Von Personen, Dingen und Ideen

group of people walking on the stairs

Die interessantesten Beobachtungen wahrzunehmen zu allen Tageszeiten, an allen Orten und Situationen, eröffnet uns augenblicklich eine neue und hellere Welt. Was bislang als belanglos galt, wird urplötzlich interessant, interessanter und am interessantesten. Hier erhalten sie ein Schlüsselchen zu vielen kleinen Freuden.

Jeder könnte es, wenn er darum nur wüsste

Dass wir Gespräche mitbekommen oder diese uns ungebeten geradezu aufgedrängt werden, lässt sich nicht vermeiden. Sei es in einem Café, in der Eisenbahn, im Flugzeug, im Restaurant oder im Kreise von Bekannten, von Kollegen oder in der Familie. Selbst ein Zweiergespräch enthüllt Welten, die wir zuvor nicht mitbekamen. Spitzen wir also unsere Ohren.

Gezielt zuhören, so gehts

Gewiss entgeht Ungeübten, die sich selbst gerne reden hören, nicht nur der Spaß, sondern eine gratis mitgelieferte Erkenntnis. Dabei ist es einfach, mehr als einfach. Jenen, denen wir unser Ohr bewusst oder zwangsweise leihen, bekommen von dem, dass sie gerade beobachtet werden, nichts mit. Sie als Zuhörer, eine selten gewordene Tugend in diesen Tagen, haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie zur Unterhaltung nichts beitragen müssen. Sie nicken mit dem Kopf, geben zustimmende Signale und verhalten sich so, wie es guten Zuhörern entspricht: Sie halten, so gut es geht, den Mund. Dass das manchen Zeitgenossen schwerfällt, kennen wir. Dass eine Person am Nachbartisch, die nebenbei mitbekam, dass über die Höhe des Eiffelturms gestritten wurde, sich ungefragt einmischt und mit Wikipedia-Wissen glänzen will, diese Situationen kennen wir ebenfalls. Doch wir tun das nie, nimmer und keinesfalls, entginge uns doch dabei der Spaß an einer Freude, wie sie gleich erfahren.

Personen, Dinge und Ideen, drei Gruppen von Menschen

Sie werden spontane Erkenntnisse gewinnen, die für ihr Leben überaus nützlich sind. Vorausgesetzt, sie hören nach dem Lesen dieses Textes mit „anderen Ohren“. So bemerken Sie ohne fremde Hilfe, dass sich Personen grob in drei Gruppen einteilen lassen. Ob die nachstehenden Einteilungen zusätzlich beeinflusst werden, wenn Sie weitere Merkmale wie Alter, Geschlecht, Bildungsstand oder Status mit betrachten, ist ihrer Menschenkenntnis überlassen.

„Paul hat zu Gisela gesagt“, das oder Ähnliches hören Sie aus den Mündern derer, die sich vornehmlich über Personen und deren Fehlern auslassen. Mit scharfer Kritik werden, ob berechtigt oder nicht, Dritte überzogen, was den unbestreitbaren Vorteil hat, von der eigenen Schwäche abzulenken. Das mag hie und da unterhaltsam sein, doch bemerken sie schnell, dass die Erzähler in diesem Niveau gefangen sind und höchstwahrscheinlich darin ein Leben lang verharren werden. Das Zuhören strengt weiter nicht sonderlich an, sofern ihr Magen unempfindlich ist.

„Dieses Ding ist besser als das andere“, damit geben sich jene zu erkennen, die sich gedanklich in der sächlichen Welt zu Hause fühlen. Die Variationen des von sich gegebenen sind dabei, wie im ersten Falle, schier unendlich. Die Themen mögen unterhaltsam und gelegentlich bildungsförderlich sein, verharren jedoch in diesem materiellen Bereich. Der „große Wurf“ wird nicht ersichtlich.

„Wäre es eine Idee, dies so oder so anzugehen?“, darin erkennen wir jemanden, der weder über Personen noch Dingen spricht, sondern über Welten, die noch zu erschaffen wären. Über phantasievolle Projekte, die in keinem Lexikon stehen. Über Lösungen, die erst erdacht werden, um konkrete Hilfen quasi aus dem Nichts zu erschaffen. Oder aber, sie philosophieren über demokratische Regierungsformen, die keiner diktatorischen Lenkung von oben bedürfen. Diese Gattung innerhalb der Spezies Homo sapiens, die ja den denkenden Menschen schon im Begriffe führt, ist weit weniger oft anzutreffen. Vorausdenker und Träumer, meist belächelt und spät erst verehrt, gehörten stets zur Minderheit.

Wenn ihre Zukunft nun davon abhinge, welche Gruppe von Menschen verschaffte ihnen langfristig mehr Zuversicht, im Privaten, im Beruflichen oder im politischen Gestalten unserer Gesellschaft?

Spitzen wir nicht unsere Bleistifte, sondern unsere Ohren. Eine neue Welt tut sich für sie auf und der Schleier des Ungewissen lüftet sich. Das nächste Gespräch und ihre kleine Diagnose warten schon.


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