Guillaume Faye: Ein großer europäischer Intellektueller wäre 75. Jahre geworden – Ein notwendiges Gedenken

Guillaume Faye, der am 07. November 1949 vor 75 Jahren in Angoulême im Südwesten Frankreichs geboren wurde und bereits 2019 im Alter von 69 Jahre verstorben ist, war Journalist und gilt als einer der wichtigsten Autoren der französischen und auch europäischen Rechten. Er war Mitbegründer der Nouvelle Droite und ein Aktivist der Denkfabrik CRECE. Sein Vermächtnis ist in einschlägigem Arbeiten über die Konstruktion rechten Denkens zu suchen und zu finden. Mit den dabei vorgelegten Ideen und Vorschläge werden brauchbare Lösungen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angeboten. 

Sein Werk steht in einer Reihe mit Leo Strauß, Carl Schmitt, Armin Mohler, Oswald Spengler und anderen Denkern. Geprägt aber hat ihn der italienische Philosoph Georgie Locchi, der sein Mentor war. Man kann von dem Gespann Locchi/Faye sprechen, deren ganzes Streben darin bestand, der Rückkehr des europäischen Mythos, dem Entkommen der gefangenen Europäer aus der Höhle hin zur Sonne, den Weg zu bahnen. Es ist der Versuch einer Synthese aus Platons Höhlengleichnis. Faye liebte Platons Staat aber er wollte nicht, dass die Völker Europas weiterhin in der Höhle vegetieren und sich mit Schatten an den Wänden zufriedengeben.

Faye war ein mutiger Mann der sich nicht scheute, auch gegen massive, teilweise unversöhnliche Attacken, alt eingefahrene Denkstrukturen zu durchbrechen und letztendlich eine „Neudefinition des Konservatismus einzuläuten um ihm neues Leben einzuhauchen“ (Armin Mohler). Dazu hat er wegweisende Ideen formuliert, die in Werken wie „Konvergenz der Katastrophen“, „Ethnomasochismus“, Archäofuturismus“, vitalistischer Konstruktivismus“, „Rede an die Europäische Nation“, Warum wir kämpfen“, „Wofür wie kämpfen“ und „Die Kolonisierung Europas“, dargelegt sind. Die Beschäftigung damit ist eine notwendige Lektüre für rechte wie auch für linke Intellektuelle.

Fayes Katastrophen-Begriff steht in grassem Gegensatz zum Begriff der politischen Krisen und deren möglichen reformistischen Interventionen, die vor allem in der Neuen Deutschen Rechte, weite Verbreitung gefunden haben. In Frankreich wird das völlig anders gesehen. Der Denker erfährt dort eine ungeteilte Aufmerksamkeit. Seine Werke sind überall zu erwerben. Bereits vor vierzig Jahren analysierte Faye die Kämpfe, die unserer Zivilisation auferlegt werden und die sie in der Arena der gegenwärtigen Welt immerfort verliert, als unübersehbare Katastrophen. Die Zeit hat ihm recht gegeben, denn es ist am Ende genauso gekommen. Ethnische und religiöse Bürgerkriege, Ermöglichung des Führens von Kriegen in Europa, Niedergang ganzer Volkswirtschaften, Umweltkatastrophen, Umverteilungskämpfe und islamischer Überfremdung. Alles verursacht durch Liberalismus, Multikulturalismus, Humanitarismus, Globalismus, Masseneudämonie, Umweltverschmutzung und Ressourcenraubbau. Was sind das anderes als Katastrophen?

Bereits in seiner „Rede an die Europäische Nation“ von 1985 tritt er konsequent für ein ethnopluralistisches Europa ein, in dessen Mittelpunkt die Selbstbehauptung der Völker, die Bewahrung ihrer kulturellen Eigenarten, Besonderheiten und innere Homogenität, das Streben nach neuer Verwurzelung stehen.

Wenn auch seine Voraussagen ein apokalyptisches Ende der modernen Welt prophezeien, die nicht mehr aufzuhalten sind, würde man Faye unrecht tun ihn auf Dystrophien zu reduzieren. Faye liefert Antworten, wie die Welt nach dem Zusammenbruch aussehen könnte und dass Europa eine Chance zu einer Neugeburt haben wird. In seiner Schrift Archäofuturismus entwirft er eine aus der Asche wiedergeborenen Welt, jenseits der Irrwege der Neuzeit. Das Konzept Archäofuturismus versteht sich als eine Mischung aus Techno-Wissenschaft und der Rückkehr althergebrachter Werte. Er versteht sich als der Geist der Postkatastrophe, als eine Philosophie, die der Welt von morgen zugrunde liegen soll. Für Faye muss die Neuschaffung der Welt das dialektische Verhältnis von Futurismus und Traditionalismus in die Lebenswelten der Menschen integrieren.

„Wir wollen nicht vergangenheitsorientiert, restaurativ oder reaktionär sein, da die Vergangenheit der letzten Jahrhunderte die Pocken hervorgebracht hat, die uns zerfressen. Es geht darum, wieder archaisch und althergebracht zu werden, während man sich eine Zukunft vorstellt, die mehr als die Verlängerung der Gegenwart ist.“ In seiner zukunftsorientierten Theorie, versucht Faye alles Aspekte des gesellschaftlichen Lebens zu beleuchten, neben Technik und Umwelt auch Familie, Sexualität, Liebe, Feminismus usw., aus einer archäofuturistischen Perspektive.

Wo wird diese Welt zu verwirklichen sein? Fayes Ethnopluralismus sieht seine Verwirklichung in einem Kontinental-Imperium gebildet aus Europa und Russland, das er „Eurosibiria“ nennt, aber durchaus auch mit Indien, China und sogar Japan, ideologisch verbunden sein wird. Diese Nationen haben für ihn ihre archaischen Abwehrmechanismen bewahrt. Für Europa bedeutet es verlorenen Wuzeln wieder zu finden, um dem Erbe seiner Vorfahren und der Zukunft seiner Kinder treu bleiben zu können.

Archäofuturismus ist ein provokantes Werk und man wird nicht mit allem einverstanden sein, gerade auch deshalb, weil nach den apokalyptischen Katastrophen die Menschen mit neuen Herausforderungen konfrontiert sind, auf die neue Antworten zu finden sind. Vieles wird Überwunden sein, so der im Westen gelebt Individualismus, ganz neue Kulturtechniken, die den Menschen einiges abverlangen, werden zu installieren sein. Dies erzeugt beim heute herrschenden Zeitgeist Widerspruch, mit Ausstrahlungen weit ins konservative und rechte Lager. Daraus aber zu schließen, in Fayes Welt „wolle man nicht leben“, wie einige Vertreter der Rechten es sehen wollen zeigt, dass nicht begriffen ist, was auf uns zukommt. Das Gegenteil wird wohl zutreffen, bei einem weiter so, gepaart mit wirkungslosem Krisenmanagement, werden sich Zustände durchsetzen an deren Ende die Welt nicht mehr bewohnbar sein wird, womit sich die Frage ob man da leben will sich erübrigt hat.

Fayes Ideen sind „das perfekte Gegenmittel zur vorherrschenden Ideologie des amerikanischen-zentrierten Westens. Es will die Wurzeln bewahren, ruft zu Autarkie und damit zur europäischen und russischen Unabhängigkeit auf, lehnt die Feindbilder der von den amerikanischen Denkfabriken inspirierten Medien ab und weist den Anti-Technizismus der Grünen, die nunmehr die besten Verbündeten Washingtons sind, zurück. Ein Werk, das übersetzt und so weit wie möglich verbreitet werden sollte.“ (Robert Steuckers, Agora Europa Nr. 3, S. 85)


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