Das Bekennerschreiben: Der Tagesspiegel zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Als Leser stutzt man inzwischen, wenn man auf sauber recherchierte Meldungen stößt, die mehr sind als der Versuch eitler Volkserzieher, das eigene Weltbild zur Nachricht zu machen. Schlimm genug, dass in immer mehr Redaktionen die Unsitte Einzug gehalten hat, Meinungen und Überzeugungen an die Stelle der Berichterstattung zu setzen. Noch weitaus beschämender ist allerdings, dass voneinander abgeschrieben wird, was das Zeug hält. Schnell verbreitet sich auf diese Weise selbst der größte Unsinn, weil sich im schnelllebigen Online-Geschäft kein Journalist mehr die Zeit nimmt, zu prüfen, was er da vom Kollegen abkupfert. Wie beim beliebten „Stille-Post“-Spiel wandert eine Meldung von Redaktion zu Redaktion. Und am Ende kommt nicht selten etwas Verrücktes dabei heraus. Am Karfreitag brachte der Tagesspiegel eine „Nachricht“ in Umlauf, die in Windeseile die Runde machte. Zum Bombenattentat von Dortmund vermeldete man stolz, ein „Bekennerschreiben“ mit rechtsextremem Hintergrund sei bei der Redaktion eingegangen, in dem weitere Anschläge angekündigt würden. Das Schreiben „nehmen die Behörden jedenfalls ernst“, so der Tagesspiegel trotzig, wohl wissend, auf welch dünnem Eis er sich mit der zum Attentatsgeständnis aufgeblasenen Email eines rechten Spinners bewegte. Gierig stürzten sich Deutschlands Leitmedien auf die Neuigkeit, die sich mancherorts bis Samstagmittag zum Beweis für einen rechtsextremen Hintergrund der Tat gemausert hatte.

Als immer mehr Zweifel an den islamistischen Bekennerschreiben laut wurden, war das zuvor so verpönte T-Wort plötzlich gestattet

Nun ist es durchaus möglich, dass die Täter aus dem rechtsradikalen Milieu stammen. Ebenso könnten sie aber auch aus jedem anderen Umfeld kommen, vor allem aus der Islamistenszene. Noch tappen die rund 100 Ermittler völlig im Dunkeln. Das hindert die Medienmeute allerdings keineswegs daran, kräftig zu spekulieren. Vor allem in eine Richtung. Seit Dienstagabend läuft der Gesinnungsjournalismus auf Hochtouren. Den Anfang machte Claus Kleber im „heute-journal“, als er die gewaltige Sprengkraft der drei Bomben vehement kleinzureden versuchte. Empört äußerte er, „nichts, aber auch gar nichts“ deute auf einen Terroranschlag hin. Seine mit Feuereifer vorgetragene Bagatellisierung des Attentats, bei dem wie durch ein Wunder nur zwei Menschen verletzt wurden, erfolgte vor dem Hintergrund der sofort laut werdenden Befürchtungen, Deutschland sei einem weiteren islamistisches Gemetzel nur mit viel Glück entkommen. Islamistischen Terror kann und darf es im Jahr der Bundestagswahl eben nicht mehr geben – da werden Medienschaffende erfinderisch. Als in den Tagen danach immer mehr Zweifel an den islamistischen Bekennerschreiben laut wurden, war das zuvor verpönte T-Wort plötzlich gestattet. Und auch über das verheerende Zerstörungspotential der Bomben wurde nun in aller Ausführlichkeit berichtet – voller Erleichterung darüber, dass sich wohl zumindest auf die Schnelle kein verrückter IS-Scherge finden werde, der für das Attentat verantwortlich zeichnet.

Wenn irgendein Rechtsextremer einer Zeitung eine wirre Email schreibt, ist das nur für die Redaktion des Tagesspiegels ein Bekennerschreiben

Der Tagesspiegel ruderte am Samstagnachmittag kleinlaut zurück. Das reißerische Aufbauschen einer dümmlichen Leserzuschrift war dann doch zu plump. Wenn irgendein Rechtsextremer einer Zeitung eine wirre Email schreibt, in der er sich unter Berufung auf einen Massenmörder aus dem 20. Jahrhundert über einen Anschlag freut, dann ist das eben nur für die Redaktion des Tagesspiegels ein Bekennerschreiben. Das BKA hatte den übereifrigen Nazi-Jägern jedenfalls mitgeteilt, dass man die Leserzuschrift für belanglos halte und auch die darin ausgesprochenen Drohungen nicht ernst nehme. Der vom Tagesspiegel aufgeblasene und von vielen anderen Medien mit noch mehr Luft gefüllte Ballon ist damit jäh geplatzt. Vielleicht aber dürfen sich Deutschlands Redaktionen am Ende tatsächlich über einen rechtsextremen Täter freuen, hätten sie dann doch endlich ihr so lange herbei geschriebenes Nazi-Attentat. Man wird sehen, was die Ermittlungen ergeben, auch wenn es angesichts des für sich selbst sprechenden IS-Terrors schwer vorstellbar erscheint, dass jemand bereit wäre Menschenleben zu opfern, um einen islamistischen Anschlag zu fingieren. Man würde damit lediglich Linkspopulisten in die Karten spielen, die ein solches Ereignis genüsslich für die eigene Propaganda ausschlachten dürften. Eines ist aber schon heute klar: Sollte herauskommen, dass es Islamisten gewesen sind, bekommen Deutschlands Psychiater von Politik und Medien neue Patienten zugewiesen.


Mein aktuelles Buch „Das Grauen – Deutschlands gefährliche Parallelgesellschaft“ ist im Handel erschienen. „Spukschloss Deutschland“ ist als Ebook und als signiertes Taschenbuch erhältlich.

Quelle: Liberale Warte

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Ramin Peymani
Über Ramin Peymani 104 Artikel

Publizist, Autor der bekannten Klodeckel Chroniken – neuestes Werk „Spukschloss Deutschland“ im Handel erhältlich

2 Kommentare

  1. Es muss halt ins Weltbild passen ….

    Die Integration funktioniert oder funktioniert nicht – unabhängig davon, ob es jemandem in Deutschland gefällt oder nicht. Da Ausnahmen die Regel bestätigen, gibt es einige Einwanderer, die seltsame Sitten und Gebräuche pflegen. Natürlich sind dies nur Einzelfälle, doch die Polizisten schaffen es nicht mehr, ihre Überstunden abzubauen.

    Einige, die schon länger hier leben, sind durch Gewalttaten betroffen und artikulieren ihren Unwillen, weil die Einzelfälle besonders seit dem Sommer 2015 auffällig stark zugenommen haben. Mittlerweile passieren solche Einzelfälle regelmäßig und täglich – immer und überall. Das sind sogenannte „Fake News“ oder Falschmeldungen und „Hasskommentare“ oder konstruktive Kritik an den Verantwortlichen vom Bürgermeister bis zur Bundeskanzlerin. Sie alle fühlen sich ihrer jeweiligen Parteidoktrin verbunden.

    Warum also folgen Politiker dem Weltbild, das von ihrer Partei vorgegeben ist? Selbst parteilose Bürgermeister folgen der „politischen Korrektheit“ und belegen, dass nur gewählt wird, wer der Masse der Wahlberechtigten behagt.

    Die Gründung von Leitmedien und Parteien unterliegt seit 1945 den Einflüssen der vier Besatzungsmächte. Die Denkrichtungen und die Handlungsspielräume sind vorgegeben. Dies gilt schwerpunktmäßig auch für die deutsche Geschichte seit 1914.

    http://www.dzig.de/Hasskommentare-und-Falschmeldungen-im-Netz

  2. DER TagesSpiegel war mal ein bürgerlich-westliches Blatt zu Ostwest-Spannungszeiten, aber was da jetzt abgeht, ist unfaßbar, fast kein Unterschied mehr politisch zu den dunkelroten Antifa-Blättern FR und taz.

    Da ist der Hetzer Frank Jansen zuständig für „Rechtsextremismus“ und hat gelogen nach Sebnitz-Art, daß sich die Balken biegen (ebenso übelst M.Friedman in der BZ), als seinerzeit im Januar 2015 der Brand-Anschlag in Tröglitz stattfand. Nichts war bewiesen, aber gierig und breit wurde daraus was gemacht über Tage über „rechten“ Terror, „befreite Zonen“, Gewaltgefahr. Raus kam nichts, eher das Gegenteil.

    Aber wo sind da die Chefredakteure oder der ehrenwerte bürgerliche Verleger, um diesen schamlosen Antifa-Kurs zu verhindern?

    Die haben wohl alle Angst (wie Honecker vor jedem mm Freiheit) vor jeder kleinen patriotischen Regung, weil sie fürchten, daß es -würde es mal mit dem Volksprotest so richtg beginnen wie 1989 in der DDR- zu einem Flächenbrand würde.

    Deswegen die Verleumdung mit der Nazi-Verdächtigung an alle Patrioten, da wird dann Gauland als Gauleiter beschimpft, von ach so besorgten Kaviar-Linken die JF als Naziblatt diffamiert usw., da wird die minimale Neonazi-Kriminalität maßlos aufgebauscht bis kriminell erfunden, um jeden patriotschen Ansatz im Keime ersticken zu wollen.

    Noch ist es nicht so weit wie bei Hitler, wo jede nicht-braune Partei-Neugründung verboten und unter Todesstrafe gestellt wurde!! Aber das dreiste Monopolgehabe der Mächtigen und ihrer Unterstützer heute ist mental davon nicht mehr weit entfernt, politisch und juristisch wird es immer ähnlicher!!

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