Dietmar Bartsch / Screenshot Youtube

Auflösung des Fraktionsstatus der Linkspartei – Ein überfälliges Ende von Life-Style, Political Correctness und marktwirtschaftlicher Selbstverwirklichung

Die Auflösung der Fraktion der Linkspartei im Deutschen Bundestag durch Dietmar Bartsch zeigt nur, dass der Verfall einer ehemals linken Opposition durch permanentes Selbstverschulden dort gelandet ist wo sie hingehört, auf den Misthaufen der Geschichte. Man muss dabei nicht unbedingt Freude aufkommen lassen, aber das Ereignis zeigt, dass das gesamte politische Farbenspektrum der Republik Erleichterungen verspürt, langjährige Rosstäuscherei und Selbstbetrug nun endlich zu einem überfälligen Ende kommen wird.

Allerdings ist es notwendig sich mit den tieferen Ursachen dieses Zusammenbruchs zu befassen und zu fragen, wann hat der Prozess angefangen? „Solange nämlich die Systemkrise noch nicht manifest geworden war, beschäftigte sich die Linke ganz ausdrücklich mit Krisentheorie und mit der Kritik der Politischen Ökonomie“. (Robert Kurz 1994). Radikale Systemkritik schien selbstverständlich zu sein. Diese kritische Parteinahme zu den Zuständen in den westlichen Gesellschaften schwächte sich mit Beginn der 1980er Jahre langsam ab, um nach dem Zusammenbruch des realsozialistischen Sozialismus sich völlig zu entradikalisieren. Mit eilenden Schritten erfolgte nun die Hinwendung zu marktwirtschaftlichen Orientierungen westlicher Gesellschaften. In seinen konkreten Auswüchsen zeigte sich dies in der völligen Verabschiedung von ihrem jahrzehntelang gehegten und gepflegten politischen Subjekt, „Abschied vom Proletariat“ (Andre Gorz, 1980) wurde zur Pflichtlektüre. Dies trotz steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Massenarmut unter den einheimischen Bevölkerungen in den westlichen Gesellschaften. Man muss hier fragen ob dies die Retourkutsche dafür war, dass dieses Proletariat einfach nicht bereit war den vorausgesagten Heilversprechungen zu folgen? Man konzentrierte sich von nun an, mehr und mehr auf die zu uns strömenden neuen Fremden, den „Verdammten dieser Erde“ (Franz Fanon). Da Heerscharen aus allen Herren Länder kamen entdeckte man die Formel des „Multikulturismus“, die schnell zur herrschenden und verpflichtenden Geisteshaltung erhoben wurde. Mit medialer Unterstützung wurde sogar eine Unterwerfung unter diesen Unsinn von den immer noch vorhandenen, in prekären Beschäftigten arbeitenden Deutschen, gefordert. Die Volksverdummung nahm ihren Anfang und man hoffte, dass die dahintersteckende Strategie den vermeintlich ungebildeten Dummen nicht auffallen würde. 

Flankiert wurde diese Entwicklung auch von der Verabschiedung von jeglicher Theoriebildung, zu den immer noch vorhandenen Klassenunterschieden in kapitalistischen Gesellschaften. Das Ergebnis war die völlige Kritiklosigkeit an den nun folgenden politischen Veränderungen, wie den schröderschen menschenfeindlichen Arbeitsmarktreformen (Hartz IV), Grenzöffnungen für alle, Corona-Maßregelungen, Klimahysterien und deren Unwahrheiten. Man übte den Schulterschluss mit der Gleichschaltungspolitik der anderen politischen Parteien. Man wollte ab sofort dazu gehören. Dies nicht nur am Katzentisch, sondern in umfassender medialer Präsenz. Der Anpassung an das inzwischen von Allen akzeptierte Gesamtkunstwerk der Selbstverwirklichung in passendem Design machte es erforderlich, sich auch im eigenen Auftreten und seinem Outfit, persönlich zu designen, indem man „dezidierte Verschwendungssucht und Champagnerfreundlichkeit“ (Theodor W. Adorno) an den Tag legte. Fun und Spaß wurde zu einer alltäglichen „Ästhetik der Existenz“ (Michel Foucault) erkoren, ohne die“ großen und kleinen Strukturen“ anzugreifen und aufheben zu wollen. Ereignissen, wie die infantile „Love Parade“ galten von nun an als Lichtpunkte der Unbeschwertheit, bei der man unbedingt eigene Flagge zeigen muss.

Man traf sich in einer ausgelassenen Feierlaune auf derartigen Life-Style Events mit den Vertretern des gesamten politischen Blockparteien-Spektrums um den nächsten Koalition Vertrag auf den Weg zu bringen. Durch derartige Prinzipienlosigkeit ist wohl dem Letzten klar geworden, dass man dafür eine Linke nicht mehr braucht. Ihr endgültiges Verschwinden erscheint deshalb zwangsläufig, eine Neugründung einer „anderen Linkspartei“ ist überflüssig und führt dazu, dass sich die Geschichte ausnahmsweise hierbei wiederholen wird.


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