Paul Craig Roberts wirft der Regierung von Donald Trump vor, außenpolitische und militärische Ziele über die wirtschaftlichen Probleme der eigenen Bevölkerung zu stellen. In einem am 12. Juni veröffentlichten Beitrag verbindet der frühere stellvertretende US-Finanzminister die Staatsverschuldung, die Lage der Sozialversicherung und den finanziellen Druck auf private Haushalte mit der amerikanischen Politik gegenüber Israel und Iran.
Der folgende Text gibt die Aussagen und Bewertungen von Roberts zusammengefasst wieder. Sie sind nicht als redaktionelle Tatsachenbehauptungen oder Zustimmung zu verstehen.
Schulden und Stellung des Dollars
Roberts beginnt mit der amerikanischen Staatsverschuldung, die sich nach seiner Darstellung der Marke von 40 Billionen Dollar nähert. Umgerechnet entspreche dies fast 115.000 Dollar je Einwohner. Gleichzeitig verweist er auf Erhebungen der US-Notenbank, wonach ein erheblicher Teil der Bevölkerung Schwierigkeiten hätte, eine unerwartete Ausgabe von 400 Dollar aus eigenen Mitteln zu bezahlen.
Die Finanzierung der Schulden sei bislang dadurch erleichtert worden, dass ausländische Zentralbanken US-Staatsanleihen als Reserven hielten. Roberts sieht diese Stellung jedoch durch die amerikanische Sanktionspolitik gefährdet. Staaten müssten damit rechnen, dass in Dollar gehaltene Vermögenswerte blockiert oder beschlagnahmt würden. Dies könne die Bereitschaft verringern, Dollarreserven und amerikanische Staatsanleihen zu halten.
Sorge um die Sozialversicherung
Ein zweiter Schwerpunkt ist die amerikanische Rentenversicherung Social Security. Roberts schreibt, dass deren Reserven in etwa sechs Jahren erschöpft sein könnten. Danach stünden weiterhin Einnahmen aus den laufenden Lohnabgaben zur Verfügung, diese würden nach seiner Darstellung aber nur noch rund 77 Prozent der bisherigen Leistungen decken. Als mögliche Folgen nennt er höhere Beiträge oder niedrigere Rentenzahlungen.
Die Ursachen sieht Roberts in langfristigen wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen. Die Verlagerung von Industriearbeitsplätzen ins Ausland, eine ungünstigere Relation zwischen Beschäftigten und Rentnern sowie Digitalisierung, Robotik und künstliche Intelligenz hätten die Grundlage des umlagefinanzierten Systems geschwächt. Während große Unternehmen und Vermögende profitierten, werde die wirtschaftliche Sicherheit vieler Familien geringer, so seine Argumentation.
Kritik an der Politik gegenüber Israel und Iran
Roberts stellt diesen innenpolitischen Problemen die amerikanischen Militärausgaben und Trumps Politik im Nahen Osten gegenüber. Er bewertet die US-Kriege des 21. Jahrhunderts als Teil einer Politik, die vor allem israelischen Sicherheits- und Machtinteressen diene. Auch den Konflikt mit Iran ordnet er in diesen Zusammenhang ein.
Besonders kritisch sieht Roberts Überlegungen zu einer engeren Verzahnung der amerikanischen und israelischen Streitkräfte. Nach seiner Einschätzung würde Washington dadurch weiteren Einfluss auf die eigene Kriegsführung abgeben. Zugleich beanstandet er Trumps Äußerungen über die Kontrolle ausländischer Rohstoffe und Gebiete, die er als Ausdruck einer zunehmend expansiven Außenpolitik deutet.
Ein Einzelfall als Beispiel
Zur Veranschaulichung schildert Roberts den Fall einer Frau, die nach dem Tod ihres Mannes mit 62 Jahren vorzeitig Social Security beantragt habe und zusätzlich weiterarbeiten musste. Weil ihr Erwerbseinkommen eine bestimmte Grenze überschritten habe, seien Leistungen nachträglich gekürzt worden. Die Behörde fordere nun wegen einer Überzahlung 3.000 Dollar innerhalb kurzer Zeit zurück.
Roberts sieht darin ein Beispiel für seine zentrale These: Während Washington hohe Summen für Kriege und internationale Machtpolitik ausgebe, gerieten Bürger ohne finanzielle Rücklagen durch Behördenforderungen, steigende Lebensmittelpreise und höhere Energiekosten unter Druck. Die Prioritäten der Regierung stünden damit aus seiner Sicht nicht im Einklang mit den unmittelbaren Bedürfnissen vieler Amerikaner.



