Schengener Abkommen: Zwanzig Jahre danach – Alptraum EU

Was bleibt vom Kern des europäischen Gedankens?

Vor zwanzig Jahren fielen die Grenzen zwischen Frankreich und Deutschland, den Benelux Staaten, Portugal und Spanien. Es war der Auftakt zum freien Europa nach der geglückten Wiedervereinigung der deutschen Teilrepubliken.

Ein Signal, das Hoffnung machte. Keine Kontrollen mehr, keine Autoschlangen an den Schlagbäumen, sondern völlig neue Bewegungsfreiheit innerhalb der ersten sieben Beitrittsländer.  Ein gutes Gefühl für die Menschen besonders in den Grenzregionen.

Es wurde selbstverständlich, was lange nicht selbstverständlich war – einmal kurz über die Grenze zum Kaffee kaufen nach Holland oder billiger Tanken in Luxemburg ohne lästige Passkontrolle durch steife Zollbeamte. Ein Trip in den Elsass oder als Grenzgänger bei den Nachbarn einen besser bezahlten Job zu finden und die Steuerunterschiede zwischen den Ländern für sich zu nutzen…

Man hatte das Gefühl, es bricht eine neue Zeit an. Mit Windows 95 zogen die ersten für eine breitere Masse tauglichen PCs in die Haushalte ein und der Internetboom kündigte sich an. Man kam sich näher – im Herzen Europas und auf der ganzen Welt, so schien es.


Möchten Sie diesen Werbeplatz buchen? Dann nehmen Sie am besten heute noch Kontakt mit uns auf

Auch mit der Einführung des Euros 2002 fanden nur wenige Kritiker öffentliches Gehör – die Maastrichter Verträge galten als unveränderliche Garanten für eine starke Wirtschaftsunion souveräner Partner – eine Schuldenunion war nicht vorgesehen.

Wer dennoch zweifelte, wurde auf sein Kriegstrauma reduziert, galt als rückständig und spießig, weil er die gute alte D-Mark nicht hergeben wollte. Die blühenden Landschaften im Osten ließen immer noch auf sich warten, genauso wie die längst fällige Abschaffung des „Solis“ – der europäische Traum vernebelte die Sinne.

Heute – zwanzig Jahre nach Schengen, dem Maastrichter Verrat und dem kalten ESM Putsch ist aus dem europäischen Traum ein Alptraum geworden. Der Euro bringt die Nationen gegeneinander auf – die offenen Binnengrenzen ganz andere Probleme mit sich.

Aus der EU der Vielfalt ist eine zentralistisch autoritär verwaltete Vielvölkerzwangsgemeinschaft geworden, in der alle nach der gleichen Pfeife tanzen sollen. Wie solche Experimente manchmal enden, wenn das System ins Trudeln gerät, hätte man im Balkan Konflikt lernen können.

Hat man aber nicht. Aus Jugoslawen wurden plötzlich Kroaten, Serben, Bosnier, Kosovaren, Montenegriner – bis heute ein Pulverfass. Das verordnete Multikulti im Balkan funktionierte durch das autoritäre Tito-Regime und die „Leidkultur“ der Serben.

Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Tod des Diktators brachen die ungelösten Konflikte wieder auf. Völkerverständigung und eine friedliche Koexistenz unterschiedlicher Ethnien und Kulturen lassen sich eben nicht so verordnen.

Zwanzig Jahre nach Schengen sind wir wieder Deutsche und Griechen. Merkel beschwört die Einheit und die Brüsseler Mischpoke klingt nicht viel anders als das Politbüro der DDR in seinen letzten Tagen.

Der anfängliche Turbokapitalismus der entfesselten Märkte ist längst einer merkwürdigen Mischung aus Sowjetsozialismus und Konzernfaschismus gewichen. Schengen hätte ein guter Anfang sein können, von heute aus betrachtet war es jedoch nur der Anfang vom Ende.


Bildquelle:

eu photo
Photo by DonkeyHotey

 

 

für eine Banküberweisung finden Sie die Kontonummer im Impressum
Opposition 24 unterstuetzen
Ihre Email Adresse:

Hinweis zu den Kommentaren

Kommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder!
Redaktion
Über Redaktion 5278 Artikel
Frisch aus der Redaktion