Daimler spaltet sich auf – was wird entsorgt?

Die Aufspaltungen von E.ON und von Siemens hatten ein klares Ziel: Ballast abzuwerfen. Unternehmensteile, die nicht so attraktiv waren irgendwie an risikobereite Anleger loszuwerden, oder aber dem Steuerzahler aufzuhucken.

Jetzt ist von einer Aufspaltung von Daimler die Rede. Die Camion-Abteilung soll von der Pkw-Sparte gelöst werden. Dafür spräche das Argument, so Daimler, daß sich der Kundenkreis der Lastkraftwagen und des S 580 4MATIC selten überschneiden würde.

Es kann aber auch sein, daß man der Zukunftsfähigkeit des Pkw-Segments mißtraut. Wenn ich mich zwischen Pkw- und Lkw-Aktien entscheiden müßte, wäre das Rätsel schnell gelöst.

38.000 Beschäftigte hat Daimler Trucks im Nicht-EU-Ausland, 29.700 im EU-Gebiet. Eine Produktion in China gibt es nicht, damit also auch keine größeren Risiken im Falle eines Handelskriegs.

Das sieht im Pkw-Bereich völlig anders aus. Der große Teil wird im EU-Gebiet produziert und man hat in Peking ein großes Werk, das falls die Grünen „Menschenrechtspolitik“ veranstalten, von der Partei gequält werden könnte. Auch die Gefahr von ungünstigen Direktiven der EU und der Bundesregierung ist im Pkw-Segment größer. Der Firmenpräsentation habe ich entnommen:

In der Daimler AG Zentrale in Stuttgart-Untertürkheim finden neben der strategischen Arbeit hauptsächlich die Forschung und Entwicklung, sowie der Bau von Motoren und weiteren Fahrzeugkomponenten statt. Der größte Standort der Daimler AG ist jedoch das Werk in Sindelfingen in Baden-Württemberg. Mehr als 35.000 Mitarbeiter zählt der Standort, darunter rund 10.000 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung.

Hier werden neben CLS, der E-Klasse und S-Klasse auch der Mercedes-AMD GT, der Maybach und gepanzerte Sonderfahrzeuge produziert. Ein weiterer großer Standort der Daimler AG ist das Werk in Rastatt, ebenfalls in Baden-Württemberg. Hier werden vor allem die A-Klasse und B-Klasse von Mercedes-Benz produziert. In Bremen vor allem Mercedes-Benz C- und E-Klasse.

Außerhalb Deutschlands hat die Daimler AG Standorte vor allem im EU-Ausland. In Hambach (Moselle), Frankreich, wird der Smart Fortwo produziert. Weitere französische Werke liegen in Maubeuge, Ligny-en-Barrois und in Molsheim – dort findet der Umbau zu Sonderfahrzeugen statt. Vor allem die Getriebe-Produktion der Daimler AG findet in Rumänien an den Standorten in Cugir und Sebes statt. In Kecskemét, Ungarn, entsteht ein neues Werk von Mercedes-Benz mit neuer Produktionstechnik.

Im für den Umsatz so wichtigen China steht ein großes Werk in Peking. Dort werden Motoren sowie die A-Klasse, C-Klasse und E-Klasse von Mercedes-Benz gefertigt.

In den USA werden in Tuscalosa Pkw gefertigt.

Bisher sieht es so aus, daß der planwirtschaftliche Druck in Europa, und insbesondere in Deutschland, größer ist, als in der – berlinzentrisch betrachtet – „Restwelt“. Ein Argument für die Lkw-Sparte.


Grüße an den Inlandsgeheimdienst: “Elektrisch Autofahren: Der Zweitwagen mit einem Verbrauch von Null Litern Benzin auf 100 Kilometer wird spätestens Ende der 90er Jahre Realität.” Energiestory 3/1984, S. 28)

Erstveröffentlichung: Prabelsblog