Gefahr im Abwasser? – Foto: Depositphotos.com

Kinderlähmung: Woher stammen die Polioviren im Abwasser? Droht Gefahr für unsere Kinder?

Die umstrittene STIKO (Ständige Impfkommission) warnt aktuell vor Polioviren im Abwasser und ruft Eltern dazu auf, ihre Kinder impfen zu lassen. Gestern wurde dazu ein umfangreiches Papier veröffentlicht und an die Medien versandt.

Im Oktober und November 2024 wurden in sieben deutschen Städten Polioviren in Abwasserproben nachgewiesen, jedoch keine Poliomyelitis-Fälle gemeldet. Die STIKO empfiehlt eine Grundimmunisierung gegen Polio für Kinder, doch 21% sind mit 12 Monaten unzureichend geschützt. Es bestehen große regionale Unterschiede in den Impfquoten, teilweise liegt die Quote unter 60%. Das RKI fordert Eltern auf, den Impfstatus ihrer Kinder zu überprüfen und fehlende Impfungen nachzuholen.

Aber woher stammen diese Polioviren? Galt Kinderlähmung nicht längst als ausgerottet?

Polioviren gelangen ins Abwasser durch die Ausscheidungen (Stuhl und manchmal Urin) von infizierten Personen. Dies kann sowohl bei geimpften Personen (die den abgeschwächten Impfstoff im Darm tragen) als auch bei Menschen, die an einer Poliovirusinfektion leiden, passieren.

Typische Wege:

1. Ausscheidungen nach Impfungen: Menschen, die den oralen Polio-Lebendimpfstoff (OPV) erhalten haben, scheiden für einige Zeit abgeschwächte Viruspartikel aus, die in das Abwassersystem gelangen können. Diese Viren können in seltenen Fällen mutieren und wieder infektiös werden (sogenannte zirkulierende vakzinabgeleitete Polioviren, cVDPV).

2. Infizierte Personen: Menschen mit einer aktiven Poliovirusinfektion scheiden das Virus aus, oft bevor sie selbst Symptome entwickeln. Dies ist besonders problematisch in Gebieten mit unzureichender Abwasseraufbereitung.

3. Mangelsanitäre Einrichtungen: In Regionen mit schlechter Abwasser- und Hygieneverwaltung können Polioviren durch direkten Kontakt oder über kontaminiertes Wasser verbreitet werden.

4. Abwassermonitoring: In einigen Ländern wird das Abwasser gezielt überwacht, um das Vorhandensein von Polioviren zu erkennen. Dies dient dazu, mögliche Ausbrüche frühzeitig zu identifizieren, auch in asymptomatischen Fällen.

Effektive Klärsysteme können dazu beitragen, die Verbreitung von Polioviren zu verhindern. Allerdings bleiben sie in Ländern mit unzureichender Infrastruktur eine Herausforderung.

Vor zwei Jahren sorgte die Rückkehr der Polioviren in Israel und London für ähnliche Schlagzeilen und Panikmache. Die Ursache war schnell ausgemacht, wie damals immerhin einige Medien aufklärend berichteten.

Die im Londoner Abwasser nachgewiesenen Proben stehen im Zusammenhang mit denjenigen, die zuvor in Jerusalem, Israel und im US-Bundesstaat New York gefunden wurden, wo bereits ein junger Erwachsener Lähmungen entwickelte. Gesundheitsminister Steve Barclay betonte jedoch, dass das Virus noch bei keinem Menschen in London nachgewiesen wurde – das Risiko für die breite Bevölkerung sei damit noch „gering”. Krone

Das Risiko wurde also als gering eingestuft. Seit mehr als zwei Jahren hat sich daran offenbar nichts geändert. Die Impf-Polioviren im Abwasser stammen dabei möglicherweise von Personen, die aus Poliomyelitis-Risikogebieten eingereist sind und entweder dort noch oder kurz nach der Einreise den Impfstoff verabreicht bekommen haben.

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