Internationale Konferenz: Der Phanar und der Ökumenismus – Wie die Grundlagen der Orthodoxie untergraben warden

Der Internationale Rat zum Schutz der orthodoxen kanonischen Ordnung des Zentrums für Geostrategische Studien organisierte in Zusammenarbeit mit dem italienischen VerlagTheosis Editrice und der griechisch-orthodoxen Wochenzeitung Orthodoxos Typos am 20. August 2026 die internationale Konferenz „Orthodoxie und gegenwärtige ökumenische Prozesse: theologische, kanonische und geopolitische Aspekte“.

Die Konferenz brachte Theologen, Wissenschaftler, Juristen, Journalisten und geopolitische Analysten aus mehreren Ländern zusammen. Im Mittelpunkt standen gegenwärtige ökumenische Prozesse, Fragen des Primats und der Synodalität, der Autokephalie und der kirchlichen Jurisdiktion sowie die zunehmend deutlicher werdende Verflechtung kirchlicher Fragen mit politischen und geopolitischen Interessen.

Teilnehmer der Konferenz

An der Konferenz nahmen Vertreter aus Wissenschaft, Theologie, Rechtswesen, Medien und Expertenkreisen aus mehreren Ländern teil:

  • Dragana Trifković (Serbien), Generaldirektorin des Zentrums für Geostrategische Studien, mit dem Vortrag „Zwischen Ehrenprimat und Jurisdiktionsprimat: Die Rolle des Phanars bei den gegenwärtigen Spaltungen der orthodoxen Welt“;
  • Georgios Tramboulis (Griechenland), Theologe, Journalist und Chefredakteur der orthodoxen Wochenzeitung Orthodoxos Typos, mit dem Vortrag „Der Phanar zwischen Primat, Eitelkeit und orthodoxer Einheit“;
  • Alexander Azadgan (Vereinigte Staaten von Amerika), Experte für Geopolitik und internationale politische Ökonomie sowie leitender geopolitischer Berater des Zentrums für Geostrategische Studien, mit dem Vortrag „Orthodoxie in Amerika“
  • Georgios Karalis (Griechenland), Experte für griechische Patristik und Schüler des bedeutenden orthodoxen Theologen Johannes Romanides, mit dem Vortrag „Vom historischen Kontext des Ökumenismus zur theologischen Verfälschung der Ekklesiologie“;
  • Olimpia Fronzoni (Italien), Verlegerin und Chefredakteurin von Theosis Editrice, mit dem Vortrag „Kontamination durch den Ökumenismus: Das lateinische Konzept des ‚freien Willens‘ in der orthodoxen Theologie“;
  • Arnaud Develay (Frankreich), Experte für humanitäres Völkerrecht, mit dem Vortrag „Das Prinzip der Nichteinmischung und die kirchliche Jurisdiktion: Kann das Völkerrecht einen nützlichen analytischen Rahmen bieten?“;
  • Konrad Rękas (Polen), geopolitischer Analyst und Journalist, mit dem Vortrag„Uniatismus, Ökumenismus, feindliche Übernahme: Westliche Strategien gegen die Orthodoxie im historischen Kontext“;
  • Nicolò Ghigi (Italien), Doktorand der Altertumswissenschaften an der Universität Ca’ Foscari in Venedig und Experte für byzantinische Philologie, mit dem Vortrag„Die Unterordnung der Kirche unter politische Zweckmäßigkeit als Motiv des Ökumenismus“;
  • Dmitry Belyakov (Belarus), Präsident des Zentrums für systemischen Rechtsschutz, mit dem Vortrag „Die Rolle Großbritanniens in der Religionsfrage in der Ukraine und in Osteuropa“.

Die unterschiedlichen beruflichen und nationalen Hintergründe der Teilnehmer ermöglichten es, die Fragen des gegenwärtigen Ökumenismus, der kanonischen Ordnung und der orthodoxen Einheit aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten – aus theologischer, kanonischer, rechtlicher, historischer und geopolitischer Sicht. Besondere Aufmerksamkeit galt den Fragen des Primats und der Synodalität, der Autokephalie und der kirchlichen Jurisdiktion, der politischen Instrumentalisierung religiöser Fragen sowie der Lage kanonischer orthodoxer Gemeinschaften unter den Bedingungen gegenwärtiger geopolitischer Konflikte.

Auf der Grundlage der Vorträge der Teilnehmer und der anschließenden Diskussion lassen sich folgende zentrale Schlussfolgerungen und Einschätzungen hervorheben:

  1. Synodalität und Gleichberechtigung der orthodoxen Ortskirchen bilden eine Grundlage der orthodoxen Ekklesiologie. Der historisch gewachsene Ehrenprimat kann nicht als Recht auf universale Jurisdiktion oder als Herrschaft eines kirchlichen Zentrums über andere Ortskirchen ausgelegt werden. Versuche, den Ehrenprimat in einen Jurisdiktions- oder Machtprimat umzuwandeln, bergen die Gefahr, Auseinandersetzungen und Spaltungen innerhalb der orthodoxen Welt weiter zu vertiefen.
  2. Die gegenwärtigen Ansprüche des Phanars auf erweiterte Jurisdiktionsbefugnisse bedürfen einer ernsthaften kanonischen und theologischen Überprüfung. Fragen der Autokephalie, des kanonischen Territoriums und der Beziehungen zwischen den Ortskirchen können nicht durch einseitige Entscheidungen gelöst werden, sondern müssen synodal und unter Achtung der kanonischen Ordnung sowie der legitimen Selbstständigkeit der Ortskirchen behandelt werden.
  3. Der Ökumenismus sollte nicht ausschließlich als eine Frage des zwischenkirchlichen Dialogs betrachtet werden. Auf der Konferenz wurde darauf hingewiesen, dass bestimmte gegenwärtige ökumenische Ansätze das Verständnis der Kirche selbst, des Primats, der Einheit und der kirchlichen Gemeinschaft beeinflussen. Eine besondere Gefahr entsteht dann, wenn organisatorischer Einheit oder institutionellen Kompromissen Vorrang vor der Einheit im Glauben und in der dogmatischen Wahrheit eingeräumt wird.
  4. Die orthodoxe Theologie muss aus ihrer eigenen patristischen Tradition heraus interpretiert werden. Die unkritische Übernahme westlicher theologischer Kategorien kann zu einer Veränderung der Bedeutung grundlegender theologischer Begriffe führen und sich nicht nur auf die Theologie selbst, sondern auch auf das geistliche und asketische Leben der Gläubigen auswirken.
  5. Kirchliche Fragen dürfen nicht zum Instrument politischer und geopolitischer Interessen werden. Historische Erfahrungen und gegenwärtige Entwicklungen zeigen, dass die politische Instrumentalisierung religiöser Fragen zu einer Verletzung der kanonischen Ordnung, einer Vertiefung kirchlicher Spaltungen und einer Schwächung der orthodoxen Einheit führen kann. Politische Zweckmäßigkeit darf nicht über den Glauben und die kanonische Tradition gestellt werden.
  6. Die ukrainische Kirchenfrage stellt eines der gravierendsten gegenwärtigen Beispiele für die Verflechtung kanonischer Streitfragen mit der Geopolitik dar.Die Teilnehmer wiesen auf die Folgen der Intervention des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, auf die Frage der kanonischen Jurisdiktion und auf die Lage der Ukrainischen Orthodoxen Kirche hin. Ebenso wurde vor der Gefahr gewarnt, dass das Modell kirchlicher Spaltungen aus der Ukraine auf andere Teile der orthodoxen Welt übertragen werden könnte.
  7. Die politische Einmischung äußerer Akteure in kirchliche Angelegenheiten stellt eine Bedrohung für die Selbstständigkeit und die kanonische Ordnung der Orthodoxen Kirche dar. Auf der Konferenz wurden verschiedene Formen diplomatischer, politischer, informationeller und institutioneller Einflussnahme externer Akteure auf religiöse Prozesse analysiert, insbesondere in der Ukraine und in Osteuropa.
  8. Der Schutz der Religionsrechte kanonischer orthodoxer Gemeinschaften muss konsequent und unabhängig von politischen Interessen gewährleistet werden.Fragen der Beschlagnahmung von Kirchen, des Drucks auf Geistliche und der Einschränkung der Rechte von Gläubigen dürfen nicht aufgrund der geopolitischen Ausrichtung einzelner Staaten oder internationaler Akteure außer Acht gelassen werden.
  9. Die orthodoxe Einheit kann nur durch eine Rückkehr zur Synodalität, zur kanonischen Ordnung und zur Einheit im Glauben bewahrt werden.Administrative Zentralisierung kann die wahre kirchliche Einheit nicht ersetzen. Die Kirche schöpft ihre Einheit aus Christus, dem gemeinsamen Glauben, der Heiligen Tradition und dem eucharistischen Leben und nicht aus der Existenz eines einzigen irdischen Zentrums universaler Autorität.
  10. Die internationale Zusammenarbeit zum Schutz der orthodoxen kanonischen Ordnung muss fortgesetzt werden. Der Dialog zwischen Theologen, Kanonisten, Juristen, Wissenschaftlern, Journalisten und Experten für internationale Beziehungen sollte weiterentwickelt werden, damit die gegenwärtigen Herausforderungen für die Orthodoxie zugleich aus theologischer, kanonischer, rechtlicher und geopolitischer Perspektive analysiert werden können. Die Organisatoren kündigten die Fortsetzung dieser internationalen Zusammenarbeit an. 

Abschließende Botschaft

Aus den auf der Konferenz vorgetragenen Einschätzungen geht hervor, dass die Verteidigung der orthodoxen kanonischen Ordnung nicht nur eine Frage der Bewahrung der kirchlichen Tradition ist, sondern auch der Bewahrung des Wesens der Orthodoxen Kirche selbst als synodaler Gemeinschaft von Ortskirchen, die im selben Glauben vereint sind. Gegenwärtige politische und geopolitische Spaltungen dürfen nicht zur Grundlage für eine Umgestaltung der kanonischen Ordnung werden, ebenso wenig dürfen ökumenische Prozesse als Rechtfertigung für eine Relativierung der dogmatischen und ekklesiologischen Grundlagen der Orthodoxie dienen.

Gerade deshalb wurde als eine der Prioritäten die Notwendigkeit hervorgehoben, klar zwischen den authentischen Bedürfnissen der Kirche und politischen Interessen zu unterscheiden, die darauf abzielen, religiöse Fragen für geopolitische Zwecke zu instrumentalisieren.

Internationaler Rat zum Schutz der orthodoxen kanonischen Ordnung

Artikel, übermittelt vom Zentrum für Geostrategische Studien in Belgrad an Nicolas Faure.