
Die AfD hält ihren nächsten Parteitag mit Neuwahl des Bundesvorstandes vom 17.-19. Juni 2022 in Riesa ab. Bekanntlich ist die Partei in die Problemzone gerutscht und aus dem Landtag Schleswig-Holstein 2021 wieder herausgeflogen. Dort hatte sie ein beispielloses öffentliches Dauergeharke geboten, das man als Wähler nur mit Rausschmiss quittieren konnte. In NRW kratzte sie in diesem Jahr zwar nicht ab, aber knapp die 5% – Hürde. Sie hatte sich eine politische Perversion geleistet, die die Spitze im deutschen Parlamentarismus markiert: Ihr schillernder Landesvorsitzender Pretzell verließ – nach Mandatsannahme – die Partei und mutierte zum wortmächtigsten Gegner der AfD, speziell am Rednerpult des Landtages.
Die Medien und übrigen Parteien wussten nicht, worüber sie sich stärker wundern sollten, über so eine abgefahrene Partei oder über den unerwarteten Kritikaster. Dass die AfD der wildeste dem Verfasser bekannt gewordene politische Haufen ist, hat er hier und hier dargelegt. Die Hoffnung stirbt zuletzt (in Goethes Faust ist es die Geduld) und so setzen Unentwegte neue Hoffnung in einen neuen Vorstand – eine Hoffnung, die seit Gründung der Partei in Bund und westdeutschen Landesverbänden zuverlässig Seifenblasencharakter hatte.
Könnte dieser neue Kopf es raffen?
Aktuell taucht eine Bewerbung für einen Sprecherposten auf, die man nicht gerade als leichtgewichtig bezeichnen kann: Nicolaus Fest. Der Jurist und frühere Vize-Chefredakteur der „Bild am Sonntag“, der sich dort mit einem Islamismus-kritischen Kommentar unbeliebt gemacht hatte, kann auf jeden Fall formulieren und in Diskussionen die Oberhand behalten. Anders als bisher, legt er eine Regionen- und Strömungs-nahe Liste für den Vorstand vor, deren Leute er für miteinander arbeitsfähig hält. Ob so etwas klappt, steht in den Sternen. Andererseits: Es muss klappen – egal, ob mit oder ohne Nicolaus Fest, sonst sind die Partei Geschichte und unser Land kaputt.


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10 Kommentare zu „Wahl zum AfD-Bundessprecher: Ein Überraschungsgast tritt an“