Dichtung und Wahrheit des Immissionshandels

Am 4. September hat die Financial Times einen Eintrag über die europäischen Energiepreise gepostet. Ich habe den wegen geringer Englischkompetenz mal mit dem Google-Übersetzer übertragen und nach Gefühl etwas geglättet.

„Auch wenn europäische Stromkonzerne über immer grünere langfristige Transformationspläne berichten, planen sie, in naher Zukunft mehr Kohle zu verbrennen. Ökonomisch haben sie kaum eine Wahl, wenn sie die europäischen Regelungen zu CO2-Preisen befolgen und gleichzeitig die Stromkosten für ihre Endverbraucher minimieren wollen. Und auf jeden Fall wird ihnen in diesem Winter wahrscheinlich das Benzin knapp.“

„Die Absicht der europäischen Regulierungen und des Emissionsmarktes war es, die Gesamtkosten von Kohlestrom so weit zu erhöhen, dass die Wirtschaft den Ersatz des Brennstoffs durch erneuerbare Energien, Atomkraft oder (etwas saubereres) Gas erzwingt. (…) Im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems müssen Verschmutzer Genehmigungen kaufen, um Kohlenstoff über den vereinbarten Werten zu emittieren. Unternehmen, die weniger als vereinbart emittieren, können Schadstoffe verkaufen und so einen Anreiz zur Emissionsreduzierung schaffen. Theoretisch sollte das Kohle teurer und Gas billiger machen.“

„(…) Nach Berücksichtigung des Preises für Emissionszertifikate lagen die Kosten für die Stromerzeugung mit Gas in Deutschland in der letzten Augustwoche bei etwa 104 € pro Megawattstunde, die Kosten für die Stromerzeugung mit Kohle bei etwa 97 € pro Megawattstunde. (…) Das liegt unter anderem daran, dass die Preise für CO2-Emissionszertifikate nicht so stark gestiegen sind wie für Kohle oder Gas.“

„Dies könnte auf den unvollkommenen Betrieb des europäischen Emissionskreditsystems zurückzuführen sein. Aber ich würde auch vermuten, dass die Energiehandelsabteilungen aufgrund des Potenzials für Russland, die Gaslieferungen stärker als erwartet zu erhöhen, zurückhaltend sein würden, viele CO2-Emissionszertifikate zu besitzen, was zu einem Preisverfall führen würde. Derzeit ist jedoch „Erdgas“, der Brennstoff für den Übergang zu einer vollständig erneuerbaren Energie und einer Kreislaufwirtschaft, knapp. Dies ist unter anderem Gazprom zu verdanken, dem russischen Gasriesen und Instrument der staatlichen Energiepolitik.“

„Gazprom ist seit langem ein bequemer Bösewicht für diejenigen, die steigende Gaspreise dafür verantwortlich machen wollen. Sie hat ihr Vorgehen im Gasmarkt in der Vergangenheit stets energisch verteidigt und wird dies voraussichtlich auch weiterhin tun. (…) Er hat sich jedoch gut aus dem europäischen Gasversorgungsengpass herausgearbeitet, wobei der Rubel-Aktienkurs von 210 im Januar auf 315 in der vergangenen Woche gestiegen ist. Auch in US-Dollar liegt Gazprom über dem Fünfjahreshoch und weist eine Dividendenrendite im niedrigen zweistelligen Bereich auf. Aber dann haben andere Aktien russischer Energiekonzerne hohe Renditen und niedrige Preise.“

„(…) Die europäischen Gaspreise sollten im Dezember oder Januar ihren Höhepunkt erreichen, genau wie Nordstream 2 vollständig ans Netz gehen soll. Aber auch dann werden die Gaspreise deutlich höher sein als 2019 und zwei- bis dreimal so hoch sein wie in den USA. Die Nachfrage dürfte weiterhin stark bleiben.“

„Wie andere europäische Firmen schließt Uniper Kohleanlagen und gibt Geld für die „Entwicklung der Wasserstoffinfrastruktur“ aus. Wenn solche Schritte jedoch die Gaspreise in die Höhe treiben, muss die europäische Ökologisierung ein populistisches politisches Risiko darstellen. Wenn die Rechnungen der Ratenzahler in diesem Winter geöffnet werden, werden wir sehen, ob Demagogen eine Gelegenheit ergreifen.“

Ich hatte den nach Schwindel und Betrug stinkenden Braten bereits im Mai gerochen und hatte meiner Freundin am 25.05.2021 Gazprom-Aktien zum Kurs von 5,735 € gekauft. Die Dividende liegt übrigens nicht im niedrigen zweistelligen Bereich, sondern bei 6,24 %. Heute hat der Gazpromkurs dank der Merkelschen EU-Energiepolitik 7,57 € erreicht, ein Plus von 32 % gegenüber Mitte Mai. Der märchenhafte Gewinn reicht leider immer noch nicht ganz, um die sagenhafte Energierechnung einer Wärmepumpe für den Winter zu bezahlen.

Grüße an den Inlandsgeheimdienst: Mein Vorschlag für die künftige klimagerechte Holzheizung der Beamtenstuben: Siehe Beitragsbild.


Erstveröffentlichung: Prabelsblog