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Die letzten Tage

Israel hat den Iran bis auf die Knochen gedemütigt. Anders als beim letzten Schlagabtausch per Drohnen müssen die Mullahs nun ein Zeichen setzen, wenn sie nicht innenpolitisch an Boden verlieren wollen. Damit hätte Netanjahu eines seiner wichtigsten Ziele erreicht – den Iran zu destabilisieren und Israels Vormachtstellung im Nahen Osten zu sichern. Droht jetzt wirklich ein großer Krieg? Kommt es gar zu Armageddon?

Einiges hängt davon ab, wer im November die US-Präsidentschaftswahlen gewinnt. Kamala Harris ist zwar mit einem jüdischen Anwalt verheiratet, die Demokraten haben sich aber besonders zur Zeit der Obama-Administration eher auf die Seite der Palästinenser begeben. Donald Trump gilt als größerer Hoffnungsträger bei den Anhängern von Netanjahu, die ihn als Messias betrachten. So sagte der „evangelikale Berater“ von Donald Trump, Michael Evans: „Ich war dabei, als Gott Bibi auserwählt hat“.

Trumps Schwiegersohn Kushner, bestens bekannt mit dem Netanjahu Clan, ist wiederum Anhänger der Chabad Lubawitscher, einer jüdischen Sekte, die vom legendären Rabbi Schneerson angeführt wurde, der vielen selbst als Messias galt. Schneerson wiederum kündigte Netanjahu als letzten Premierminister Israels an, nach dessen Amtszeit der Messias käme. Wenn es um Israel geht, dann geht das auf allen Seiten nie ohne starke Worte voller Pathos, religiöse Aufladung und Überhöhung der politischen Führer. So ist denn auch für Erdogan die Hamas eine Befreiungsbewegung und kürzlich sprach er gar von einem Einmarsch in Israel.

Wer den Nahost-Konflikt auf rein geostrategische Interessen reduziert und die religiösen Komponenten außer Acht lässt, handelt genau so blind, wie der, der nicht sehen will, dass es auch um beträchtliche Vorkommen von Bodenschätzen geht, aber eben nicht nur. Und eine Lösung ist nicht in Sicht, zu groß ist der gegenseitige Vernichtungswillen.

Die Frage, die ich nochmals stelle, lautet: Hat Israel jetzt mit den politischen Morden bewusst die Lunte entzündet, weil man darauf setzt, dass der Iran zu keinem echten Gegenschlag fähig ist? Und was wenn nicht? Dann wären Netanjahus letzte Tage angebrochen, zumindest als Premierminister.

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