Wenn Mannheims Messer morden

Bis 19:59 Uhr darf ein Mördermesser in der Jackentasche mitgeführt werden, zumindest im Städtchen Schilda. Doch ab dem ersten Schlag der Kirchturmglocke um 20:00 tritt das Verbot in Kraft. Wer aber einen Meter außerhalb der städtischen Waffenverbotszone am Marktplatz mordet, verstößt zumindest nicht gegen diese kommunale Anordnung.

Die Schildbürger versammelten sich um das Schild und staunten. „Nun wird sich sicher kein Bösewicht mehr mit einer Waffe hierher trauen“, sagte der Bürgermeister stolz. Doch der kluge Bauer Fritz kratzte sich am Kopf und fragte: „Aber Herr Bürgermeister, wie wollen wir sicher stellen, dass niemand eine Waffe mitbringt? Wer wird die Fremden abtasten?“. 

Es meldete sich die pfiffige Marie zu Wort: „Aber was ist, wenn jemand einfach einen Fußbreit außerhalb der Waffenverbotszone steht und dort seine Waffe hat? Er kann doch dann einfach auf den Marktplatz treten!“ Die Schildbürger schauten sich an und ein Raunen ging durch die Menge. „Du hast recht, Marie“, sagte der Bürgermeister nachdenklich. „Aber das Schild ist doch klar und deutlich. Wer von den Gästen aus dem Morgenland würde es wagen, es zu ignorieren?“ Dennoch wurde ihnen etwas mulmig zumute.

Und so geschah es, dass der Marktplatz von Schilda zur einzigen Waffenverbotszone weit und breit wurde.  Die Stadt Schilda war bald in aller Munde. Reisende lachten und erzählten überall von der „weisen“ Entscheidung der Schildbürger. „Der Amtsschimmel wiehert in Schilda!“, spottete man.

Die Sache war deshalb besonders kurios, weil die Stadtverwaltung beschlossen hatte, dass das Waffenverbot nur von 20:00 bis 06:00 Uhr gelten sollte. „Welcher Räuber oder Mörder hält sich wohl an diese Zeiten?“, fragte Bauer Fritz kopfschüttelnd. „Sollen sie ihre Verbrechen um 19:30 begehen, um nicht auch noch gegen das Waffenverbot zu verstoßen?“ Die Schildbürger lachten über diese absurde Vorstellung, doch das Schild blieb.

„Vielleicht sollten wir die Schilder mehrsprachig beschriften“, schlug Marie vor. „Damit auch jeder versteht, wann er sein Messer wegpacken muss.“ Der Bürgermeister nickte begeistert und ließ sofort Schilder in verschiedenen Sprachen anfertigen. Die großen Schilder prangten stolz auf dem Marktplatz von Schilda und machten jeden Besucher darauf aufmerksam, dass hier die Logik der Schildbürger herrschte. Der Marktplatz blieb eine Waffenverbotszone von 20:00 bis 06:00 Uhr, während rundherum das Leben weiterging wie eh und je.

Die Schildbürger schauten stolz auf ihr Werk und waren überzeugt, dass sie einen wichtigen Beitrag zur inneren Sicherheit geleistet hatten. Doch jeder, der nach Schilda kam, wusste: Hier regiert der Irrsinn, und die Schildbürger-Geschichten werden nie enden. Vermutlich fehlte auch in Mannheim nur so ein Waffenverbotszone-Schild.


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Kommentare

2 Antworten zu „Wenn Mannheims Messer morden“

  1. Rumpelstilzchen

    Aller Voraussicht nach, wurde auch Schilda von einem volksverräterischen und bürgerfeindlichen CDUler “reGIER…..äh…..schildiert”.

    Und so begab es sich, dass die SCHILDIANER diesen Bürgermeister mit 30 Prozent der Stimmen wählten….;-)….ob seiner UMWERFENDEN Klugheit, Ehrlichkeit, Weitsichtigkeit und FEINDSELIGKEIT den EIGENEN gegenüber.

    Inshallah !

    1. ich wette dass dieses Schilda in tausenden Gemeinden der BriD liegt.

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