Lego lockt das Kind

von Kreativität zu Konsumismus

Wie ein Konzern seine Idee ins Gegenteil verkehrt

2013 hat der Spielzeuggigant LEGO 3,4 Milliarden € Umsatz gemacht.

( Quelle: DER WESTEN )

Lego – das war einmal der Inbegriff von Kreativität im Kinderzimmer. Eine Grundpackung war ein unbedingtes Muss für jedes Kind. Mit der einstigen Spielidee hat das Konzept heute jedoch kaum mehr etwas gemeinsam.

Lego – das versprach unbegrenzten Spielspaß. Mit den Bauteilen konnte man seiner Fantasie freien Lauf lassen und immer neue Bauwerke produzieren. Aufbauen, wieder abbauen, neu kreieren. Früher gab es nur die üblichen Lego-Steine, Bodenplatten, Dachziegeln, Fenster und Türen und verschiedene Räder, um Fahrzeuge zu bauen.


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Für unbegrenzten Spielspaß reichte im Prinzip ein Grundset aus, vielleicht noch ein paar Erweiterungen und dann war man für den Rest der Kindheit mit genügend Legoteilen versorgt. Denn LEGO stand für Kreativität und bot vielfältige Kombinationsmöglichkeiten. Später kam noch LEGO Technik hinzu. Lego hatte einen guten Ruf, galt als pädagogisch wertvoll, auch wenn es aus Plastik war.

Heute ist LEGO jedoch zu einem Giganten herangewachsen und nicht nur in Form von Plastik im Kinderzimmer präsent, sondern auch in der digitalen Welt angekommen.

Lego Batman lego star wars video game

Kaum ein Hollywood Blockbuster, der nicht als Videogame verwurstet wird und durch zahlreiche Merchandising Artikel die Kassen zusätzlich klingeln lässt – Lego liefert dazu die vermeintlich kindgerechte Variante – als Videogame in Lego Optik, in denen die Spielfiguren als Legomännchen durch das Storyboard taumeln, als Plastik – Bausatz und oft noch als Lego Movie.  Eine der erfolgreichsten Reihen des Herstellers ist Star Wars in allen Variationen.

LEGO Efraimstochter / Pixabay

Die Szenerien zu den Blockbustern kosten eine Menge Geld und einmal aufgebaut, wandern diese Dinger aufs Fensterbrett, dem Kinderzimmermausoleum für erfolgreich zusammengesetzte Plastikwelten, die kein Kind und schon gar kein Erwachsener noch ein zweites Mal aufbauen will – nur das IKEA Trauma ist schlimmer. Das Spielerlebnis ist zu einem vorpubertären Lego-One-Night-Stand verkommen, zurück bleibt gähnende Leere im kindlichen Gemüt und das Verlangen nach mehr. Es fehlt ja noch der passende X-Wing Fighter, der Todesstern und ein Set Kampfdroiden, wen sollen Obi Wan und Anakin Skywalker denn sonst bekämpfen? Die Figuren aus LEGO Herr der Ringe passen so wenig dazu, wie Playmobil. Nein, das geht nicht!

Natürlich wollen die Kleinen aber auch mal ins „echte“ Legoland fahren, der Weg dahin führt sicher an ganz vielen Shell Tankstellen vorbei, die eine ganz bestimmte Sorte Premium Kraftstoff (und zwar Diesel für Familienkutschen) mit einem Lego Männchen am Zapfhahn bewerben.

Die Partnerschaft mit dem Ölkonzern störte auch die Umweltschützer von Greenpeace:

Der Lego-Konzern hat mittlerweile aufgrund dieser Kampagne verlauten lassen, dass die Partnerschaft mit Shell nicht weiter verlängert wird, wenn die Verträge abgelaufen sind. Irgendwie kurzsichtig, denn LEGO besteht doch aus Plastik und woraus wird dieses hersgestellt?

Na ja, kreativ ist man bei LEGO immer noch – in der Konzernzentrale und im Entwicklungsbereich. Denn die Lizenzen für Hollywoodblockbuster sind teuer, warum nicht eigene Fantasyreihen produzieren, so bleibt mehr in der Kasse. Mit dem Film und der Fernsehserie NINJAGO hat LEGO eine bei vielen Kindern äußerst beliebte „Untermarke“ geschaffen, nicht nur im Fernsehen, sondern auch auf Youtube erreichen die Videos traumhafte Zugriffszahlen. Kein Wunder, wenn die Kleinen passende T-Shirts, Bausätze und Figuren dieses Genre Mixes aus Star wars, Bruce Lee und Herr der Ringe haben möchten – alles zu seinem Preis.

Kaum war die NINJAGO Welle im Kinderzimmer abgeflaut, klonte der Hersteller das Konzept mit der Reihe CHIMA. Wer kann da noch mithalten?

So werden die Kleinen schon lange nicht mehr mit dem einstmals guten LEGO Konzept zur Entwicklung eigener Kreativität angeregt, sondern schrittweise auf die schöne neue Konsumwelt der Erwachsenen vorbereitet.

Wer als Kind gelernt hat, LEGO Baupläne zu verstehen, der hat später keine Schwierigkeiten mit den scheußlichen Schwedenmöbeln von IKEA.

Wer die Dramaturgie der quietschbunten Legolevel in den ach so kindgerechten Videogames im vorgefertigten Storyboard nach Willen der Regisseure verinnerlicht hat, hat später auch keine Schwierigkeiten damit, dass andere die Regeln machen, nach denen er sich bewegt. Nur ist die analoge Karriereleiter ungleich härter. Nach dreimal sterben, kann man nicht wieder von vorne anfangen, weil  der Spielstand automatisch abgespeichert wird – die Bestrafung ist ungleich härter – schon nach einem Patzer kann Schluss sein – ganz besonders, wenn man vor lauter LEGO-Manie die Noten vom Abschlusszeugnis versaut hat.

LEGO – das heisst auf Deutsch so viel wie „Spiel gut“ – und das war es auch – Kinder sehen das sicher anders, heute ist LEGO auf dem besten Wege dazu ein absolutes NOGO zu werden, ganz wie der scheussliche Plastikmüll in den Juniortüten von MCDonalds.

Konzerne und Kreativität? Das kann eben einfach nicht gut gehen!


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Wolfgang van de Rydt
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2 Kommentare

  1. Früher war alles besser? Wenn ich das schon höre …

    vielleicht schon mal ein Kind mit LEGO spielen sehen – da kämpfen Gandalf und Batman gegen die Kampfdroiden …

    Auch heute noch kann man LEGO Sets zerlegen und was anderes bauen – sowohl Kinder als auch Erwachsene tun das.

    Sicher macht der Konzern nicht alles richtig, aber wie hier dargestellt, ist er eben auch nicht ….

Kommentare sind deaktiviert.