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Merz haut faustdicke Lüge raus

Wie meistens, so auch dieses Mal: Ob es die Dummheit der Altparteien-Politiker ist oder ihre Dreistigkeit, mit der sie das Publikum für bekloppt verkaufen, kann man sich aussuchen. Die Kombination aus beidem ist häufig. Friedrich Merz von der Christenunion belehrt im Tonfall des Zweimeter-Mannes seinen Vorredner und US-Vizepräsidenten JD Vance über die wahre Demokratie, die aus Merzens Sicht in Deutschland vorliege – und im Weißen Haus nicht praktiziert werde. Zwar weiß Jedermann hierzulande, dass die Parteien – mit einer Ausnahme – die Demokratie bestenfalls simulieren und ihre abgekarteten Post-Wahlkoalitionen und -Kungeleien schon vor der Wahl eingespurt sind, dennoch ruft Friedrich Merz – laut FAZ – dem US-Vize Vance nach:

 „Wir würden niemals Journalisten aus unserer Bundespressekonferenz rauswerfen“ 

– ein Verweis auf einen Vorfall im Weißen Haus mit Journalisten der Nachrichtenagentur AP. Der ehemalige US-Heuschreckendirektor Merz kennt offenbar die Bundespressekonferenz nicht näher. Sonst wüsste er, dass dort schon mehrere Journalisten rausgeschmissen worden sind. „Zufällig“ waren es die wohl Einzigen, deren hartnäckige Fragen die Politiker nicht nur in Verlegenheit gebracht haben, sondern auch die Verdummdeubelungen bloßstellten. Ein hochkant Rausgeflogener ist Boris Reitschuster, den man mit hergeholten Formalia und exzessiven Satzungsexegesen – so die Kritiker – aussperrte. Der zweite Exprimierte ist Florian Warweg, dessen Fragen den Politikern und ihren Sprechern noch heute als permanente Schachmatt-Ansagen erscheinen müssen. Warweg hatte die „Nachdenkseiten“ im Rücken, mit deren Hilfe er sich gerichtlich – hoppla, Herr Merz! – den Zugang wieder freischaufeln ließ. Er gilt als einer der ganz wenigen Fragesteller, die ihren Auftritt nicht als Empfehlung zur Übernahme ihrer Person in die Dienste der befragten Ministerien und Organisationen verstehen. 

Ausgerechnet der Oberchristdemokrat Merz kommt – gegenüber dem womöglich künftigen US-Präsidenten – mit Lügen um die Ecke, als wäre er mitten im Wahlkampf oder müsse den Herr Steinmeier kopieren, der spätere US-Präsidenten schon im Vorgriff als Hassprediger titulierte.

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