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Parteitag in Riesa: Was der AfD nicht hilft, was weg muss und was gebraucht wird

Foto: O24

Der AfD kann man seit der ersten Bundestagswahl eines nicht vorwerfen: Zu wenig innere Reibungsverluste und zu wenige Vorsitzende in Bund und Ländern  gehabt zu haben, die ein Griff daneben waren. Im Guiness Book der Parteirekorde wäre zu vermerken, dass alle drei Gründungssprecher binnen 3 Jahren unter Protest aus der Partei ausgetreten sind und damit ein Musterverfahren auch für die unteren Chargen und deren Parteiaustritte vorgegeben haben: Erst lobten sie die Partei in höchstem Frenolo, fielen durch und verfluchten sie anschließend als radikales Monster und was  noch alles. 

Man muss die Personalhistorie studieren, um die ewigen Fehlerketten zu kappen

Einer der wesentlichen Durchbeißer, ohne den die Partei nicht hätte aus dem Boden gestampft und in nur 4 Monaten zum Antritt bei der Bundestagswahl 2013  gebracht werden können, war Professor Lucke. Der zähe Nachtarbeiter überschätzte aber seinen Rückhalt auf einem frühen Magdeburger Parteitag, der eine Satzungsreform ablehnte, die die AfD zu Luckes politischem Spielzeug hatte machen sollen. Lucke schmiss nach einer weiteren Niederlage gegen seine Co-Sprecherin Petry im Jahre 2015 hin und gründete eine AfD-soft, die sich zunächst Alfa, später LKR nannte und jammervoll scheiterte. Die Alfa sollte eine AfD, gereinigt von radikaler Kontamination sein.

Lucke betonte nach Austritt und Neugründung, dass er ja nicht mehr der Böse von der AfD, sondern der Gute von der Alfa sei – ohne Erfolg

Der Witz war, dass in Wahlkämpfen für seine neue Partei niemand auf den „neuen“ Lucke und seine AfD-Abstinenz einging, sondern dass man ihn stets als AfD-Gründer ansah. So hatte er die meiste Zeit auf den angeblichen oder tatsächlichen Unterschied zur verlassenen AfD zu verwenden und landete mit seinem politisch etwas mollusken Kollegen Henkel und anderen bauch.
Nicht besser ging es seiner Nachfolgerin im Amt des AfD-Bundesvorsitzes, der Pfarrersfrau und Mutter von vier Kindern, Studienstiftlerin, Alles-Eins-Abitur- und-Universitäts-Absolventin, Organistin und Kantorin, Chemikerin, Doktorin Rerum naturalium und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Frauke Petry. Sie brachte im Zusammenspiel mit einem äußerst schillernden Landesvorsitzenden, dessen Finanzlage zur Sperrung der AfD-Bankkonten durch die Finanzbehörden in NRW zwecks Pfändung führte, durch beachtliche Weiterungen das Kunststück fertig, die bundesweit bekannte politische Partei-Liaison LaFo-Wagenknecht alt aussehen zu lassen. Aber auch Petry schmiss – attraktiv und unversehens in der Bundespressekonferenz – ihre Fraktionszugehörigkeit  hin, verfluchte sich vielleicht nicht selbst, sicher aber die Partei und gründete die „Blaue Wende“ als Alternative zur Alternative, nicht ohne sich anschließend der Farben wegen mit der AfD vor Gericht herumzuschlagen. Die Blaue Partei sollte angebliche Radikalismen der AfD ausdrücklich nicht mehr haben und etabliert-bürgernah gewendet sein.

Die „Blaue Wende-Partei“ der AfD-Direktmandantin Petry machte den Lucke und soff ab

Petrys „Blaue“ Partei ging den Weg von Luckes Alfa. Hatte Petry im Gefolge ihrer rekordverdächtigen Einsergewohnheiten  das AfD-Mandat in der sächsischen Schweiz  noch direkt geholt, so versemmelte ihre Neugründung bereits die Landtagswahlen in Sachsen mit 0,4% und in Thüringen mit märchenhaften 0,1% der Stimmen. Und das, obschon der Kandidatin über eine Viertelmillion Facebook-Follower weiterhin folgten. Eine mangelnde Bekanntheit der Dame kann den Kontrast zur Gewinnung des AfD-Direktmandates nicht erklären. 

Auch Austritts-Vorsitzer Meuthen schaffte nichts

Als weiterer Unglücksrabe im AfD-Bundesvorsitz erwies sich der Steuerfachmann und Professor Meuthen. Ein zweifelsfrei sympathischer Herr, wie sich auch in der Bundeszentrale herausstellte, aber er hatte mehr Biss nach innen als nach außen. So war es kein Wunder, dass auch Meuthen hinschmiss und anschließend über die Partei herfiel. Das sollte ihm wohl Schubkraft für eine weitere Karriere abseits der AfD bringen, dürfte aber nach Luckes und Petrys trüben Erfahrungen im Sande des wohldotierten EU-Parlamentsruheständlers von AfD-Gnaden verlaufen.

In NRW lief die interne Destruktion durch ausgetretene Vorsitzer zur Höchstform auf und scheiterte

Der ebenso unterhaltsame wie melancholische Rückblick in die Personalgeschichte der Partei zeigt, dass das interne Dauertheaterstück  „Der Kampf der Kesselflicker“ die weitaus meiste Kraft der Agierenden sinnlos verpulvert hat. Für die Außenwirkung blieb kaum etwas übrig. Daher auch der nachlassende Wählerzuspruch. Als traurige Poiente kam bei der jüngsten NRW-Pleite hinzu, dass ausgerechnet der ex-NRW-Parteivorsitzende Pretzell zu einem der großformatigsten Landtagsredner gegen die AfD aufschwoll.  Das muss man sich plastisch vorstellen: Der eigene Vorsitzende kassiert aus zwei  AfD-Mandaten gleichzeitig (NRW und EUP), tritt aus und wettert ständig wie ein Berserker gegen die ehemals eigene Partei. Zusätzlich verlegte er das Buch seiner Ehefrau Petry mit dem, zur Autorin passenden, kirchenmusikalischen Titel „Requiem auf die AfD“. Dass eine Partei, die sich darbietet, dass sogar die Konkurrenz – peinlich berührt von so viel Renegatentum – die Köpfe wiegt, bei der Wahl bestenfalls die 5% – Hürde kratzt oder ganz abkratzt, ist keiner Programmatik, sondern ihrem  katastrophalen Personal zuzuschreiben.

Der Blick auf Vorsitzer, demonstrative Austritte und Wenden zeigt:  Man muss das Original bleiben, aber verlässliches Personal wählen

Das Programm der AfD ist von ihrem Standpunkt aus (Mitgliederabstimmung bei der Erstellung) hervorragend gelungen. Es hapert schmerzlichst an verlässlichem Personal. Der kommende Parteitag sollte sich nicht wieder den unfassbaren und unverantwortlichen Bolzen leisten, eine Frau, die niemand kennt, Spitze auf Knopf fast zur Vorsitzenden zu wählen. Es müssen gestandene Leute her, die der Mauer aus Haß und parteilichem Linksfaschismus, die sich seit Jahren gegen die AfD aufbaut, widerstehen können und nicht gegen sie ankoalieren wollen. Appeasement ist in der Politik noch niemals wie erwartet honoriert worden. Die AfD muss im Juni  einen Vorstand aus Leuten wählen, die sie genau kennt, die schon jahrelang für die Partei gearbeitet haben und – endlich – die Gewähr bieten, die oben abgehandelte Mißerfolgsgeschichte nicht weiter fortzuschreiben.


4 Antworten zu „Parteitag in Riesa: Was der AfD nicht hilft, was weg muss und was gebraucht wird“

  1. Avatar von Rumpelstilzchen
    Rumpelstilzchen

    Die AfD braucht einen charismatischen Parteichef, der insbesondere auch mit den Flügelleuten GUT zusammenarbeiten kann UND WILL !

    Er muss aber auch in der Lage sein, den parteiinternen Richtungsstreit endgültig beizulegen und der Partei ein KLARES Profil zu verschaffen, im Sinne von DEUTSCHLAND ZUERST und DEUTSCHE LEITKULTURZUERST, was zu einem KAMPF gegen LINKS führen MUSS, und gegen das korrupte und kriminelle Altparteienkartell.

    Das dümmliche Anbiederungsgehabe von irgendwelchen Pöstchenhubern und Karrieristen mit Steuertopfversorgungsträumen muss ein Ende haben. Notfalls müssen noch ein paar Meuthenianer aus der Partei geschmissen werden, wenn diese Partei den Anspruch hat, eines Tages mehr als 15 % der Stimmen zu erhalten,

  2. Avatar von OStR Ing.-Wiss. Peter Rösch
    OStR Ing.-Wiss. Peter Rösch

    Der Gedanke, der in diesem Artikel zu kurz kommt, ist derjenige der Subversion. Von Anbeginn haben diejenigen, die schon eine ruhmlose Karrieristen-Laufbahn vor allem bei der CDU hinter sich gebracht haben — aufgrund ihrer Parteimechanismen-Kenntnisse, angelernter Satzungstricksereien, persönlicher Skrupellosigkeiten, Pöstchensammlerleidenschaft, professioneller Wichtigtuerei usw. — die ehrlichen und arglosen Herzblutleute, denen Winkelzüge fremd sind, aus dem Feld schlagen können. Solche Personalien öffnen sich dann ohne weitere Bedenken dem Verfassungsschutz und dem Denunziantentum auch da, wo es gar nichts zum Denunzieren gibt. Bereits der Versuch hat Erfolg. Solange die solchermaßen zu charakterisierenden Herrschaften dann auch auf den Delegiertenparteitagen Dominanz zeigen können, wird die AfD auf der von den Republikanern vorbeschriebenen Abschussfahrt verbleiben.

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  3. Avatar von Rolf
    Rolf

    Genau so ist es.
    Wer zu seinen eigenen Prinzipien (gewonnen durch Erfahrung) nicht stehen kann und – im Gegenteil – sie später verflucht, der taugt nichts zum Reformer/Erneuerer.
    Die AfD muß sich sorgfältig prüfen, um die Richtigen aus ihren Reihen zum Führer zu bestimmen. Absolut keine Umfaller sondern – in dem Falle – Linientreue, damit der Wähler sicher ist, wen er bestimmt.

    Gruß Rolf

  4. Avatar von Petra Bernstein
    Petra Bernstein

    Sehr treffende Betrachtung mit netten Details, die sich aber als maligne in der Wirkung erwiesen haben. Die Abkassierer, Pleitiers, Trittbrettfahrer, Wichtigtuer und Inkassospezialisten sollten kaltgestellt werden. Mittlerweile kennt man ja die meisten von ihnen.

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