Laptop mit ntv-Beitrag über Anschläge vor Wahlen und die AfD
Screenshot-Montage auf Grundlage des ntv-Beitrags

ntv raunt über gesteuerte Anschläge und stellt die AfD ins Zwielicht

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Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD hätte man erwarten können, dass die öffentliche Debatte zuerst um Täter, Sicherheitslücken und Behördenversagen kreist. ntv setzt in einem Beitrag jedoch einen anderen Akzent: Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sehr die AfD politisch von solchen Ereignissen profitieren könnte und vor welchem Problem die übrigen Parteien nun stehen.

Ein direkter Vorwurf gegen die AfD wird nicht ausgesprochen. Gerade das macht die Konstruktion so bequem. Man spricht nicht offen aus, dass die Partei mit der Tat etwas zu tun habe, stellt sie aber in ein Umfeld von Mutmaßungen, in dem am Ende ein Schatten hängenbleibt. Die Methode ist bekannt: erst Profiteur sagen, dann über Hintermänner raunen, schließlich den Zuschauer die Verbindung selbst ziehen lassen.

Besonders bemerkenswert ist die Passage, in der auf Überlegungen aus „Sicherheitskreisen“ verwiesen wird. Dort werde immer wieder darüber nachgedacht, ob Anschläge vor Wahlen von Staaten oder anderen Akteuren gesteuert sein könnten, die ein Interesse daran hätten, angeblich weniger demokratische Parteien zu stärken. Belege dafür liefert der Beitrag nicht. Trotzdem steht die AfD plötzlich im Dunstkreis einer möglichen ausländischen Einflussoperation.

Damit verschiebt sich der Fokus. Nicht der polizeibekannte Islamist, nicht mögliche Helfer, nicht das Sicherheitskonzept und nicht die politisch Verantwortlichen werden zum eigentlichen Skandal, sondern die Tatsache, dass Bürger nach einer weiteren Bluttat Konsequenzen in der Wahlkabine ziehen könnten. Das ist eine erstaunliche Umkehrung: Die Opposition wird problematisiert, weil die Realität ihre Warnungen bestätigt.

Natürlich darf Journalismus fragen, wer von Ereignissen politisch profitiert. Aber wenn diese Frage fast automatisch bei der AfD landet, während die Ursachen der Tat und das Versagen des Staates in den Hintergrund rücken, wird aus Analyse schnell Stimmungsmache. Eine Partei ist nicht für einen Anschlag verantwortlich, weil sie seit Jahren vor Islamismus, Kontrollverlust und gefährlicher Verharmlosung warnt.

Der eigentliche Punkt wäre unbequem genug: Wenn ein Terroranschlag die Sicherheits- und Migrationsdebatte verändert, dann liegt das nicht an der AfD, sondern an der Tat und an den Umständen, die sie möglich gemacht haben. Wer stattdessen über gesteuerte Anschläge und Wahlwirkungen spekuliert, lenkt von genau jenen Fragen ab, die jetzt beantwortet werden müssten.

Der ursprüngliche Hinweis erschien bei F-News. Für Opposition24 wurde der Beitrag redaktionell überarbeitet.