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Parteipolitischer Friede vor dem Sturm

CDU, AfD, SPD, FW und Grüne – trotz aller Unterschiede haben sie eines gemeinsam: Nach einem harten Wahlkampf zieht es sie bei schönem Wetter in den Biergarten. Brandmauern, die zwischen den Tischen stehen müssten, gibt es (noch) nicht. So kommt es, dass sie oft beinahe Schulter an Schulter (beziehungsweise Rücken an Rücken) auf den harten Holzbänken sitzen, essen und trinken. Von vegetarischen Radieschen und Rettichen bis hin zu deftigen Speisen ist alles dabei. Allerdings sollten die grünen Wähler letzteres lieber nicht sehen – der sofortige Stimmenverlust wäre vorprogrammiert.

Träumen unter Kastanienbäumen

Wenn dann auch noch ein Ziehharmonikaspieler alte Volksweisen zum Besten gibt, wird gelegentlich sogar geschunkelt. Dieser Akt des Miteinanders ist jedoch keineswegs durch einen interfraktionellen Beschluss gedeckt, sondern allein der befreienden Wirkung von C₂H₅OH zu verdanken, das zu etwa 5 % im Gerstensaft vorkommt. Eine Rationierung pro Gast und Abend ist derzeit von keiner Partei geplant. So werden die Sorgen, so unterschiedlich sie auch sein mögen, weiterhin auf bewährte Weise hinuntergespült. Die Dienstwagen samt Fahrern sitzen derweil am Nachbartisch und genießen – wenn man so will – Cola oder Spezi.

Umweltfaktoren unbedacht

Das berüchtigte CO₂ im Bier entsteht während des Gärungsprozesses und lässt sich bislang durch keinen Kabinettsbeschluss aus der Welt schaffen. Die CO₂-Konzentration in Bier liegt typischerweise zwischen 4 und 6 Gramm pro Liter. Parteiübergreifend ist man sich einig: Bier ohne Kohlensäure würde schal schmecken, weshalb in diesem speziellen Fall auf eine CO₂-Ausgleichsabgabe verzichtet wurde. Das CO₂, das im Biergarten schluckweise aufgenommen wird, entweicht zuweilen durch andere Ausgänge des menschlichen Körpers – was an der frischen Luft jedoch keine nennenswerten Umweltschäden verursacht.

Gute alte Zeit

Der Autor erinnert sich an die gute alte Zeit, als er 1985 im Biergarten von Andechs am Nachbartisch den Präsidenten des bayerischen Landtags, Franz Heubl, nebst Gattin beim Wurstsalatessen sah – kein Leibwächter weit und breit. Es war genauso gemütlich wie 1840, als König Ludwig I. seine täglichen Spaziergänge durch München unternahm. Die Leute grüßten höflich mit „Grüß Gott, Herr König!“ – ohne Autogramme oder Selfies zu verlangen.

Sicherheit 2024

Biergärten in Bayern wurden administrativ zu waffenfreien Zonen erklärt, allerdings nur von 20 bis 24 Uhr. Der Besuch davor bleibt ein Risiko, besonders, wenn die Angesprochenen des lateinischen Alphabets nicht mächtig sind. 


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