
Der AfD kann man seit der ersten Bundestagswahl eines nicht vorwerfen: Zu wenig innere Reibungsverluste und zu wenige Vorsitzende in Bund und Ländern gehabt zu haben, die ein Griff daneben waren. Im Guiness Book der Parteirekorde wäre zu vermerken, dass alle drei Gründungssprecher binnen 3 Jahren unter Protest aus der Partei ausgetreten sind und damit ein Musterverfahren auch für die unteren Chargen und deren Parteiaustritte vorgegeben haben: Erst lobten sie die Partei in höchstem Frenolo, fielen durch und verfluchten sie anschließend als radikales Monster und was noch alles.
Man muss die Personalhistorie studieren, um die ewigen Fehlerketten zu kappen
Einer der wesentlichen Durchbeißer, ohne den die Partei nicht hätte aus dem Boden gestampft und in nur 4 Monaten zum Antritt bei der Bundestagswahl 2013 gebracht werden können, war Professor Lucke. Der zähe Nachtarbeiter überschätzte aber seinen Rückhalt auf einem frühen Magdeburger Parteitag, der eine Satzungsreform ablehnte, die die AfD zu Luckes politischem Spielzeug hatte machen sollen. Lucke schmiss nach einer weiteren Niederlage gegen seine Co-Sprecherin Petry im Jahre 2015 hin und gründete eine AfD-soft, die sich zunächst Alfa, später LKR nannte und jammervoll scheiterte. Die Alfa sollte eine AfD, gereinigt von radikaler Kontamination sein.
Lucke betonte nach Austritt und Neugründung, dass er ja nicht mehr der Böse von der AfD, sondern der Gute von der Alfa sei – ohne Erfolg
Der Witz war, dass in Wahlkämpfen für seine neue Partei niemand auf den „neuen“ Lucke und seine AfD-Abstinenz einging, sondern dass man ihn stets als AfD-Gründer ansah. So hatte er die meiste Zeit auf den angeblichen oder tatsächlichen Unterschied zur verlassenen AfD zu verwenden und landete mit seinem politisch etwas mollusken Kollegen Henkel und anderen bauch.
Nicht besser ging es seiner Nachfolgerin im Amt des AfD-Bundesvorsitzes, der Pfarrersfrau und Mutter von vier Kindern, Studienstiftlerin, Alles-Eins-Abitur- und-Universitäts-Absolventin, Organistin und Kantorin, Chemikerin, Doktorin Rerum naturalium und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Frauke Petry. Sie brachte im Zusammenspiel mit einem äußerst schillernden Landesvorsitzenden, dessen Finanzlage zur Sperrung der AfD-Bankkonten durch die Finanzbehörden in NRW zwecks Pfändung führte, durch beachtliche Weiterungen das Kunststück fertig, die bundesweit bekannte politische Partei-Liaison LaFo-Wagenknecht alt aussehen zu lassen. Aber auch Petry schmiss – attraktiv und unversehens in der Bundespressekonferenz – ihre Fraktionszugehörigkeit hin, verfluchte sich vielleicht nicht selbst, sicher aber die Partei und gründete die „Blaue Wende“ als Alternative zur Alternative, nicht ohne sich anschließend der Farben wegen mit der AfD vor Gericht herumzuschlagen. Die Blaue Partei sollte angebliche Radikalismen der AfD ausdrücklich nicht mehr haben und etabliert-bürgernah gewendet sein.
Die „Blaue Wende-Partei“ der AfD-Direktmandantin Petry machte den Lucke und soff ab
Petrys „Blaue“ Partei ging den Weg von Luckes Alfa. Hatte Petry im Gefolge ihrer rekordverdächtigen Einsergewohnheiten das AfD-Mandat in der sächsischen Schweiz noch direkt geholt, so versemmelte ihre Neugründung bereits die Landtagswahlen in Sachsen mit 0,4% und in Thüringen mit märchenhaften 0,1% der Stimmen. Und das, obschon der Kandidatin über eine Viertelmillion Facebook-Follower weiterhin folgten. Eine mangelnde Bekanntheit der Dame kann den Kontrast zur Gewinnung des AfD-Direktmandates nicht erklären.
Auch Austritts-Vorsitzer Meuthen schaffte nichts
Als weiterer Unglücksrabe im AfD-Bundesvorsitz erwies sich der Steuerfachmann und Professor Meuthen. Ein zweifelsfrei sympathischer Herr, wie sich auch in der Bundeszentrale herausstellte, aber er hatte mehr Biss nach innen als nach außen. So war es kein Wunder, dass auch Meuthen hinschmiss und anschließend über die Partei herfiel. Das sollte ihm wohl Schubkraft für eine weitere Karriere abseits der AfD bringen, dürfte aber nach Luckes und Petrys trüben Erfahrungen im Sande des wohldotierten EU-Parlamentsruheständlers von AfD-Gnaden verlaufen.
In NRW lief die interne Destruktion durch ausgetretene Vorsitzer zur Höchstform auf und scheiterte
Der ebenso unterhaltsame wie melancholische Rückblick in die Personalgeschichte der Partei zeigt, dass das interne Dauertheaterstück „Der Kampf der Kesselflicker“ die weitaus meiste Kraft der Agierenden sinnlos verpulvert hat. Für die Außenwirkung blieb kaum etwas übrig. Daher auch der nachlassende Wählerzuspruch. Als traurige Poiente kam bei der jüngsten NRW-Pleite hinzu, dass ausgerechnet der ex-NRW-Parteivorsitzende Pretzell zu einem der großformatigsten Landtagsredner gegen die AfD aufschwoll. Das muss man sich plastisch vorstellen: Der eigene Vorsitzende kassiert aus zwei AfD-Mandaten gleichzeitig (NRW und EUP), tritt aus und wettert ständig wie ein Berserker gegen die ehemals eigene Partei. Zusätzlich verlegte er das Buch seiner Ehefrau Petry mit dem, zur Autorin passenden, kirchenmusikalischen Titel „Requiem auf die AfD“. Dass eine Partei, die sich darbietet, dass sogar die Konkurrenz – peinlich berührt von so viel Renegatentum – die Köpfe wiegt, bei der Wahl bestenfalls die 5% – Hürde kratzt oder ganz abkratzt, ist keiner Programmatik, sondern ihrem katastrophalen Personal zuzuschreiben.
Der Blick auf Vorsitzer, demonstrative Austritte und Wenden zeigt: Man muss das Original bleiben, aber verlässliches Personal wählen
Das Programm der AfD ist von ihrem Standpunkt aus (Mitgliederabstimmung bei der Erstellung) hervorragend gelungen. Es hapert schmerzlichst an verlässlichem Personal. Der kommende Parteitag sollte sich nicht wieder den unfassbaren und unverantwortlichen Bolzen leisten, eine Frau, die niemand kennt, Spitze auf Knopf fast zur Vorsitzenden zu wählen. Es müssen gestandene Leute her, die der Mauer aus Haß und parteilichem Linksfaschismus, die sich seit Jahren gegen die AfD aufbaut, widerstehen können und nicht gegen sie ankoalieren wollen. Appeasement ist in der Politik noch niemals wie erwartet honoriert worden. Die AfD muss im Juni einen Vorstand aus Leuten wählen, die sie genau kennt, die schon jahrelang für die Partei gearbeitet haben und – endlich – die Gewähr bieten, die oben abgehandelte Mißerfolgsgeschichte nicht weiter fortzuschreiben.


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4 Kommentare zu „Parteitag in Riesa: Was der AfD nicht hilft, was weg muss und was gebraucht wird“