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Seymour Hersh kritisiert Machtübernahme durch Extremisten in Trump-Administration

Washington. Der renommierte Journalist Seymour Hersh, bekannt dafür, als erster die Sprengung der Nord Stream-Pipelines aufgedeckt zu haben, übt in seinem neuesten Artikel „Zero Empathy, Zero Shame“ scharfe Kritik an der neuen Trump-Administration. Er sieht eine gefährliche Machtverschiebung hin zu ideologischen Extremisten wie Elon Musk, Russell Vought und Stephen Miller, die mit Initiativen wie „Project 2025“ und dem „Department of Government Efficiency“ (DOGE) die US-Regierung umgestalten wollen. Hersh bezeichnet diese Entwicklungen als „stillen Putsch“, der die Verfassung untergräbt, indem nicht gewählte Akteure wie Musk Einfluss auf staatliche Budgets und Strukturen erhalten.

In seinem auf Substack veröffentlichten Text und ergänzend in einem Artikel auf tkp.at wird besonders Musks Rolle hervorgehoben, der als Unternehmer ohne demokratische Legitimation die Regierungspolitik prägt. Hersh kritisiert zudem die fehlende Empathie und Verantwortung, etwa bei Millers harter Einwanderungspolitik, und warnt vor einem systematischen Abbau demokratischer Prinzipien. Die Kombination aus Radikalität und Machtmissbrauch stelle eine beispiellose Bedrohung für die USA dar, so der Journalist, dessen Enthüllung der Nord Stream-Sabotage weltweit für Aufsehen sorgte.

Quellen

Seymour Hersh ist einer der bekanntesten investigativen Journalisten der Welt, dessen Arbeit über Jahrzehnte hinweg bedeutende Enthüllungen ans Licht gebracht hat. Hier sind einige seiner wichtigsten und einflussreichsten Enthüllungen neben der Nord-Stream-Sprengung, die seine Karriere geprägt haben:

1. Massaker von My Lai (1969)

Hersh erlangte weltweite Bekanntheit, als er das Massaker von My Lai während des Vietnamkriegs aufdeckte. Am 16. März 1968 töteten US-Soldaten der Charlie Company über 500 vietnamesische Zivilisten, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen, in dem Dorf My Lai. Hersh veröffentlichte die Geschichte 1969 über den Dispatch News Service, nachdem große Zeitungen sie abgelehnt hatten. Seine Berichterstattung führte zu einem öffentlichen Aufschrei, einer Anklage gegen Leutnant William Calley und trug dazu bei, die Anti-Kriegs-Bewegung in den USA zu verstärken. Dafür erhielt er 1970 den Pulitzer-Preis für internationale Berichterstattung.

2. Watergate-Skandal (1970er)

Während der Watergate-Affäre, die letztlich zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon führte, lieferte Hersh als Reporter der New York Times wichtige Beiträge. Er enthüllte Details über die illegalen Aktivitäten der Nixon-Regierung, darunter das Abhören von Telefonen des Nationalen Sicherheitsrats und des Pentagons. Seine Arbeit ergänzte die Enthüllungen von Bob Woodward und Carl Bernstein und unterstrich die systematische Missachtung demokratischer Prinzipien durch die Regierung.

3. Geheime US-Bombardierung Kambodschas (1970er)

Hersh deckte auf, dass die Nixon-Regierung zwischen 1969 und 1973 geheime Bombenangriffe auf Kambodscha durchführte, die offiziell verschwiegen wurden. Diese Operationen, bekannt als „Operation Menu“, hatten verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung und destabilisierten die Region, was den Aufstieg der Roten Khmer mitbegünstigte. Seine Berichte zeigten, wie die Regierung den Kongress und die Öffentlichkeit bewusst täuschte.

4. CIA-Beteiligung am Putsch in Chile (1970er)

Hersh enthüllte die Rolle der CIA beim Sturz des chilenischen Präsidenten Salvador Allende im Jahr 1973. Er legte Beweise vor, dass die USA aktiv Maßnahmen unterstützten, um Allendes sozialistische Regierung zu destabilisieren, was zur Machtübernahme des Diktators Augusto Pinochet führte. Diese Enthüllung unterstrich die Einmischung der USA in die Politik anderer Länder während des Kalten Krieges.

5. Folter im Abu-Ghraib-Gefängnis (2004)

Im Jahr 2004 veröffentlichte Hersh im New Yorker eine Reihe von Artikeln, die die Misshandlungen und Folterungen irakischer Gefangener durch US-Soldaten im Abu-Ghraib-Gefängnis dokumentierten. Seine Berichte, unterstützt durch Fotos, zeigten systematische Menschenrechtsverletzungen und lösten weltweit Empörung aus. Die Enthüllung schadete dem Ansehen der USA im Irakkrieg erheblich und führte zu Untersuchungen und Verurteilungen von beteiligten Soldaten.

6. Tötung von Osama bin Laden (2015)

Hersh stellte 2015 in einem Artikel in der London Review of Books die offizielle Darstellung der Tötung von Osama bin Laden durch US-Spezialeinheiten im Jahr 2011 infrage. Er behauptete, dass die Operation nicht allein durch US-Geheimdienste geplant wurde, sondern dass Pakistan informiert war und Bin Laden faktisch gefangen gehalten wurde. Zudem warf er der Obama-Regierung vor, die Geschichte für politische Zwecke aufgebauscht zu haben. Diese Enthüllung war umstritten und wurde von der US-Regierung sowie vielen Medien angezweifelt, bleibt aber ein Beispiel für Hershs Bereitschaft, etablierte Narrative zu hinterfragen.

7. Giftgasangriffe in Syrien (2013/2017)

Hersh veröffentlichte Berichte, in denen er die Verantwortung der syrischen Regierung für die Giftgasangriffe in Ghouta (2013) und Chan Scheichun (2017) infrage stellte. Er argumentierte, dass die Angriffe möglicherweise von Rebellen oder anderen Akteuren (z. B. unter türkischer Mitwirkung) inszeniert wurden, um die USA in den Syrien-Krieg zu ziehen. Diese Thesen stießen auf Skepsis, da sie sich stark auf anonyme Quellen stützten und internationalen Untersuchungen widersprachen, zeigen aber Hershs Fokus auf alternative Erklärungen.

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