ADHS bereits 1845 detailliert beschrieben (siehe sein berühmtes Buch „Struwwelpeter“ und die zahlreichen Belege in seiner Korrespondenz und diversen Manuskripten). Übrigens litten Hoffmann und sein Vater, ebenfalls Arzt, nach eigenem Bekunden selbst darunter. Damals war von Methylphenidat etc. noch gar keine Rede. Dass also Pharmakonzerne und Ärzte ADHS „erfunden“ haben sollen, halte ich für eine abenteuerliche Behauptung. Dass hingegen Ärzte Krankheitsbilder anhand der ihnen bekannten Patienten beschreiben und immer eindeutiger zu kategorisieren versuchen, ist seit Jahrtausenden gängige Praxis. Wie soll es auch anders gehen? Diagnosen und ihre Kriterien fallen nicht vom Himmel, sondern werden im Laufe der Zeit entwickelt.

    Ich denke, das Problem besteht heute eher darin, dass ADHS – wie etliche andere Diagnosen auch – in den letzten Jahren zu einer Mode gemacht wurde. Hier sehe ich tatsächlich eine Beteiligung profitierender Firmen und Ärzte, aber auch von Kritikern, die nicht begreifen wollen, dass es Menschen mit ADHS-Merkmalen immer gegeben hat, und daher dieses Thema mit kruden Theorien wichtiger erscheinen lassen, als es eigentlich ist.

    Es ist ein Faktum, dass manche Menschen, die unter ADHS-Symptomen und typischen Begleiterkrankungen leiden (auf den Leidensdruck kommt es an!), von Medikamenten wie Ritalin und Co. profitieren. Ebenso ist es leider ein Faktum, dass ADHS oft auch leichtfertig diagnostiziert wird. Ich möchte nicht wissen, wieviele Kinder Methylphenidat bekommen, obwohl ihr „Problem“ ganz anders behoben werden könnte. Nichtsdestotrotz ist es für die echten ADHSler ein großer Segen, dass es heute medizinische Behandlungsmöglichkeiten gibt, von denen Dr. Hoffmann seinerzeit nicht zu träumen gewagt hätte. Zur Erinnerung: Bis in die jüngere Vergangeheit wurden Menschen mit starken „Verhaltensauffälligkeiten“, wie sie auch bei ADHS vorkommen können, in Irrenhäuser und Nervenheilanstalten gesperrt und unglaublichen Torturen ausgesetzt. Da wurden Hyperaktive (die oft als schwer oder nicht erziehbar angesehen wurden) tagelang gefesselt, mit diversen Schocktherapien (z. B. Stromstößen, eiskaltem Wasser) traktiert. Unverbesserliche Träumer galten mitunter als debil oder von unheilbarer Melancholie resp. Schwermut befallen. So gesehen erscheinen mir Psychopharmaka als deutlich kleineres Übel, sofern sie nicht missbraucht werden, was sich leider nicht völlig ausschließen lässt.

    Für den jungen Mann, dem nun der Weg zur Polizei offensteht, freue ich mich jedenfalls sehr. Sollte er früher wirklich unter ADHS gelitten haben (die Möglichkeit einer Fehldiagnose muss man durchaus erwägen), wünsche ich ihm, dass es bei seiner jetzigen Beschwerdefreiheit bleibt. Zählt er zu den echten ADHSlern, deren Symptome im Erwachsenenalter vollständig oder zumindest teilweise verschwinden, dann ist er erst recht ein Gewinn für die Polizei. Denn auffallend viele ADHSler verfügen über die geniale Gabe, kleinste Details zu registrieren, im Geiste miteinander zu verknüpfen und aus ihren Beobachtungen unkonventionelle Schlüsse zu ziehen. So ein Mann ist kein dienstuntauglicher Psycho, sondern der braucht den Posten, auf dem er sich richtig entfalten kann (wie wär’s mit der Kripo?).

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