Legt man die selben Maßstäbe an Serbien wie an die Ukraine, dann war die Unabhängigkeit des Kosovo illegal und hätte nicht anerkannt werden dürfen. Der Einsatz der NATO wäre als völkerrechtswidriger Angriffskrieg zu werten und das absichtliche Bombardement der chinesischen Botschaft, von US-Präsident Clinton als „Versehen“ erklärt, als Kriegsverbrechen zu ahnden gewesen. All das ist natürlich nicht geschehen und rückwirkend kann man gar nicht hoch genug wertschätzen, dass sich China in dieser Lage nicht zu einer Gegenreaktion hat provozieren lassen. Auch Russland hat das Brudervolk nicht im Stich gelassen, aber mit den Mitteln der Diplomatie unterstützt. Den Konflikt hat man freilich von keiner Seite aufgelöst, denn es ist immer von Vorteil, ein paar Krisenherde zu haben, ob Zypern, Palästina, Taiwan oder eben den oder das Kosovo.
Was ist nun hinter den Kulissen passiert, dass sich Serbien wieder vorwagt und die Provokationen der Kosovo-Albaner mit militärischen Mitteln beantwortet? Ein Überschreiten der Grenze, die Serbien nicht als solche anerkennt, würde den Bündnisfall auslösen – theoretisch jedenfalls. Angeblicher Anlass für die neuen Unruhen sind die Kommunalwahlen vom Mai diesen Jahres. Kurz zuvor hatte der Bundestag den „Friedenseinsatz“ der Bundeswehr im Kosovo verlängert. Nach dem Angriff eines 30-köpfigen bewaffneten serbischen Kommandotrupps in der Ortschaft Banjska bei Mitrovica im Nordkosovo auf kosovarische Polizeieinheiten hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Freitag eine Verstärkung der KFOR-Friedenstruppen vor Ort angekündigt. Milan Radoicic, ein führender kosovo-serbischer Politiker und Geschäftsmann, behauptete, die Operation geplant und alleine durchgeführt zu haben. Das klingt alles ein wenig zu fantastisch. Wenn Serbien trotz aller Warnungen vorrückt und sich die abgespaltene Provinz wieder zurück holt, wie gedenkt sich die NATO dann aus der Affäre zu ziehen? Man wird es wohl kaum auf einen Krieg ankommen lassen, in den sich Russland und China einschalten – oder doch?



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Ein Kommentar zu „Serbien vs. Kosovo: Kommt es zum Bündnisfall?“