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Julius Evolas „apoliteia“ – die Überwindung der Hegemonie des Globalismus und die Vollendung der Agonie des kollektiven Westens

Ist es nicht heute eine Illusion von einer Rückkehr zu einer gerechten Gesellschaftsordnung und Frieden für alle Völker zu sprechen? Geben wir es nicht besser auf? Man ist gezwungen sich ab und zu mit solchen Fragen zu beschäftigen, und manchmal ist man geneigt sie auf den ersten Blick kurzerhand mit einem „Ja!“ zu beantworten. Aber es sind die falschen Fragen, denn sie vernebeln die konkreten Ziele, und sie verkennen die Bedeutung der Aufgaben und der Kämpfe, die unweigerlich auf uns zukommen. Das Denken in vorgeschobenen Schablonen macht es nämlich faktisch unmöglich die die Komplexität und Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen, und es macht gleichzeitig blind für direkte und indirekte Auswirkungen auf alle Bereiche und Ebenen des gesellschaftlichen und politischen Lebens.

Seit die globalistisch-imperialistische Werteordnung des kollektiven Westens zugunsten einer multipolaren Weltordnung, in der Völker, Nationen und Staaten ihr Recht auf Selbstbestimmung wahrnehmen, in Auflösung begriffen ist, befinden sich einige sogenannte „Rechte“ in heller Aufregung. Was dabei zuallererst zum Vorschein kommt ist ihre geistige Trägheit und die völlige Überschätzung ihrer eigenen „Analysen“, die die Erkenntnis nicht zulassen können, daß die USA in erster Linie das sind, was immer waren und ewig sein werden: Die erste linke Zivilisation der Welt, Europas mißratenes Kind und ein „Experiment der Moderne“ (Alexandr Dugin). Als echte Rechte sollte uns dies jedoch nicht daran hindern US-Präsident Trump einerseits für seine antiwoken und remigrationspolitischen innenpolitischen Maßnahmen zu loben, andererseits für diverse Aspekte seiner Außenpolitik energisch zu kritisieren. Bei dieser Diskussion in Kindergarten-Theorien zu denken, führt jedoch nicht weiter, da diese notwendig an der Oberfläche bleiben und daher .

Geopolitische Kultur bedeutet strategisches Denken auf nationaler Ebene

Ob jemand nach dem US-Israel-Iran-Desaster im Mittleren Osten oder seiner Lateinamerika-Politik nun immer noch von Trump begeistert oder doch eher desillusioniert ist, spielt im Prinzip nur eine Rolle für immer und ewig verzückte Trumpisten oder maßlos enttäuschte Ex-Trumpisten. Beide Einschätzungen sind gleichermaßen unrealistisch und zeugen von einem infantilen Politikverständnis, völliger Unkenntnis des Völkerrechts, vor allem des Kriegsvölkerrechts und jeglicher Geopolitik. Ein echter Rechter wird Typen wie Trump immer nur als das kleinere Übel gegenüber Polit-Kriminellen wie Obama, Biden oder der korrupten EU-Nomenklatura ansehen. Daher hält sich seine Enttäuschung auch in Grenzen, wenn er die militärischen Aktivitäten gegen iranische Atomanreicherungsanlagen, die angeblich kurz vor der Fertigstellung einer Atombombe standen oder die handfesten Drohungen gegen Venzuela – ein Staat, der einem nicht unbedingt gefallen muß, der aber immerhin verstanden hat, wer der Hauptfeind der lateinamerikanischen Völker ist – durch die USA realisiert.

Er erinnert sich an Carl Schmitts „Interventionsverbot für raumfremde Mächte“ und definiert sich selbst als „Extremist der Nichteinmischung“ – was keinesfalls bedeutet keine klare Position einnehmen zu dürfen -, der noch viel tiefer und wahrhaftiger in die politiko-spirituelle Sphäre der Welt des Antichristen und des Katechon einzutauchen hat. Um dies auch nur ansatzweise zu verstehen, muß man sich jedoch ernsthaft und intensiv mit den Philosophien von Julius Evola, René Guenón und natürlich mit Oswald Spengler beschäftigen. Ohne sie versteht man nämlich überhaupt nichts und sämtliche „Analysen“ sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.

Anstatt sich an Dugin oder den US-amerikanischen Intellektuellen, Politikern und rechten Aktivisten wie Peter Thiel, Steve Bannon, Marjorie Taylor-Greene, Tucker Carlson, Candace Owens und Thomas Massie zu orientieren, die sich nicht scheuen Trumps Iran-Abenteuer zumindest als Verrat seiner eigenen Grundsätze und seiner MAGA-Anhängerschaft zu kritisieren, und dabei dem Deep State auf den Leim gegangen zu sein, wird auf Teufel komm raus und mit hohem Fanatismus theoretisiert und ideologisiert, die eigene Größe und völlige Überzeugtheit betont, und dies ohne dabei die tief im eigenen Inneren vorhandene Sinnleere, Eitelkeit und Resignation wahrzunehmen. Tatsächlich wäre es jedoch für diesen Typus besser sich auf die eigene innere spirituelle Ebene zurückzuziehen, doch die momentanen enthusiastischen Gefühle und die maßlose eigene Überschätzung haben leider oft allzuviel negative Energie, Hybris und Arroganz als oberste Bezugspunkte.

Innen- und Außenpolitik sind untrennbar verbunden durch geopolitischen Zusammenhänge

Nach Alexandr Dugin zieht eine neue politisch-theologisch-eschatologische Konstellation des metaphysisch Absoluten herauf, die entweder zu einem Kataklysmus, einer alles zerstörenden Katastrophe, einem Akzelerationismus oder zu einer multipolaren Weltordnung freier Völker und Zivilisationen führen kann. Dies würde auch erklären, warum Religion, Philosophie, Geopolitik und Eschatologie die wichtigsten Kernpunkte einer traditionellen Kultur sind, wie wir bei Oswald Spengler lesen können. So erklären Peter Thiel, Thomas Massie und Steve Bannon, die führenden Architekten für Trumps Sieg, der Globalismus sei mit seinem völligen Fehlen einer strukturellen Legitimität die Ideologie der Zivilisation des Antichristen. Während für strenggläubige Juden die Ankunft des Messias bevorsteht, die schiitischen Iraner die baldige Ankunft des Imam Mahdi erwarten, der das Ende aller Zeiten einläutet, während Evola vom Kali-Yuga-Zeitalter, dem dunklen Zeitalter der Hindu-Mythologie sprach.

Gleichzeitig wurde bekannt, daß sich die US-Paläo-Rechte mit Thomas Massie an der Spitze ebenso wie die Geheimdienst-Chefin Tulsi Gabbard entschieden gegen eine Intervention im Iran ausgesprochen hatten, während notorische Jasager wie Marco Rubio, prozionistische Evangelikale wie Ted Cruz und der altgediente Neocon-Falke Lindsay Graham alles tun würden, um die Kriegspolitik des Psychopathen Netanjahu zu rechtfertigen, die zu nichts anderem dient, als seinen eigenen Kopf zu retten, angesichts der Strafverfahren, die ihn erwarten. Ein ganz eigenes Kapitel wäre es zudem, Israels dubiose Rolle im Zusammenhang seiner Unterstützung des IS und der Islamisierung Syriens nach dem Sturz von Assad, der Christen, Alawiten und Drusen beschützte, einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was hat dies alles nun mit Julius Evola zu tun? Zunächst einmal sind sowohl Denken und Analyse für Evola wie für Guenon „westlich“, Glauben und Intuition hingen „östlich“. Verständlich wird dies nur vor dem kulturellen Hintergrund einer weltimmanenten Transzendenz, einer Ontologie alles Lebendigen und Evolas Adaption des integralen Traditionalismus, der den progressiven Radikalismus, die global-kapitalistische Ausbeutung, die ethnisch-kulturelle Degeneration und die liberale Unterdrückung als zwei Formen der liberalen Logik aus Dummheit, Gewissenlosigkeit und Hypermoral ablehnt.

Selbst die italienische extreme Rechte hatte nach dessen Zusammenbruch das kulturelle Leben des Faschismus fast gänzlich ignoriert, obwohl die Aufsätze, die beispielsweise Evolas in der Zeitschrift „Diorama“ schrieb „eine großartige Sache“ waren, wie Pino Rauti während eines seiner zahlreichen Gefängnisaufenthalte gestand. Andere rechtsgerichtete Intellektuelle wie Marco Tarchi sahen zwar in der Lektüre  von Evola die Gefahr eines „politikunfähig machenden Mythos“ und verloren dadurch den Schlüssel zu dessen traditioneller Botschaft, während das „Centre Studi Ordine Nuovo“, das 1954 von Pino Rauti, der auch Schriftleiter von „Ordine Nuovo“ war, der „Monatszeitschrift für revolutionäre Politik“, in der Evola regelmäßig publizierte, und seit Ende der 1960er Jahre die radikale Rechte und die MSI-Sektionen die Evola-Lektüre als eine Art Initiationsritus verstanden. Spätestens in den 1970er Jahren wurde Evola zu einer Ikone der rechten Jugend Italiens, und dies, obwohl er Mussolinis Marsch auf Rom als „Karikatur einer Revolution“ bezeichnete und dessen Regime aus seiner aristokratisch-traditionalen Perspektive als zu „populistisch“, „materialistisch“ und „bar jeglicher Spiritualität“ kritisierte. 

Die kosmopolitische, liberale Ideologie, die „das Ende der Geschichte“ prophezeite, ist eine Lüge

Doch wie er in seinen Büchern „Revolte gegen die moderne Welt“ („Rivolta contro il mondo moderno“, 1934/1951) und „Den Tiger reiten“ („Cavalcare la Tigre“, 1961) anmerkte, waren die Mächte des Bösen, die Fürsten der Dunkelheit, zu mächtig und die Mächte des Guten in der modernen, dekadenten Gesellschaft viel zu stark marginalisiert. Um in diesem feindlichen Umfeld überleben zu können, müsse die rechte Jugend eine „abwartende Haltung“ einnehmen, die Evola als „apoliteia“ bezeichnete. Es gelte den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, bis der „Tiger“ – eine Analogie für die moderne Welt -, zu müde und angeschlagen ist, um noch eine Gefahr darzustellen.

Es geht Evola, der aus der Kulturgeschichte der ganzen Menschheit schöpfte, vor allem aus dem antiken Griechenland, dem imperialen Rom und dem klassischen Indien, aber auch aus der Spiritualität des Buddhismus, des Hinduismus, des Sufismus und der altenglischen und nordischen Mythenwelt, also keineswegs um Resignation oder Rückzug in die Innere Emigration, und auch nicht um das Einnehmen eines reinen Beobachterstaus oder gar den Ausstieg ins Privatistische, sondern um die Vermeidung von sinnlosen und kontraproduktiven Kamikaze-Aktionen. Zudem ist für ihn eine Verteidigung des Status quo der jüngeren Vergangenheit, also der Welt der Bourgeoisie, die bereits vollständig von linken, liberalen und egalitären Ideen verseucht ist, völlig inakzeptabel. Ein Verhandeln mit der Subversion komme nicht in Frage, denn heute Konzessionen zu machen, bedeute Morgen endgültig besiegt zu werden. Doch wenn – sinnbildlich – der rechte Moment gekommen sei, dann gelte es auch mutig vorzupreschen.

So hätte er sich ganz sicher über die stümperhaften bis peinlichen „neurechten“ Versuche einen „Marx von rechts“- wobei Marx nicht im Traum daran dachte, die Menschen, das Proletariat zu befreien,, sondern vor allem die Produktivkräfte, um einerseits die Arbeitsbedingungen menschlicher, einfacher zu machen, andererseits jedoch auch um den Produktivismus und das Wirtschaftswachstumzu steigern – oder einen „Gramsci von rechts“ herbeizuzaubern, die zwar gut gemeint aber letztlich folgenlos blieben, zumindest sehr gewundert. Eher hätte er sich wohl für einen „rechten Leninismus“ entschieden, dessen Propaganda er als eine systematische Entfaltung der Theorie des Umsturzes verstand. Evolas Metapolitik rührt daher auch nicht von heutigen Gefühlen der Desillusionierung und Machtlosigkeit, der Frustration, Unterwürfigkeit oder stumpfer Resignation her, sondern daß die Rechte das tut, was getan werden muß, während sie gleichzeitig bereit zu sein hat, auch eine verlorene Schlacht auszukämpfen und die Furcht in Widerstand zu verwandlen.

An erster Stelle steht bei Evola immer das „Heroische in der Geschichte“ – übrigens der Titel eines Buches von Thomas Carlyle, eines schottischen Gelehrten im viktorianischen England, der sich für die deutsche Geisteskultur begeisterte -, das ebenso wie die Tradition auf transzendentalen metaphysischen Prinzipien beruht.

Der Widerspruch ist das Zeichen der Wahrheit! (Hegelsche Logik).

Wenn Evolas Philosophie bei russischen Philosophen, Traditionalisten und Neo-Eurasieren wie Alexandr Dugin und US-amerikanischen Rechten wie Steve Bannon und den Intellektuellen der Paläo-Rechten und der Alt-Right heute gleichermaßen mehr denn je gefragt ist, und seit den 1980er Jahren auch die metapolitische gesamteuropäische Rechte sich für Evola zu interessieren begann –  letztere sie allerdings bis heute wegen ihrer Komplexität nur schwer zu entschlüsseln vermag und leider auch oft mißversteht -, dann deshalb, weil er den National-Sozialismus Deutschlands als Irrweg ablehnte, seine modernistische und biologistische Ausrichtung kritisierte und seine eigenen traditionalistischen Grundsätze gegenüber diesen Abwegen hervorhob. Für den NS blieb er der „reaktionäre Römer“, dessen Traum eines neuen römischen Imperiums und dessen Rasse-Begriff nichts mit der primitiven und rein biologistischen Sichtweise eines Alfred Rosenberg oder Heinrich Himmler zu tun hatte, die Evola als „seelischen Infantilismus“ bezeichnete. Dagegen interpretierte er „Rasse“ in einem transzendentalen Sinne als Kultur, Elite und Aristokratie und forderte einen „Rassismus des Geistes und der Seele“. Dies erinnert uns an Moeller van den Bruck, einen der Vordenker der deutschen Konservativen Revolution, der hervorhob, daß man einer Rasse nicht angehöre, sondern Rasse habe oder eben auch nicht.

Im Gefolge der 68er-Bewegung bezeichnete der MSI-Vorsitzende Giorgio Almirante Evola nicht ganz zu Unrecht als „unseren Marcuse von rechts, nur besser“. Für Dugin ist er heute, ähnlich wie René Guenón, auf den Evola sich oft bezieht, ein Verfechter einer traditionellen spirituellen Gesellschaft, denn tatsächlich findet der Krieg des kollektiven Westens nicht nur auf wirtschaftlicher, militärischer, politischer und kultureller Ebene statt, sondern auch auf religiöser Ebene, eine Tatsache, auf die bereits Samuel Huntington als Schüler Oswald Spenglers hinwies, die jedoch den meisten sogenannten „Rechten“ eher unangenehm zu sein scheint.

Evolas „apoliteia“ bedeutet daher unserem Kampf einen revolutionären Sinn zu geben, jenseits von bloßer Stubengelehrtheit, intellektuellen Glasspielereien und geistiger Selbstbefriedigung, um die verborgenen christlich-abendländischen Wurzeln unserer europäischen Zivilisation, Kultur, Tradition, Geschichte und Spiritualität zu einer neuen Blüte zu bringen. Jeder andere Weg wird notwendig unseren endgültigen Untergang besiegeln und satanischen Mächten den Weg ebnen für ein Europa und eine Welt ohne Gott. Sichtbar wird diese Hölle auf Erden bereits heute im drohenden nuklearen Inferno, das der Antichrist in Gestalt des kollektiven Westens, des (selbst)-mörderischen Nato-Kriegsbündnisses und der gottlosen EU-Nomenklatura samt ihrer hiesigen politiko-medialen Vasallen vorbereitet. 

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