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Zeitschriftenkritik: TUMULT und ein Nietzsche Exkurs

Über „Die fortschreitende Islamisierung“ und „Warum sich „neue Europäer“ nicht so leicht schaffen lassen“ schreibt der italienische Historiker Valerio Benedetti in seinem gleichnamigen Essay in der aktuellen Herbst-Ausgabe 2025 von TUMULT, der „Vierteljahresschrift für Konsensstörung“. Dabei räumt er zunächst mit dem grundlegenden Mißverständnis auf, der Islam gehöre zur europäischen Geschichte und Identität. Tatsächlich ist er weder eine ihrer Wurzeln, wie etwa das ursprüngliche indoeuropäische Epos, noch eine prägende Einpflanzung wie das Christentum. Vielmehr war der Islam für Europa schlicht ein Feind, ein Eroberer und zeitweise ein despotischer Herrscher: „Ein Element, dessen ethnokulturelle Fremdheit für die Europäer vom Mittelalter an bedrohlich und unverkennbar war!“

Tatsächlich wurden im Widerstand gegen den Islam in Spanien, in Griechenland und auf dem Balkan die nationalen Selbstbilder der europäischen Völker geschmiedet. So ist die Verklärung von Al-Andalus als multikulturelles Paradies, in dem Christen und Muslime friedlich miteinander gelebt hätten, ein längst widerlegter historiographischer Mythos. Überhaupt entstand das europäische Selbstbewußtsein erst in der Auseinandersetzung mit der islamischen Welt, indem diese die Europäer mit dem „ganz Anderen“ konfrontierte und ihnen damit zu einem Bewußtsein ihrer selbst verhalf. Eine „gegenseitige Bereicherung“ fand lediglich in jahrhundertelangen blutigen Konfrontationen statt, während historische Betrachtungen über arabische Lehnwörter oder die sogenannten „arabischen Zahlen“ -, die recht eigentlich indischer Herkunft sind -, vor allem dazu dienten, ganze Abschnitte unserer abendländisch-christlichen Geschichte zu dekonstruieren.

Dennoch verfällt Benedetti nicht dem Irrtum von einem „guten“ Westen und einem „bösen“Islam zu fabulieren, und erinnert daran, daß es Großbritannien war, das die saudische Eroberung der arabischen Halbinsel unterstützte und mit Saudi-Arabien als erstes jenen Staat anerkannte, der zur Hauptzentrale des islamischen Fundamentalismus wurde, und sowohl die salafistische Bewegung als auch die Muslimbruderschaft nach Kräften förderte. Und es war der kollektive Westen, der kosovarische, afghanische, syrische und lybische islamistische Terroristen offen unterstützte.

Heute liegt indes das eigentliche Problem in der massiven Präsenz muslimischer Masseneinwanderung, die seit den 1990er-Jahren exponentiell zunahm und seit der verfassungswidrigen Grenzöffnung Merkels 2015 förmlich explodierte mit allen verhängnisvollen Folgen: Enklaven der Illegalität, islamistischem Terrorismus und alltäglicher Gewalt gegen autochthone Europäer. „Kreuzzügler aus Pappe“ bezeichnet der Autor indes jene Gruppen, die daran festhalten in einem tief säkuralisierten Europa, das sich der Religion des Menschenrechtfundamentalismus unterworfen hat, und das ein gläubiger Muslim zu Recht als korrupt, dekadent und verkommen empfindet, das Umvolkungsproblem und die islamische Landnahme mit kreuzzüglerischen Ideen lösen zu können.

Vielmehr handele es sich um eine genuin ethnische Frage, die unlösbar sei, solange wir globalistischen und ethnomasochistischen Denkmustern verhaftet sind, oder eine Assimilation beziehungsweise auch nur eine erfolgreiche Integration großer islamischer Bevölkerungsgruppen als Problemlösung in Betracht ziehen. Zudem sei dies weder vorstellbar noch wünschenswert, sondern in hohem Maße verantwortungslos. Nach dem Scheitern des „Euro-Islam“, des „weltoffenen“ Diskurses, der linken Lüge vom angeblich „marginalisierten“ Einwanderer und des naiven Traums von „neuen Europäern“ müsse vor allem der Kampf gegen den Menschenrechts-Universalismus und Globalismus geführt werden, der ohne jedes Kriterium ethnisch-kultureller Kompatibilität Millionen Mohammedanern die Ansiedlung in Europa erst ermöglichte. 

TUMULT-Chefredakteur Carsten Germis gelangt in seinem Beitrag „Kampf für das Eigene – Japan, Deutschland und die Einwanderung“ in der Frage, wie eine Kultur sich und ihre Traditionen bei Masseneinwanderung kulturfremder Menschen bewahren kann, zu dem niederschmetternden Resultat, daß in unserer Zeit weltweit wohl keine andere Gesellschaft weiter vom japanischen Denken mit seinem kulturellen Selbstbehauptungsdiskurs entfernt ist als die deutsche. Eine auf ethnisch-kulturellen Wurzeln beruhende Gesellschaft existiert in der BRD schon lange nicht mehr, sich auf „das Eigene“ zu berufen ist inzwischen suspekt und wird vom „liberalen“ Verfassungsstaat als „gesichert rechtsextrem“ diffamiert und durch Polizei, Geheimdienste und Justiz verfolgt.

Zwar ist auch Japan keine ethnisch geschlossene Nation mehr – in den letzten Jahren gab es eine sichtbare Sinisierung -, dennoch erfolgt das politische Handeln stets eingebettet in die kulturellen Traditionen und gesellschaftlichen Normen, öffnet sich nur widerwillig Einwanderungsbewegungen und kontrolliert jede Immigration streng auf ökonomischen Nutzen und kulturelle Verträglichkeit. Als Kernstaat der japanischen Zivilisation achtet man trotz der negativen demographischen Entwicklung im Gegensatz zu den westeuropäischen Staaten auf eine weitgehend intakte ethnisch-kulturelle Homogenität.

Den luziden Essay „Kulturkampf aus der Geisterbahn – Europa stirbt nicht am Christentum“ der Philologin und Literaturwissenschaftlerin Bettina Gruber darf man ruhigen Gewissens als hervorragende Replik auf den unsäglichen Text „Die Gretchenfrage – Über die Katholisierung der Neuen Rechten“ des philosophierenden Publizisten Frank Lisson in der TUMULT-Sommerausgabe 2025 bezeichnen. Die Autorin benennt ohne Scheu die falschen Prämissen Lissons, dessen Gefühlsduselei über die seligen Zeiten, als die Neue Rechte noch richtig kirchenfeindlich war und man sich an „vorchristlichen, germanischen Bräuchen orientierte, Sonnwendfeiern und heidnische Weihnacht“ feierte, während sich „um die christliche Weihnacht oder gar um das Osterfest Legenden rankten“.

Zwar gönnt sie Lisson seine nostalgisch-folkloristischen Anwandlungen von Herzen, doch wenn er dann auch noch die Religionskritik von Nietzsche ins Feld führt, wird die Sache in der Tat nicht nur „widersprüchlich“ (Gruber), sondern geradezu abenteuerlich. Völlig zu Recht nennt Bettina Gruber Lissons Behauptungen, die Katholisierung der Neuen Rechten – die es übrigens gar nicht gibt -, beruhe auf „Unwissenheit, allgemeiner geistiger Verflachung, klerikaler Mittelalterromantik, monotheistisch modifiziertem Schamanismus und einer „tiefen Identitätskrise und Orientierungslosigkeit“ glasklar als „absurd“. Tatsächlich ist der „hysterisch-überzogene Ton“ (Gruber) des sogenannten Nietzsche-„Experten“ eine unzumutbare Religionskritik aus der Mottenkiste, und dies auch noch auf unterstem Niveau. Zudem läßt sie für Lissons neues Nietzsche- Buch das Allerschlimmste fürchten. 

Der ehemalige WDR-Redakteur und heutige freie Autor Ulrich Horstmann geht ebenfalls auf Lissons „Gretchenfrage“ ein und dessen „hanebüchenen“ (Horstmann) Unterstellungen ein, die in der ordinären Beschimpfung gipfeln, katholische Anhänger der „Neuen Rechten“ seien „altersinfantil, ratlos, vielleicht ein wenig debil geworden und ohne eigenes Profil.“ Lissons grundfalsche Frage „Was sind die Weisheiten des Neuen Testaments gegen die Weisheiten Zarathustras?“ mit der er einmal mehr beweist, daß er von Nietzsche aber auch rein gar nichts verstanden hat, ist nicht einmal polemisch, sondern einfach nur das unbestechliche Zeugnis seiner eigenen Arroganz und Ignoranz. Gleiches gilt für Lissons lächerliche Behauptung, die Religion sei längst von der Wissenschaft widerlegt worden. Daß das exakte Gegenteil zutrifft, nimmt jemand, der die traditionalistischen Riten der Römisch-Katholischen Kirche zutiefst verabscheut, obwohl gerade sie als einziges in einer nihilistisch-hedonistisch-utilitaristischen Welt noch nicht verzweckt sind, natürlich erst gar nicht zur Kenntnis.

Es sei dem Rezensenten an dieser Stelle ein kurzer Exkurs in das wirkliche Denken Friedrich Nietzsches erlaubt, der für die Menschenrasse einen feinen Instinkt gehabt und sie geradezu gerochen hat, wenn er zornig ausrief: „Alle meine Ehrfurcht dem asketischen Ideale, sofern es ehrlich ist, solange es an sich selbst glaubt und uns keine Possen vormacht! Aber ich mag all diese koketten Wanzen nicht, deren Ehrgeiz unersättlich darin ist, nach dem Unendlichen zu riechen, bis zuletzt das Unendliche nach Wanzen riecht; ich mag die übertünchten Gräber nicht, die das Leben schauspielern; ich mag die zu Helden aufgeputzten Agitatoren nicht, die eine Tarnkappe von Ideal um ihren Strohwisch von Kopf tragen; ich mag die ehrgeizigen Künstler nicht, die den Asketen und Priester bedeuten möchten und im Grunde nur tragische Hanswürste sind; …“ 

Herr Lisson, man kann von Nietzsche manches lernen, wenn man endlich damit aufhört, ihn zu verteufeln, zu vergöttlichen oder sein großartiges Werk als Argument gegen ein echtes und wahres Christentum zu mißbrauchen, das im heutigen, postmodernen Westen ohnehin nur noch in Katakomben oder kleinen Kapellen zu finden ist. Nietzsche, der Pastorensohn, der mehr vom Bösen wußte als die meisten Philosophen seiner Zeit – und der heutigen Zeit sowieso -, scheiterte auf eine wirkliche tragische Weise am Christentum, das heute weltweit die am meisten diskriminierte, kriminalisierte und verfolgte aller Religionen ist. Die kleinen Nietzsches von heute mit ihrer Umkehrung aller Werte, scheitern nicht mehr an ihm, sondern sie glauben inbrünstig und mit gehobenem Busen mit ihm im doppelten Sinne des Wortes „umgehen“ zu können, wie es ihnen beliebt und wie es dem intellektuellen Pöbel schmeckt.

Diese Herrchen und Dämchen, heruntergefallen von ihren kleinen Karussellpferchen und erfüllt von irgendeinem obskuren Geist, der sie überschattet und innerlich erregt und ihnen irgendwelche trügerischen und faustischen Verheißungen serviert, bei denen uns immer ein ungutes Gefühl beschleicht, kommen gar nicht auf den naheliegenden Gedanken, daß ganz andere Zaungäste bei ihrer im Geiste ausgeflippten „participatio actuosa“ die Pauke schlagen könnten. Es wäre freilich besser und angebrachter, die Wölfe im schneeweißen Schafspelz zu erkennen, die sich unheimlich vermehrt haben und bereits in Rudeln durch unser Land ziehen, das noch vor ein paar Jahrzehnten einmal unsere Heimat war.

Weitere Beiträge befassen sich mit „Bevölkerungspolitik hinter dem Vorhang“ (Beate Brossmann), „Öko raus – Rüstung rein“ (Norbert Müller), „Ein Gespenst geht um in Europa“ (Werner Sohn) und „Zionistische Wegweisungen“ (Siegfried Gerlich).

Kontakt: Freunde der Vierteljahresschrift TUMULT e.V., c/o Frank Böckelmann, Nürnberger Str. 32, 01187 Dresden. Einzelheft 12 Euro, Jahresabo 43 Euro. www.tumult-magazine.net

Kommentare

2 Antworten zu „Zeitschriftenkritik: TUMULT und ein Nietzsche Exkurs“

  1. Avatar von Peter Backfisch
    Peter Backfisch

    XXXX

  2. Avatar von Eugen Karl
    Eugen Karl

    Wie man einerseits über den Islam, andererseits über Nietzsche schreiben kann, ohne beide zusammenzubringen, leuchtet mir nicht ein. Es war doch gerade dieser „Dichter“ (Wilhelm Windelband), der den Islam als gegenüber dem Christentum die bessere, nämlich die Religion der Krieger empfahl. Das kann man im „Antichrist“ nachlesen. Der Geschichte dieses Nietzsche-Gedankens sollte man einmal nachgehen.