Kranker Todeskult: Selbstmörder sind keine Helden

Ein Selbstmörder wird 50

Kurt Cobain photoFoto by erix!

Heute schreiben sich die Musikjournalisten die Finger wund und schwelgen in Erinnerungen an ihre wilde Zeit. Ihr Held war schon bei seiner Geburt tot, doch für sie bleibt er ewig jung. Er wollte keine Fünfzig werden, er hat es geschafft und er lebt weiter, damit sie vergessen können, wie schlimm es doch ist, „alt“ zu sein. Die Sesselfurzer und Bürohocker waren natürlich alle dabei, als der kranke Kurt vor den Augen der Welt sein Ableben zelebrierte. Intensität und Talent sind nicht dasselbe, aber Kurt Cobain war auf eine gespenstische Art authentisch. Sein Tod war nur noch reine Formsache. Aus der Traum!

Die Musikindustrie hat ihre eigenen Regeln. Tote können nicht mehr abkassieren, nicht mehr mit irgendeinem „Jetzt will ich mich aber mal selbst verwirklichen“-Scheiß das Geschäftsmodell kaputt machen. Sie singen weiter das Lied vom Tod. Das ist gut fürs Geschäft in einer selbstmörderischen Gesellschaft.

Man darf nicht lebendig sein, um zu überleben, das ist viel zu gefährlich, so lautet die Botschaft. Tötet eure Emotionen ab, sonst werdet ihr verrückt. Seid bloß nicht ihr selbst, sonst nimmt es mit euch dasselbe Ende wie mit Kurt und Elvis und all den anderen. In einer kranken Welt kann man nicht gesund und erfolgreich sein, man muss daran zugrunde gehen. Lasst es also lieber sein.


Möchten Sie diesen Werbeplatz buchen? Dann nehmen Sie am besten heute noch Kontakt mit uns auf

Nach dem Grunge kam die nächste Welle aus den Labors der Musikfabriken. Techno zur Infantilisierung der Generation nach Kurt und HipHop zur Kriminalisierung für diejenigen, denen kindisch sein nicht cool genug ist. Destruktivität ist das oberste Gebot, alles andere verkauft sich angeblich nicht.

So wenig wie kriminelle Gewaltrapper als nachahmenswertes Vorbild für die Jugend taugen, so wenig ist die hohe Anzahl von Selbstmördern und Drogenjunkies unter den Kulturschaffenden ein Indiz dafür, dass mit dieser Gesellschaft alles in Ordnung ist. Das Verherrlichen von Selbstzerstörung ist zutiefst pathologisch. Daran könnte man nun wirklich zugrunde gehen.
Die Weigerung erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, nach einem totalitären Versorgerstaat mit „bedingungslosem“ Grundeinkommen schreien und diesen dann wütend zu bekämpfen, weil er seine Versprechen nicht hält, hat nichts mit Teen Spirit zu tun, sondern ist einfach nur saudumm und pervertiert den Zauber der Jugend zu einem Todeskult.

Fünfzigjährige Manager mit Kurt Cobain und Rammstein Postern im Hobbykeller mögen eine lächerlich anmutende Vorstellung sein, sind aber gar nicht so selten. Wer für immer jung sein möchte, hat vom Leben nicht viel verstanden. Der Tod ist noch unausweichlicher Bestandteil dieses Daseins, es gibt keinen Grund ihn zu fürchten, aber noch weniger Gründe, ihn zu verherrlichen und sein Leben wegzuwerfen. Wer sein Leben nicht lebt, überlässt den anderen die Verantwortung für diese Welt, denen es nur recht ist, dass immer mehr Menschen zu Smombies (Smartphonezombies) degenerieren und als seelenlose Hüllen für die dümmsten Botschaften empfänglich werden. So ein Gefäß wollte Kurt Cobain nicht sein, doch sein Tod folgte den Regeln der Dramaturgie. Er blieb das, was er war und sein sollte – ein Antiheld. Ein Held hätte er nur werden können, wenn er heute noch leben würde.

für eine Banküberweisung finden Sie die Kontonummer im Impressum
Opposition 24 unterstuetzen
Ihre Email Adresse:

Hinweis zu den Kommentaren

Kommentare geben nicht die Meinung der Redaktion wieder!
Wolfgang van de Rydt
Über Wolfgang van de Rydt 230 Artikel
Freier Journalist - Autor - Musiker

3 Kommentare

  1. Als ich damals die Nachricht von Kurt Cobains Selbstmord (mit ner Schrotflinte auf die 12) hörte war mein erster Gedanke: Prima Junge, das hast du gut gemacht……
    Ich verstehe sowieso nicht das Gedöns um „Heroes“ wie Jim Morrisson, Hendrix, Joplin, Winehouse und anderen, die bis heute verehrt werden. Die haben zwar alle prima Musik gespielt, waren aber alle ausnahmslos arme Arschlöcher ohne Selbstbewusstsein, die mit Drogen ihr Heil suchten.
    Warum sollte man einen Jim Morrisson verehren, der auf der Bühne lag, weil er voll war bis zum Anschlag und sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte? Ähnliches gilt für Winehouse. Was soll daran verehrungswürdig sein?

    Ich habe zwar kein Beweis, aber die hätten ohne Drogen viel, viel besser sein können. Drogen, Bewusstseinerweiternd? Ja, vielleicht beim ersten Mal. Aber das war es dann; denn den ersten Kick kriegt man nie wieder. Dann ist es nur noch scheiße….

  2. Da würde sich der Herr Beck, Ex-cheffe von Rheinland Pfalz nur sagen:
    „Waschen und rasieren Sie sich mal. Dann klappt es auch mit nem Job.“

    Den Tip könnte der grüne Langhaardackel allerdings auch brauchen. eklig.

Kommentare sind deaktiviert.