Atomkraftwerk Saporoschje: Hat ukrainisches Militär versucht, die internationalen IAEA-Inspektoren anzugreifen?

Atomkraftwerk Saporoschje. Bild: Wikimedia Commons, Ralf 1969, CC BY-SA 3.0

Eine Weile lang war sich die westliche Front (NATO, USA, EU, G7 …) einig und stand hinter den Behauptungen des ukrainischen Präsidenten Selenskij, die Russen beschössen das Atomkraftwerk Saporoschje und bezichtigten Präsident Putin, die Welt in die Gefahr einer Atomkatastrophe zu stürzen. Dass Präsident Selenskij sich dabei selbst widersprach, darüber sah man gnädig hinweg.

Präsident Selenskij beschuldigt Russland, das AKW Saporoschje zu beschießen …

Erst hieß es die Russen besetzten gewissenloserweise das AKW, um es als Schutzschild zu nutzen, weil ja niemand wagen würde, ein Kernkraftwerk zu beschießen. Und so könnten die Russen bequem und ruchlos auf der anderen Seite des Sees die Ukrainischen Stellungen straflos unter Feuer nehmen. Als aber klar wurde, dass die Schüsse aus der Richtung der Ukrainer kamen, bestritt Präsident Selenskij das vehement, es seien die Russen, die da schießen. Das wagten dann aber nicht einmal die GEZ Sender zu wiederholen. Es kamen nur knappe Meldungen, das Kraftwerk werde beschossen. Man ließ elegant unter den Tisch fallen, dass man wenige Tage vorher den Vorwurf erhoben hatte, die Russen besetzen das AKW um sich unangreifbar dort zu verschanzen. Und nun beschießen sie sich selbst?

Unbeirrbar wurde Russland für das Die brandgefährliche Lage am Kernkraftwerk Saporoschje verantwortlich gemacht. Die Seite t-online formulierte:

„Das russische Militär hat offenbar das Kernkraftwerk Saporischschja angegriffen. Ukrainische Behörden berichten von einem Brand nahe des Akw und warnen vor einer Katastrophe. (…) Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem gezielten Beschuss durch russische Panzer. „Europa muss jetzt aufwachen“, sagte er in einer am Freitag bei Telegram veröffentlichten Videobotschaft. „

So ging es tagelang durch den Mainstream. Eine Kostprobe gefällig? Hier die ARD-Nachrichten vom 08. August. Hier als Video in der Mediathek.

Präsident Selenskij erscheint nach einer Weile und macht einen hoch alarmierten und kampfbereiten Eindruck, sagt etwas auf ukrainisch und die Sprecherin gibt seine Aussage wie folgt wieder:

“Präsident Selenskij fordert die internationale Gemeinschaft auf, lautstark zu reagieren. Wörtlich habe Selenskij gesagt: Keine Nation der Welt kann sich sicher fühlen, wenn ein terroristisches Land ein Atomkraftwerk angreift. Gott bewahre, dass etwas Irreparables passiert. Und niemand wird den Wind aufhalten, der die radioaktive Verseuchung verbreitet.”

Jetzt erscheint UN Generalsekretär António Guterres, der sich irgendwo in Japan aufhält. Die Sprecherin: “Die Vereinten Nationen warnen mit deutlichen Worten.” und dann ein einzelner Satz von Herrn Guterres, der mit einem Bild des russischen Verteidigungsministerium unterlegt wird, was den Zuschauer gleich zu der Annahme verleitet, dass Herr Guterres diesen Satz an Russland richtet:

“Jeder Angriff auf ein Kernkraftwerk ist selbstmörderisch, und ich hoffe, dass diese Angriffe aufhören werden.”

Zu dem Zeitpunkt  hatte Russland schon mehrfach die IAEA, die internationale Atomaufsicht, zu einer Inspektion nach Saporoschje eingeladen. Was vom Westen schlicht und einfach ignoriert wurde. Herr Grossi, der Leiter der IAEO Grossi war durchaus bereit, eine Mission nach Saporoschje zu leiten, um die Sicherheit des Kernkraftwerks zu inspizieren, und brachte das auch zum Ausdruck. Aber aus unbekannten Gründen kam es nie dazu, obwohl sich Russland immer wieder an die Vereinten Nationen wandte, die IAEO möge eine Mission nach Saporoschje unternehmen. Und  Herr Guterres selbst formulierte immer wieder Aufrufe, die Mission endlich durchzuführen.

Doch dann riefen die Russen am 24. August mit großem Druck und viel Öffentlihkeit wegen Saporischje zu einer UN-Sicherheitssitzung auf, weil die Lage um das Kraftwerk ständig eskaliert.

Der ständige Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensja, erklärte, dass sich die nukleare Sicherheitslage im Kernkraftwerk Saporoschje seit der letzten Zusammenkunft des Sicherheitsrates verschlechtert habe, da die ukrainischen Streitkräfte weiterhin das Territorium der Zentrale fast täglich angreifen.  „Dadurch entsteht ein reales Risiko eines nuklearen Unfalls mit katastrophalen Folgen für den gesamten europäischen Kontinent“, betonte er.
Die Situation wird vom Westen stillschweigend gebilligt.
Nebensja wiederholte, dass die fortgesetzten Angriffe Kiews auf das Werk „eine direkte Folge der kriminellen Toleranz ihrer westlichen Unterstützer“ seien. „Bei der letzten Sitzung [des Sicherheitsrates] hatte keine einzige Delegation aus dem Westen den Mut, die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf das Werk zu verurteilen, und sie forderten sie nicht auf, damit aufzuhören“, erinnerte er sich.
„Es scheint, dass unsere Kollegen in einer parallelen Realität leben, in der das russische Militär das Kraftwerk angreift, das sie schützen, und dazu US-Waffensysteme benutzt“, war sein sarkastischer Kommentar.

Der russische Diplomat versicherte mehrmals, dass dem russischen Verteidigungsministerium hochauflösende Fotos vorliegen, die beweisen, dass sich beim Kraftwerk weder schwere noch leichte russische Waffen befinden. Die Fotos sind hier einsehbar.

Ein ukrainischer Vertreter der Behörden von Saporoschje sagte laut dem österreichischen Wochenblick, dass das Ziel der Angriffe wahrscheinlich dem Kühlsystem des Kernkraftwerkes gegolten habe. Das sei die empfindlichste und kritischste Stelle. Bei dem Angriff waren elf Menschen verletzt worden, vier von ihnen befinden sich in einem lebensgefährlichen Zustand. Der Chef der örtlichen Militärverwaltung sagte:

„Die Leute in der Ukraine verstehen nicht, was vor sich geht. Einen Atomreaktor oder das Kühlsystem, auf das sie gezielt haben, anzugreifen, (…) ist nicht nur, eine Brücke in die Luft zu jagen, sondern halb Europa würde wegfliegen. Und die Europäer versorgen Kiew immer noch mit Waffen.“

 

 

Blick auf das Atomkraftwerk Kernkraftwerk Saporoschje im August 2022, Foto: Regierung der russischen Föderation

Herr Wassili Nebensja sagte:

„Vor kurzem besuchte der UN-Generalsekretär Guterres die Ukraine. Wir setzten gewisse Hoffnungen in seinen Besuch. Wir erwarteten, dass die UNO Kiew endlich nachdrücklich auffordern würde, den Beschuss des Werks einzustellen. Aber wir haben von Herrn Guterres keine Worte der Verurteilung der Geschehnisse gehört, abgesehen von Aufrufen, dass „militärische Aktionen das KKW Zaporizhzhya (Saporoschja) umgehen sollten.  (…) Ich möchte Frau DiCarlo fragen, ob es dem Generalsekretär gelungen ist, von Wladimir Zelensky ein Versprechen zu bekommen, den Beschuss des Werks einzustellen. Wie beurteilt das UN-Sekretariat die Tatsache, dass der Beschuss des Kraftwerks durch die Ukraine angesichts der von der IAEO geäußerten ernsten Besorgnis über die Situation fortgesetzt wird?“

Tatsächlich hatte Russland sich nachweislich um eine Überprüfung der Zustände in und um das AKW Saporoschje bemüht:

Vom ersten Tag an haben wir die Bemühungen der IAEA und ihres Generaldirektors Rafael Grossi unterstützt, eine Mission zum AKW zu organisieren. Wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, um sicherzustellen, dass der Besuch der Experten der Agentur (IAEA) in der Anlage bereits im Juni stattfinden kann, nachdem wir diese Mission schon für den 3. Juni vereinbart hatten. Dann wurde der Besuch ohne unser Verschulden abgesagt. Heute sehen wir absurde Spekulationen in der ausländischen Presse, dass die westlichen Länder Russlands Zustimmung zur Organisation dieser Mission beinahe erzwungen hätten.“

 

UNO: Wir wissen nicht, wer das Atomkraftwerk Saporoschje beschießt

Noch in den letzten Augusttagen erklärte ein Sprecher des UNO-Generalsekretärs Stéphan Dujarric während einer Pressekonferenz, dass die UNO „keine Rückschlüsse bezüglich der Frage ziehe, wer denn das Atomkraftwerk von Saporoschje beschieße.

„Die Frage, ob seine Organisation Einschätzungen zum Urheber der Artillerieangriffe auf das Kernkraftwerk geben könne, verneinte er und fügte hinzu: „Dass wir keine Einschätzung diesbezüglich haben, bedeutet nicht, dass wir nicht zu einer Einstellung des Beschusses aufrufen.“

 

Pentagon: „Wahrscheinlichkeit“ eines ukrainischen Beschusses

US-Beamte haben Fragen zum Beschuss des AKWs Saporoschje durch Kiews Streitkräfte beantwortet. Am 29. August 2022 wurden Fotos veröffentlicht, die Schäden am Dach eines Gebäudes auf dem Gelände des Kraftwerks zeigen. Dort sollen den Angaben zufolge Kernbrennstoffe lagern.

Er bestand jedoch darauf, dass dies nur eine Reaktion auf russisches Feuer war, das angeblich aus dem Gebiet kam. Früher an diesem Tag teilten die russischen Behörden mit, eine ukrainische Artilleriegranate habe das Dach des Gebäudes beschädigt, in dem Reaktorbrennstoff gelagert werde.

„Und ich möchte nicht sagen, dass die Ukrainer in dieser Gegend auch nicht geschossen haben, weil ich denke, dass dies wahrscheinlich der Fall ist, aber mit guten Absichten – in einigen Fällen erwidern die Russen das Feuer aus dieser Gegend heraus.“

Nun beschloss die IAEA, den Leiter selbst, Herrn Rafael Grossi mit Experten nach Saporoschje reisen zu lassen und die Situation vor Ort zu inspizieren.

Die Delegation der IAEA reist zum AKW Saporoschje und gerät in Gefahr

Der Leiter der Mission, IAEA-Leiter Rafael Grossi und seine Expertengruppe hatte offenbar ein ziemliches Abenteuer zu bestehen, wenn man die russischen Quellen sieht, denn während sie dort anreisten sollen sich weitere Angriffe der Ukrainer auf das Atomkraftwerk ereignet haben. RT-Deutsch meldete: „Ukraine wollte AKW Saporoschje während IAEA-Inspektion einnehmen„:

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums soll die ukrainische Armee in der Nacht zum Samstag erneut versucht haben, das AKW Saporoschje unter eigene Kontrolle zu nehmen. Wie der Sprecher der Militärbehörde in Moskau, Generalleutnant Igor Konaschenkow, bei einem Briefing am Samstag mitteilte, sei dies trotz der laufenden Inspektion der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) geschehen. Demnach hätten mehr als 250 ukrainische Spezialkräfte und ausländische Söldner auf 42 Kuttern und Motorbooten gegen 22:00 Uhr MESZ versucht, in der Nähe der Städte Energodar und Dneproprudnoje zu landen. Das russische Militär habe jedoch die beiden Einheiten an der Landung gehindert.

Konaschenkow teilte mit, dass Russland die ukrainischen Kutter mit vier Su-30-Kampfflugzeugen und zwei Ka-52-Hubschraubern angegriffen habe. Dabei seien 20 ukrainische Kutter und Motorboote zerstört worden. Die restlichen seien dann in Richtung Ukraine umgekehrt. Anschließend habe die russische Artillerie die ukrainische Uferlinie vor den Siedlungen Wysschetarassowka und Tscherwonodneprowka attackiert, wo der Rest der ukrainischen Landetruppen an Land gegangen sei. Bei dem gescheiterten Vorstoß seien 47 ukrainische Nationalisten, darunter zehn ausländische Söldner, ums Leben gekommen. Weitere 23 hätten Verletzungen erlitten.

Diesem Angriff über den See war – laut einem Telegram-Kanal aus Russland – ab 6 Uhr morgens ein Beschuss  des Kernkraftwerkes und der Stadt Energodar vorausgegangen. Um 06:20 starteten dann die 7 Motorboote mit ca. 60 ukrainischen Soldaten über den See zum Kraftwerk und versuchten, es einzunehmen, wurde aber von der russischen Einheit Rosgvardia daran gehindert. Um 7 Uhr kamen zwei weitere Boote an, wurden aber von den Russen versenkt.

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums sollen insgesamt 250 ukrainische Spezialkräfte und ausländische Söldner auf insgesamt 42 Kuttern und Motorbooten versucht haben, in der Nähe der Städte Energodar und Dneproprudnoje zu landen. Das russische Militär habe jedoch die beiden Einheiten an der Landung gehindert.

Konaschenkow teilte mit, dass Russland die ukrainischen Kutter mit vier Su-30-Kampfflugzeugen und zwei Ka-52-Hubschraubern angegriffen habe. Dabei seien 20 ukrainische Kutter und Motorboote zerstört worden. Die restlichen seien dann in Richtung Ukraine umgekehrt. Anschließend habe die russische Artillerie die ukrainische Uferlinie vor den Siedlungen Wysschetarassowka und Tscherwonodneprowka attackiert, wo der Rest der ukrainischen Landetruppen an Land gegangen sei.

Bei dem gescheiterten Vorstoß seien 47 ukrainische Nationalisten, darunter zehn ausländische Söldner, ums Leben gekommen. Weitere 23 hätten Verletzungen erlitten.

Achtung, ich kann hier nur den Inhalt dieses Telegram-Kanals wiedergeben, ob diese Meldungen stimmen, kann ich nicht nachprüfen:

Der Telegram-Kanal meldet, dass die ukrainischen Truppen morgens um acht Uhr versucht haben sollen, die Einreise der IAEA Delegation zu verhindern und die Gesandten festgehalten haben. Teilweise soll keine Verbindung mehr zu ihnen möglich gewesen sein. Während dieser Zeit, so heißt es weiter, sei der Weg zum AKW sowie der für ein Treffen mit russischen Spezialisten vorgesehene Treffpunkt beschossen worden. Dort hätten sich die Delegation eigentlich gerade befunden hätte, wenn sie nicht aufgehalten worden wären. (Was unterstellt, von Seiten der Ukraine habe man versucht, die Atom-Inspekteure zu töten.)

Der Beschuss des Kraftwerks habe dann gegen 13 Uhr Mittags aufgehört, kurz danach sei die IAEA-Delegation eingetroffen. Nach einem Rundgang und Gesprächen verlässt Delegationsleiter Rafael Grossi das Kernkraftwerk. Er habe „einige Schlüsselmomente verstanden“, heißt es. Ein Teil der Delegation sei dort geblieben.

Es ist anzunehmen, dass dieser kleine Bericht stimmt, denn Videos aus Saporoschje zeigen, dass Russland internationale Journalisten zu dem Besuch der IAEA-Delegation dazu geladen hatte, um diese Ereignisse zu begleiten und zu dokumentieren.

 

 

Quelle: Schildverlag