Tierra Y Libertad – Ewige Sehnsucht in Mexico

Den Lesern dieses Portals werden die Periodika der linksextremen Hilfsorganisation und Sprachrohr der deutschen Antifa, „Die Rote Hilfe“, wenig bekannt sein. Sicher wird man auch davon ausgehen, dass man derartiges eher in die Tonne klopft, als darin zu schmökern.

Der Autor dieser Zeilen hat dies getan und stieß dabei auf durchaus Interessantes! Da ist zum einen der Schwerpunkt des Heftes, 4.2025, „Resistencia – Kämpfe und Repressionen in Mexiko“, der mit einer durchaus lesenswerten Einführung zur Geschichte des Landes beginnt. Ausführlich wird dabei die Mexikanische Revolution (1910-1917) mit den Kämpfen des legendären Bauernführers Emilio Zapata behandelt. Unter dem Slogan „Tierra y Libertad“ (Land und Freiheit) führte er einen bewaffneten Kampf gegen die Großgrundbesitzer für die Wiederherstellung von alten Anrechten auf Land. „Das Land muss dem gehören, der es bebaut.“ Noch heute genießt er Verehrung bei der Landbevölkerung.

Dies gilt im Besonderen für die Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca, in denen sich der Autor 1992/1993 genau ein Jahr vor dem dort stattfindenden Aufstand der „Zapatistischen Armee“ aufhielt. Im rezensierten Heft sind die Geschehnisse kenntnisreich und überwiegend korrekt wiedergegeben. Die vorrevolutionäre Stimmung habe ich von Weihnachten 1992 bis Neujahr 1993 in meinen Gesprächen mit den Indigenas selbst fühlen können. Es lag etwas in der Luft, und es war ratsam, auf Nachfragen, ob man ein „Gringo“ sei, dies zu verneinen und zu beteuern, man sei „Aleman“, was konfliktfrei durchgegangen ist. Im Herzen von Chiapas, in San Cristóbal de las Casas, der einstigen Stadt „Ciudad Real“, die 1528 gegründete „Königliche Stadt“, versammelten sich die Indigenas am Weihnachtstag 1992 auf dem Zócalo vor der prächtigen, im spanischen Kolonialstil gebauten Kathedrale und diskutierten engagiert die am Horizont aufziehenden Ereignisse. Für den 1. Januar 1994 war der Beitritt Mexikos zum Freihandelsabkommen NAFTA (North American Free Trade Agreement) vorgesehen, was weitere Verschlechterungen der Lage der Indigenas in Chiapas und Oaxaca mit sich bringen sollte. Die Zapatistische Nationale Befreiungsarmee (EZLN) erinnert an die alten Forderungen des frühen Revolutionsführers Emilio Zapata, übernimmt diese und ergänzt „Land und Freiheit“ mit „Brot, Bildung und besserer Gesundheitsversorgung“ und ruft im Januar 1994 zum Aufstand gegen das NAFTA-Abkommen und die herrschenden Verhältnisse auf. Die mexikanische Armee war nicht in der Lage, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, und es kam zu langen Verhandlungen mit Regierungsvertretern. Als Vermittler fungierte Samuel Ruiz, der Bischof von Chiapas, der sich bereits in den Vorjahren für die Rechte der Indigenas eingesetzt hat, so auch in seiner Predigt zur Christmette 1992 in der Kathedrale von San Cristóbal de las Casas, die der Autor anhören durfte. Bischof Ruiz, der sich mit seinem Engagement den Zorn der Großgrundbesitzer zugezogen hatte, brachte die Kämpfe in einem Abkommen zu Ende. Forderungen der Bevölkerung wurden in geringen Ansätzen erfüllt, den Aufständischen wurde freies Geleit und Straffreiheit zugesichert und durch die katholische Kirche in Chiapas garantiert.

Beim Lesen der Artikel zu den obigen Ereignissen im Heft fällt auf, dass Vieles mit der Brille eines linken Geschichtsverständnis geschrieben ist, anderes auch Wichtiges zur Lage der Indigenas im Süden Mexikos wird nicht erwähnt. So die Situation der indigenen Lacandonen, „der letzten Hüter des Waldes“. Sie sind noch heute die einzigen menschlichen Bewohner des rieseigen tropischen Regenwaldes im Süden von Mexiko, bis über die Grenze nach Guatemala. Noch heute sprechen sie eine Sprache der Maya und sind des Spanischen wenig bis gar nicht mächtig. Sie jagen noch mit Pfeil und Bogen Wildscheine, Rehe, Tapire und andere Tiere des Regenwaldes.

Von den Turbulenzen des Aufstandes in Chiapas haben die Lacandonen wohl wenig mitbekommen, was auch der Grund dafür sein wird, dass sie in einem linken Magazin keine Erwähnung finden können.

Für Renegaten und linken Aktivisten in den 1970er Jahren dürfte auch die Geschichte der „Roten Hilfe“ von Interesse sein. Womöglich feiert sie heute ihren 50. Geburtstag? So genau weiß man das aber nicht. Anfang der 1970er gab es in jedem Fall zwei „Rote Hilfe“-Organisationen, gegründet von KPD/ML, die Rote Hilfe Deutschland (RHD) und eine der KPD/AO, die Rote Hilfe e.V. Beide bekämpften sich bis aufs Blut, bis das ZK der Kommunistischen Partei Chinas ein Machtwort sprach und die sofortige Vereinigung beider Organisationen forderte. Das wurde nach einer Delegationsreise der Beteiligten nach Peking dann auch in Angriff genommen. Ein Vereinigungsdokument lag 1975 auf dem Tisch, welches von verschiedenen Ortsgruppen aber immer wieder tatkräftig sabotiert wurde. Die Beschreibung der Vorgänge ist ein Amüsement und ein weiteres Beispiel dafür, dass Linke nicht in der Lage sind, eigene Zielsetzungen mit Leben zu füllen.

Abgesehen von den hier für den Autor interessanten Texten ist die Periodika „Rote Hilfe“ ungenießbar. Die nicht erwähnten Beiträge, Hommagen auf nicht lesbaren Antifa-Quatsch, sind in der Tat in die Tonne zu kloppen.


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Kommentare

4 Antworten zu „Tierra Y Libertad – Ewige Sehnsucht in Mexico“

  1. Avatar von Ralf.Michael
    Ralf.Michael

    Papperlapapp, Rote-Hilfe, Antifa oder what the Fuck ever … Wir werden die Roten Ratten wieder in die Löcher zurückjagen, aus denen Sie hervorgekrochen sind – (F.J.Strauss / CSU).

  2. Avatar von Lansab
    Lansab

    Und jetzt noch einen Artikel darüber, wer alles aus der dt. „Politik-Prominenz“ eben dieses kommunistische Gewächs finanziell unterstützt. Sie selbst sehen sich übrigens als „Eine Solidaritäts­organisation, die politisch Verfolgte aus dem linken Spektrum unterstützt.“ Die „rote Hilfe“ ist sehr umtriebig, wenn es darum geht linken Anarchisten und Terroristen prozesskostentechnisch unter die Arme zu greifen (z.B. die RAF-Terroristin Daniela Klette). Aber besagte Politiker der Neo-SED behaupten immer noch, sie wären „lupenreine Demokraten“, dabei tun sie alles, um diesen Staat von innen heraus zu zerstören. Da stellt sich natürlich die Frage, in wie weit die KP China immer noch die Marschrichtung bestimmt, und warum man diese Kommunisten-Orga 50 Jahre lang frei schalten und walten ließ?

    1. Avatar von Peter Backfisch
      Peter Backfisch

      Ich stimme Ihnen zu!
      Die Rezension ist keine Homage an die Rote Hilfe, geschrieben habe ich dazu weil ich die Verhältnisse in Mexiko kenne und da einiges Klarstellen konnte. Dies gilt auch für den Gründungsprozess den ich damals beobachtet habe. Dass es in der Leserschaft von Opposition24 ggf. heftige Kommentare gibt war mir klar. Frohe Weihnachten

  3. Avatar von Nero Redivivus
    Nero Redivivus

    Der hier wie „Die Faust im Nacken“ aufs Auge dazu passende Weihnachtsklassiker mit Marlon Brando, dem einst „Halbstarken“ und hier jetzt 1952 Hollywood’s Emiliano Zapata „El Revolucionario“: 
    https://de.wikipedia.org/wiki/Viva_Zapata!

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