Vor- und Nachteile der Monarchie

Wer sich die Trauerzeremonien in London angesehen hat, ist vom Pomp der Monarchie beeindruckt. Königin Elisabeth II. hat lange gegen ihr Alter gekämpft, daß ihr mißratener Sohn möglichst spät auf den Thron kommt. Da sind wir schon beim Thema.

photography of royal guard marching

Die konstitutionelle Monarchie hat den Vorteil, daß die Kammern nicht die Regierung stellen und die Abgeordneten als Vertreter der Steuerpflichtigen lediglich über den Haushalt wachen. In der Praxis ist dieses Prinzip immer wieder gescheitert. PB hatte bereits berichtet, wie der Geh. Rath v. Goethe permanent gegen die zu teure Hofhaltung seines sächsisch-weimarisch-eisenachischen Landesherrn kämpfte, dabei aber versagte und nach einem Staatsbankrott überfallartig die Italienische Reise antrat. Oder man erinnere sich an den preußischen Verfassungskonflikt 1859 bis 1866.

Während des Konflikts stand König Wilhelm I. dem von Liberalen dominierten Abgeordnetenhaus gegenüber, das ihm unter anderem die zur Reorganisation der preußischen Armee und der Landwehr notwendigen Mittel verweigerte. Auf dem Höhepunkt des Konflikts löste der König am 11. März 1862 das erst Anfang Dezember 1861 gewählte und seit Mitte Januar 1862 zusammengetretene Parlament auf, nachdem dieses den Beschluss gefasst hatte, die provisorische Finanzierung der Militärreformen zu beenden. Sieben Tage später entließ er die liberalen Mitglieder des Ministeriums und setzte eine neue konservative Regierung unter Adolf zu Hohenlohe-Ingelfingen ein. Im Mai ging die liberale Deutsche Fortschrittspartei wieder als klarer Sieger aus den Wahlen hervor. Im September 1862 scheiterte ein möglicher Ausweg aus dem Patt zwischen Krone und Parlament erneut, worauf Wilhelm I. die Abdankung zugunsten seines Sohnes erwog.

Am 22. September 1862 beauftragte Wilhelm I. schließlich Otto von Bismarck mit der Übernahme der Regierung. Der neue Ministerpräsident „löste“ den Konflikt dadurch, dass er eine Lücke in der damaligen preußischen Verfassung feststellte. Die Verfassung schreibe nicht vor, was bei Uneinigkeit zwischen Kabinett und Parlament passieren solle, so könne der König seinen Willen durchsetzen.

Wir sehen bereits an diesen beiden Beispielen wie holprig das Budgetrecht in der Praxis funktionierte.

Nun führen die Monarchisten als weiteren Vorteil an, daß die Könige, Herzöge, Fürsten, Grafen usw. ein familiäres Interesse hätten, ihren Erben einen geordneten Staat zu übergeben. Wie es aber in manchen Familien zugeht: Die Generationen sind verstritten, dazu kamen zahlreiche Erbfolgekriege. Der vormalige Prinz von Wales rennt dem Zeitgeist hinterher, der frischgebackene weniger. Zahlreiche Fürsten gaben ihren Kindern ein funktionierendes Staatswesen weiter, bei ebenso vielen war das aus persönlichen Gründen nicht der Fall.

Besonders ragte der Fall von Wilhelm Hyacinth von Nassau-Siegen (1666-1743) heraus, der von 1699 bis zu seiner Absetzung 1707 Fürst von Nassau-Siegen war. Seine Herrschaft war von Verschwendung, exorbitanter Besteuerung, Willkür und Grausamkeit geprägt. Sein Jähzorn und Ehrgeiz waren auch in der eigenen Familie gefürchtet. Wilhelm Hyacinth erließ am 8. November 1706 ein Edikt, wonach jedem ausreichend vermögenden Bürger, der die exorbitanten Steuern nicht zahlen wollte, der Kopf abzuschlagen sei. Am 29. März 1707 ließ Wilhelm Hyacinth den Untertanen Friedrich Flender von der Hardt ohne jegliche Verhandlung enthaupten. Er wurde noch im gleichen Jahr von Kaiser Joseph I. abgesetzt.

Wie wir sehen, war die Fürsorge für die Untertanen Glückssache.

Königin Elisabeth II. (übrigens hallewege von edlem thüringischem Geblüt) arbeitete 70 Jahre lang an dem Eindruck von Zeitlosigkeit der Monarchie. Sie ließ sich von wechselnden Strömungen nur wenig mitreißen und stand nach dem Tod von Diana eine Durststrecke durch, ohne sich zu verbiegen.  Das ist den meisten Monarchen fremd. Sie wiegen sich wie die Windhalme in modischen Narreteien. Ich habe mir die Mühe gemacht die deutschen Reichsstände um 1900 durchzugehen, und überall Anschmiegung an den Zeitgeist vorgefunden.

Hermann Oncken hat sich im Buch „Das deutsche Reich und die Vorgeschichte des ersten Weltkrieges“ mit der geistigen Architektur des damaligen Deutschlands befaßt: „Das ganze Gebäude dieses wilhelminischen Deutschlands hatte aber auch seine Schwächen und Kehrseiten. (…) Sie waren auf deutschem Boden darum umso sichtbarer, weil hier der Umschwung mit am raschesten erfolgt war und in die historischen Werte der deutschen Art am rücksichtslosesten eingriff. Manche lauten Gesten der Überheblichkeit, die durch alle Klassen gingen, ließen erkennen, daß die innere politische Selbsterziehung der Nation mit dem äußeren wirtschaftlichen Aufstieg nicht gleichen Schritt gehalten hatte. (…) Insbesondere war man sich auf den Höhen des deutschen Lebens sehr wohl bewußt, daß die äußere Macht, die dieser arbeitsame Emporkömmling zu entfalten verstand, nicht eigentlich einen ihr eigentümlichen Stil des deutschen Lebens als ein wertvolles Gut trug, und bemühte sich, dem „deutschen Gedanken in der Welt“ einen vertiefteren Inhalt zu geben. Auch die unparteiischen Zuschauer unter den Völkern waren nicht geneigt, den Deutschen die Gabe zuzubilligen, durch die Geistigkeit und Beherrschtheit ihrer Machtausübung mit der Tatsache der Macht auszusöhnen. (…) „Die außenpolitische Erziehung, der Instinkt für das Mögliche und das Unmögliche, der Takt in allen Berührungen mit der Lebenssphäre fremder Völker konnte nicht ererbt, sondern nur erworben werden; vielleicht nicht in einer Generation, da sich der weltpolitische Horizont so rapide erweitert hatte. (…) „Die Nuance, die die Seele der Politik ist, war seiner (Wilhelm II.) Art nicht von Natur gegeben.“

Ein Exempel für diese Taktlosigkeit des Kaisers war die sog. Bülow-Affäre. Am 28. Oktober 1908 veröffentlichte das Londoner Blatt „The Daily Telegraph“ ein Gespräch mit dem deutschen Kaiser, das in Großbritannien als anmaßend empfunden wurde. In Deutschland löste das Interview eine innenpolitische Krise aus. Wilhelm II. betonte in dem Gespräch sein andauerndes Bemühen um ein gutes deutsch-britisches Verhältnis. Der britische Argwohn gegenüber dem Reich sei unangebracht, denn während des Burenkriegs habe er als deutscher Kaiser die Bildung eines anti-britischen Kontinentalbundes zwischen Rußland, Frankreich und Deutschland verhindert. Er habe sogar der englischen Königin Victoria, seiner Großmutter, einen Feldzugsplan geschickt, der dem tatsächlichen Vorgehen gegen die Buren entsprochen habe. Auch sei die deutsche Flotten- und Kolonialpolitik nicht gegen England gerichtet, sondern die deutsche Flotte böte die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Vorgehen in Übersee. Natürlich kam das auch in Frankreich und Rußland nicht gut an. Es war ein Vorgriff auf die schulmeisternde und taktlose feministische Außenpolitik, die gedankenlos vor sich hin plappert.

Man sieht, auch in der Ausbalanzierung von Krieg und Frieden hatten Monarchen nicht immer ein glückliches Händchen. Die Wahrscheinlichkeit, daß sich ein gekröntes Staatsoberhaupt so selten dämlich wie ein ungekröntes verhält ist durchaus gegeben.

Grüße an den Inlandsgeheimdienst: „Wie selten kommt ein König zu Verstand. Und sollen sich viele nicht lieber vielen vertrauen als einem? “ (Geh. Rath v. Goethe)

Beitragsbild Goethe mit seinem Herzog, Archiv des Verf.

Quelle: Prabelsblog