Wenn sich Patienten weigern, ihre Medikamente zu nehmen

In der Zwangspsychiatrie sitzen die  Menschenrechte in der hintersten Reihe, auch wenn die Gesetze eindeutig etwas anderes vorschreiben.

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Zur Dauer und zum Anlass für Zwangsfixierung, worunter auch die medikamentöse Behandlung fällt, gibt es eindeutíge Vorschriften.

Seit der Gustl Mollath Affäre engagieren sich regelmäßig auch Politiker für Patienten, die um Hilfe ersuchen – jedenfalls solange sie noch auf dem Weg nach oben sind. Ist die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklommen, sinkt das Interesse oft spürbar.

So scheinbar auch in diesem Fall, der Brief einer Mutter an einen ehemaligen Landtagsabgeordenten, der jetzt ein begehrtes OB Amt bekleidet, wurde bisher noch nicht beantwortet.

Sehr geehrter Herr Dr. Sp.

unser Sohn hat vor ein paar  Wochen mitbekommen, wie ein Patient von zehn Pflegern überwältigt und in die Isolationszelle gesperrt wurde, weil er sich geweigert hatte, die Medikamente einzunehmen.

Genau das wurde ihm gestern in der Visite angedroht. Er müsse die Medikamente im Stationszimmer einnehmen und sich danach für zehn Minuten darin aufhalten, andernfalls würde er isoliert und es würde ein Kontaktverbot ausgesprochen, wir würden ihn nicht mehr besuchen dürfen.

Vorgefallen ist nicht das Geringste, im Gegenteil, seit seiner Verfassunsgsbeschwerde geht es ihm sogar besser, weil er nun wieder eine Perspektive sieht.

Als Grund für die Androhung der Isolation wurde nicht sein Verhalten angegeben, sondern der Medikamentenspiegel, der zu niedrig sei.  Aus einem niedrigen Medikamentenspiegel ergebe sich seine Gefährlichkeit. Ungeachtet dessen, dass eine solche Herleitung der Gefährlichkeit eines Menschen schon ans Faschistoide grenzt, werden wir die Ignoranz der Ursache für den niedrigen Medikamentenspiegel, den festgestellten Polymorphismus, nicht mehr länger hinnehmen.

Unser Sohn nimmt die Medikamente, obwohl er weiß, dass sie ihm schaden, weil er sie unter den Bedingungen des Maßregelvollzuges nicht ausschleichen kann und im Rahmen einer nicht regelartig durchgeführten Medikamentenreduktion erst straffällig geworden ist.

Es gibt keinen Grund zur erniedrigenden und demütigenden Beschränkung seiner Selbstbestimmung durch die Androhung von Isolation. Wir bitten Sie darum, sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten für SXXXXX zu verwenden.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

xx xx


 

Der im Artikel „Drug Holiday“ genannte Patient Piotr K. ist uns namentlich bekannt. Auch er war im hessischen Maßregelvollzug untergebracht.

Die Mutter hat inzwischen Strafanzeige gestellt.
http://behoerdenstress.de/60168-2/

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